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Viele Hamelner Straßen in desolatem Zustand / Für Sanierung sind Millionen notwendig

Endlich Ende der Flickschusterei

Hameln. Wer schneller als mit 10 Stundenkilometern über den Wilhelmsplatz fahren will, sollte gesunde Bandscheiben oder einen Geländewagen haben: Schon der Übergang von der Teerdecke zum Kopfsteinpflaster geht ohne vorherige Bremsung gewaltig in die Stoßdämpfer, und die Hoppelfahrt hält dann an bei der Passage über abgesacktes Katzenkopf-Plaster mit Wasserpfützen, das mit Moos- und Unkrautbewuchs ein innerstädtisches Kleinbiotop darstellt. Heia Safari!

veröffentlicht am 15.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:41 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Die Stadt Hameln unterhält ein Straßennetz von rund 337 Kilometern Länge: Neben Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sind davon allein über 305 Kilometer Gemeindestraßen. Und vor allem in diesen steckt vielerorts der Wurm. Ihr Zustand erinnert nicht selten an den von DDR-Pisten vor dem Aufbau Ost. Der Grund: Während die Stadt für den Unterhalt der 14,5 Kilometer Bundesstraßen ihre Bauleistungen von der Straßenbauverwaltung jährlich rückvergütet bekommt (das innerstädtische Bundesstraßennetz ist deshalb in einem guten Zustand), ist Hameln für die Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen bei Ebbe in der Stadtkasse alleiniger Baulastträger. Und hier wird das bei Befahren nicht nur des Wilhelmsplatzes vor der Frontscheibe sicht- und im Autositz spürbar.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es zu wenig Haushaltsmittel für den städtischen Straßenbau. Es wurde immer nur geflickt statt saniert. Doch durch jahrzehntelange Asphalt-Kosmetik ist mittlerweile ein Substanzverlust eingetreten, dessen Behebung für die Stadt Millionen-Investitionen erforderlich machen werden.

Ist doch der Zustand des Wilhelmsplatzes für Hameln nicht traurige Ausnahme, sondern nur die Spitze des Debakel-Berges in Sachen Straßenzustand. Denn biegt man vom Wilhelmsplatz in die Lohstraße ab, geht die Ruckel-Tour über abgeplatzte Teerschichten und Asphalt-Plomben in der aufgerissenen Teerdecke weiter. Dasselbe Bild bietet sich in der Karlstraße, wo man in den Schlaglöchern den Aufbau von mindestens drei Asphaltschichten zurückverfolgen kann, die über den einstmals zu Kaisers Zeiten gesetzten Unterbau gepappt worden sind. Und die Bordsteinkanten aus historisch handbehauenem Naturstein, der heute bestenfalls noch zur Steingarten-Einfassung taugt, grenzen immer noch wie in Gründerzeiten die Bürgersteine vom Pisten-Fiasko ab.

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Auf der Kuhlmannstraße stadtauswärts ab Vorwerk und Stadion werden hingegen alte DDR-Zeiten mit Trabi-Feeling wieder lebendig: Hier sorgt die Straßendecke der Landesstraße 424 mit ihren Flick-Quadraten im Stil einer Patchwork-Arbeit für das typisch ratternde Fahrgeräusch, das man sonst meist nur von alten Bahntrassen kennt.

Doch ist nun auch bei der Stadt Hameln die Erkenntnis gereift, dass es in Zukunft nicht darum gehen kann, immer nur die Schlaglöcher des Winters zu stopfen und ein paar Schönheitsreparaturen vorzunehmen, die sich in der Vergangenheit als nicht nachhaltig erwiesen haben. Die Folge: Derzeit beträgt allein die Abschreibung für die Straßeninfrastruktur jährlich rechnerisch rund 2,3 Millionen Euro. Diese Summe wäre eigentlich pro Jahr zu investieren, um den Werteschwund bei Hamelns Straßennetz aufzuhalten.

Die derzeitigen Planungen gehen daher dahin, neben der Verdoppelung des Ansatzes für Straßen-Unterhaltungsmaßnahmen im Haushaltsentwurf 2014 auf 600 000 Euro ein kommunales Erhaltungskonzept zu entwickeln. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, einen Vierjahresplan aufzustellen, um fortan gegen die Abschreibung der Hamelner Straßenbausubstanz anzuarbeiten. Dabei müssten die jährlichen Investitionsmittel auf etwa 2 Millionen Euro veranschlagt, die städtischen Aufwendungen für den Straßenbau bis 2016 kontinuierlich heraufgesetzt werden. Dennoch wären diese Summen für die Stadt nur mit Gegenfinanzierungen zu wuppen.

Die Verwaltung stellt derzeit Überlegungen an, ein konkretes „Straßenmanagementsystem“ für Hameln aufzustellen. Mit diesem System sollen künftig anhand von Straßenbestands- und Zustandsdaten Unterhaltungsstrategien entwickelt werden. In seiner Sitzung am Mittwoch, dem 23. Oktober, wird sich der Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit der Materie befassen.

Bordsteinkanten aus Kaisers Zeiten (oben) und Flickschusterei in der Kuhlmannstraße (u.).



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