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„Wir legen Wert auf vollständige Integration“

Endlich ein eigenes Cem für die Aleviten

Die Aleviten haben ihr neues Gotteshaus, genannt Cem, in der Zentralstraße eingeweiht. Landrat Tjark Bartels betonte dies als „höchst willkommen“ Beitrag zur „Vielfalt in unserer Gesellschaft“

veröffentlicht am 29.10.2017 um 17:37 Uhr

Der Geistliche Celal Keykubat Dede (li.) und Kirmansah Demir eröffnen die Einweihungsfeier des alevitischen Cem-Hauses, rechts vorne Landrat Tjark Bartels und Bürgermeister Volker Brockmann.Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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HAMELN. Nach langen Jahren erfolgloser Bemühungen, ein eigenes Gotteshaus, bei den Aleviten „Cem“ genannt, zu besitzen, hat diese in Deutschland anerkannte Religionsgemeinschaft am Samstag in der Zentralstraße in Hameln ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. Die Grüße der Landkreises und der Stadt überbrachten Landrat Tjark Bartels und Bürgermeister Volker Brockmann.

Bartels betonte ebenso wie Brockmann, wie „höchst willkommen“ dieser Beitrag zur „Vielfalt in unserer Gesellschaft“ sei, in der jedermann so religiös oder auch nichtreligiös sein dürfe, wie er wolle. „Das gehört zu den Werten und der Tradition unserer Gesellschaft.“ Und wenn von deutscher Leitkultur gesprochen werde, dann sei sie im Grundgesetz festgelegt.

Rund 100 Mitglieder hat der HAKM e.V., der Hamelner Aleviten Kultur Verein. Auf 200 bis 250 alevitische Familien schätzt der Vorstand den Gesamtumfang der alevitischen Gemeinde im Landkreis. „Das dürften zwischen achthundert und tausend Menschen sein“, schätzen die beiden Vorstandsmitglieder Ali Albayrak und Kirmansah Demir. Auf rund 800 000 schätzt das Bundesamt für Migration die Zahl der Aleviten in Deutschland, die mehrheitlich aus der Türkei stammen und sich in 157 Gemeinden organisiert haben. In Niedersachsen sollen 20 000 bis 30 000 Aleviten leben.

In ihren Cem-Häusern wird auch nicht, so wie in den Moscheen, auf Arabisch gebetet, sondern „in der Sprache, welche die Menschen im Cem verstehen“, erklärt Kirmansah Demir. „In ein paar Jahren könnte das dann auch auf Deutsch sein, denn wir legen großen Wert auf eine vollständige Integration.“

Auch wenn die Aleviten ihren Ursprung im Islam haben, weil sie sich in der Nachfolge von Ali, einem Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, verstehen, folgen sie gänzlich anderen Regeln. Frauen sind gleichberechtigt, ihre Gebete sind nicht nach Mekka ausgerichtet, sondern erfolgen in einem Gebetskreis, „denn sie sind auf den Menschen, auf die Seele ausgerichtet“. Politisch sehen sich die Aleviten mehrheitlich in der Opposition zum türkischen Präsidenten Erdogan, denn die Türkei erkennt die Aleviten nicht als Religionsgemeinschaft an. Unter dem Staatsgründer Atatürk sei das noch anders gewesen, betonen Albayrak und Demir. „Da wurden die Aleviten noch vom Staat gefördert und besetzten viele Ämter in der Justiz oder auch beim Militär.“

Musikalisch begleitet wurde die Einweihungsfeier von der Band „7 Stimmen, 7 Geschichten“. Sie hat die Musik zu Texten der „sieben großen Dichter“ der Aleviten selbst komponiert. Mit den auf Bass-Darbuka, Bendir, Percussion-Instrumenten und der Langhalslaute Baglama gespielten Stücken wurde die Einweihungsfeier auch zu einer besonderen musikalisch-kulturellen Feierstunde mit hoch emotionalen Rhythmen und wunderbaren Stimmen der vier Künstler Mustafa Boztüy, Hidayet Tuncer, Yunus Ceyhan und Umut Akkus. Der Ausklang der Feier fand am Abend im Alten Hallenbad mit life gespielter türkischer Pop- und Volksmusik, Volkstänzen und einem großen Buffet statt.

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