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Hamelner Geschäfte bieten reichlich Krimskrams in Schwarz-Rot-Gold

Endspurt zum Fußball-Fasching

HAMELN. Nur noch zwei Tage, dann beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Das passende Outfit zum WM-Feeling darf da natürlich nicht fehlen. Wir haben uns in Hamelner Geschäften nach Fanartikeln in Schwarz-Rot-Gold umgeschaut.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 16:40 Uhr

Bettina Löwen deckt sich mit Fahnen ein – die allerdings braucht sie nicht zum Fußballgucken … Foto. dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Ein bisschen witzig ist es schon, wenn die Frau mit den knallroten Haaren hinter dem Tresen die Frage beantwortet, welcher skurrile Fan-Artikel oder Fan-Kult ihr bisher begegnet ist: „Wenn sich die Leute die Haare Schwarz-Rot-Gold färben.“ Als der fragende Blick an ihrem Kopf hängenbleibt, fängt sie an zu lachen, „nee, nee, die habe ich immer so“, außerdem fehlen da ja auch zwei Farben. Die, die sie mit konsequenter Deutschland-Haarpracht gesehen habe, seien allerdings durch Berlin gelaufen, da fallen die nicht weiter auf. Der weniger flippige Hamelner könnte stattdessen auf eine schwarz-rot-gelbe Haarsträhne zurückgreifen, wie sie zum Kauf am Ständer hängt. Oder auf die dreifarbige Sonnenbrille, oder auf einen Haarreif mit Hasenohren in Schwarz-Rot-Gold, oder auf einen Hut mit Pailletten in … richtig.

Die Ein-Euro-Woolworth-Teddy-Wickys-und-so-Shops haben beachtlich aufgerüstet, während andere Geschäfte die Fieberkurve flach halten. Wer’s aber ernst meint, kann sich von Kopf bis zumindest Po stilsicher ausstaffieren: Gesehen wurden besagte Haarreifen, es gehen aber auch diverse Cappies, Hüte, gerne auch Perücken. Ins Gesicht, zack, den dreifarbigen Schminkstift, wahlweise das Tattoo auf die Stirn mit der Aussage im Trumpschen Stil: „Wir sind die Nummer 1 auf der Welt.“ Bescheidenheit? Pfffft. Wir werden Weltmeister. Steht so auch auf den Servietten! Und auf Bierdeckeln. Um den Hals kommt die längst bewährte Aloha-Kette mit Plastikblumenblättern, als Oberbekleidung entweder das teure Trikot, mit dem sich der Träger selbst ein bisschen wie ein Spieler fühlen kann oder ein Spaß-Shirt für den Sofa-Sportler. Das Problem mit dem Trikot: die Kosten. 22,75 Euro mögen die Fans für ihre Fan-Artikel im Schnitt ausgeben, berichtete das Handelsblatt Anfang Juni. Das offizielle WM-Trikot sprengt dieses Budget komplett.

Unterhosen mit vier Sternen, Bierdeckel und Getränkekühler in Nationalfarben

Jede Menge Schwarz-Rot-Gold sieht man dieser Tage auch ohne diese Brille … Foto: dana
  • Jede Menge Schwarz-Rot-Gold sieht man dieser Tage auch ohne diese Brille … Foto: dana
Hut und Haare im Deutschland-Look. Foto: Dana
  • Hut und Haare im Deutschland-Look. Foto: Dana
Bunny-Ohren in den Farben des Weltmeisters. Foto: dana
  • Bunny-Ohren in den Farben des Weltmeisters. Foto: dana
Für heimwerkende Fans: Zollstock mit Nationalmannschaft. Foto: dana
  • Für heimwerkende Fans: Zollstock mit Nationalmannschaft. Foto: dana
Jede Menge Schwarz-Rot-Gold sieht man dieser Tage auch ohne diese Brille … Foto: dana
Hut und Haare im Deutschland-Look. Foto: Dana
Bunny-Ohren in den Farben des Weltmeisters. Foto: dana
Für heimwerkende Fans: Zollstock mit Nationalmannschaft. Foto: dana

Weiter geht’s mit dem Outfit: Unterhosen mit vier Sternen, Deutschland-Herzen, Germany-Aufschrift, darüber die Büx mit den schwarz-rot-goldenen Streifen an der Seite. Fertig! Wer beim Anplünnen ins Schwitzen kommt, kann im Schweißband (schwarz-rot-gold – ja, ja, ja, nun kurz SRG) Rettung finden, das im Getränke-Kühler gekühlte Dosen-Bier (SRG) mit dem jubelnden Öffner öffnen, und nach dem x-ten dann selbst singen. Wer das nicht mehr kann, drückt auf einen der Knöpfe der handlichen „WM-Maschine“ – die alles scheppernd über Lautsprecher liefert, von Nationalhymne bis „Aus, aus, aaaaus!“

Konform gekleidet steht der Fan am Grill, legt Fleisch aus SRG-Verpackungen über die Holzkohle (SRG!), sitzt, steht, springt vorm neuen Fernseher (ein Muss) oder knabbert Chips aus – Sie ahnen es – Verpackungen im SRG-Look.

Zahlen zum Umsatz, den der Einzelhandel mit den billigen Fan-Artikeln macht, gibt es noch nicht. Grundsätzlich ist es kurz vor dem Startschuss ein bisschen wie mit Kindern und Hunden: Wer mit ihnen unterwegs ist, kommt schnell ins Gespräch. Wer nach Fan-Artikeln und Fußball fragt, der erfährt auch immer etwas, vor allem persönliche Meinung: „Die Deutschen trauen sich das doch gar nicht, die Fahne irgendwo aufzuhängen“, sagt ein Mann im Geschäft, das eine sehr überschaubare Anzahl an Fanartikeln bereithält, „überhaupt gibt es in Deutschland doch ein Problem“. O. k., das war doch gerade nicht das Thema, Politik! Hier geht’s um was viel Ernsteres . Oder: „Ich habe damit überhaupt nichts am Hut“, sagt eine Frau, die Fan-Artikel im Laden schon seit Wochen vor der Nase hat und sie nicht mehr sehen kann. Und dann ist da noch Bettina Löwen vom Kinderspielhaus, die gerade einige Flaggen in ihren Einkaufskorb legt, Knicklichter, kleine Aufkleber und sich offenbar für Deutschland-Spiele eindeckt. Der Schein trügt.

Sie kauft ein für die bevorstehende Ferienwanderung und das Zeltlager Tönebön-Camp, auf das sich schon wieder hunderte Kinder freuen. In der zweiten Woche lautet das Motto „Weltmeister auf Weltreise“, erzählt sie, und da reisen die Kinder imaginär als Touristen von Land zu Land. Am ersten Tag ist Deutschland das Reiseziel. Es dreht sich ab Freitag eben doch nicht alles um Fasching. Äh, … Fußball.



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