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Auch Verteidigungsministerin bekommt bei Travestie ihr Fett weg

„Endlich mal ein Kerl bei der Truppe“

Hameln. „Wie laufen die bloß in den Dingern, und wie halten sie die Balance?“ Eine nicht ganz unberechtigte Frage, die Jack Lemmon an Tony Curtis, besser bekannt als Daphne und Josefine, in der „Mutter aller Travestiefilme“ auf dem Bahnsteig stellt, als sie zum ersten Mal in Highheels einen Zug besteigen. „Bei ihnen sind die Gewichte anders verteilt“, lautet Josefines lapidare Antwort. Und dann wird es so richtig heiß, als Marilyn Monroe alias Sugar die Szene betritt und zeigt, wie man gekonnt auf Stilettos läuft.

veröffentlicht am 04.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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„Wie eine Götterspeise auf Beinen“, raunt Daphne neiderfüllt und fühlt sich angesichts dieser geballten Ladung Sexappeal, als wäre sie in ein Butterfass gefallen. Josephine ist entsetzt und macht ihrer „Partnerin“ unmissverständlich klar: „Finger weg. Wir sind auf Diät.“ Der körperliche Angriff auf Daphne hat Folgen. „Jetzt hast Du es geschafft. Du hast mir einen Busen abgerissen.“ Mit solch köstlichen Dialogen hat Billy Wilder einen Film geschaffen, der bis heute die Bestenliste der Komödien anführt. Und natürlich wegweisend für nachfolgende Travestie-Generationen ist. Einerseits die frech-schrille Daphne, andererseits die blasiert-vornehme Dame Josefine – Charaktere, die bis heute wirken und auch beim „Zauber der Travestie“ im Weserbergland-Zentrum immer wieder fröhliche Auferstehung feiern. Gepfefferte Zoten werden über die Bühnenrampe geschleudert. „Ihr seid ja nicht zu uns gekommen, um fromme Sprüche zu hören. Die gibt es sonntags in der Kirche“, frotzelt Marcel Bijou, die immer wieder weit jenseits der Gürtellinie ihre Moderation platziert und dabei Aktuelles einbaut. „Wenn ich mir meine Kolleginnen so von hinten ansehe, denke ich immer an den Wendler. Was für ein Arsch!“

Auch sich selbst nehmen alle sechs Künstlerinnen auf die Schippe. „Meine Brust hat eine Kollegin schon ein Jahr vor mir getragen“, plaudert Marcel Bijou aus dem Travestie-Nähkästchen. „Die kann ich bei 60 Grad waschen.“ Und fügt süffisant in Richtung des weiblichen Publikums an: „Ihr dagegen könnt nur Handwäsche und manche von Euch Tiefenreinigung.“

Auch Deutschlands erste Verteidigungsministerin bekommt ihr Fett weg. „Endlich mal ein Kerl bei der Truppe.“ Zwischendurch immer wieder spektakuläre Kostüme und natürlich die Frage, die vor über 50 Jahren bereits Jack Lemmon in „Manche mögen’s heiß“ beschäftigte. Wie halten die „Damen“ die Balance auf den meterhohen Pumps? Gekonnt ist eben gekonnt. Und genau das macht den Reiz dieses Abends aus. Da lassen sich auch die Herren aus dem Publikum nicht lange bitten, um mit Denisse Zambrana, der quirligen Tante aus Alicante, einen gepflegten Limbowettbewerb zu veranstalten. Brüllkomisch auch der Auftritt von Leslie London, übrigens gebürtig aus der Rattenfängerstadt: Sie gab Nana Mouskouri grandios in Stimme, Mimik und Gestik. Da flogen nicht nur die weißen Rosen aus Athen durch den Saal, sondern auch Perücke und Hornbrille. Fast möchte man das Fazit glauben, das Marcel Bijou vor dem großen Finale zog: „Wir haben schon manche Männer umgeschwult, die mit ihren Frauen im Publikum saßen, um am nächsten Tag bei uns mitzuarbeiten.“ Was nicht nur Lust macht auf die heftig geforderte Zugabe – das ergreifende „My Way“ mit Abschminken auf offener Bühne –, sondern sogleich aufs nächste Mal, im Februar 2015.



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