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Die Wehrberger Warte schließt zum Ende des Jahres / Zwillingsschwestern setzen sich zur Ruhe

Ende einer Ära

WEHRBERGEN. Eine Ära geht zu Ende. Mit der bevorstehenden Schließung des Gasthauses Wehrberger Warte verliert Hameln eines seiner ältesten Traditionslokale. Schon Wilhelm Busch kehrte in dem urigen Gasthaus an der Weser ein. Doch nach nunmehr 45 Jahren wollen sich die Zwillingsschwestern Antje Lemke und Irmtraud Wilde zur Ruhe setzen.

veröffentlicht am 11.12.2017 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 11.12.2017 um 17:10 Uhr

Lange Zeit war das Fachwerk des Hauptgebäudes der Wehrberger Warte noch verputzt. Foto: fn
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Seit über 200 Jahren ist der Name Lemke mit den Schicksalen der Warte zwischen Wehrbergen und Hameln verknüpft. Seit sieben Generationen befindet sie sich in Besitz der Familie Lemke. Anni Lemke und ihr Mann Hans, die Eltern der Schwestern, betrieben bis in die 1960er Jahre noch Landwirtschaft auf dem Hof der Wehrberger Warte und Fischerei.

Der Schankbetrieb wurde nebenbei ausgeübt. Morgens um 9.30 Uhr wurde geöffnet und geschlossen wurde erst, wenn der letzte Gast gegangen war. Heiligabend war der einzige Ruhetag. Auch über Brau- und Brennrechte verfügte die Wehrberger Warte.

Früher wurden im Saal über dem Lokal noch Tanzabende veranstaltet. Da wackelten im Erdgeschoss die Lampen, wie sich Irmtraud Wilde erinnert. 1965 wurde dieser allerdings im Zuge neuer Brandschutzauflagen geschlossen. Zudem befindet sich in der Wehrberger Warte die laut Lemke und Wilde erste, nichtautomatische Kegelbahn in Hameln, bis heute werde sie noch von einigen Kegelbrüdern genutzt.

Die Wehrberger Warte um 1960. Foto: zeitreise.dewezet.de
  • Die Wehrberger Warte um 1960. Foto: zeitreise.dewezet.de
Foto: Archiv
  • Foto: Archiv
Die Zwillingsschwestern Antje Lemke und Irmtraud Wilde als Mädchen mit ihren Eltern Anni und Hans Lemke vor der Wehrberger Warte. Foto: Archiv
  • Die Zwillingsschwestern Antje Lemke und Irmtraud Wilde als Mädchen mit ihren Eltern Anni und Hans Lemke vor der Wehrberger Warte. Foto: Archiv

Im Gespräch mit der Dewezet sagen die Schwestern, dass es ihnen immer wichtig gewesen sei, den ursprünglichen Charakter der Wehrberger Warte zu erhalten. Somit wurde etwa im Zuge umfangreicher Renovierungsarbeiten bereits vor geraumer Zeit das Fachwerk wieder freigelegt.

Die Wehrberger Warte bildet seit jeher den Lebensmittelpunkt der beiden Frauen. Und es ist dem Arbeitspensum beider Schwestern zu verdanken, dass die Gebäude und auch der Biergarten in einem so makellosen Zustand sind. Der Gast, sind sich die Zwillinge sicher, spüre die besondere Atmosphäre und die „Seele des Hauses“, sobald er das Wirtshaus betrete.

Das Wichtigste sei Antje Lemke und Irmtraud Wilde die Zufriedenheit der Gäste. Dass ihnen dies in all den Jahren „gut gelungen“ sei, dessen sind sich die beiden mit Blick auf die hohe Anzahl ihrer Stammgäste sicher. Manche Gäste kämen schon seit über 50 Jahren in das Gasthaus vor der Stadt. Trotzdem, ein wenig Wehmut schwingt bei der Vorstellung, dass es das Restaurant künftig nicht mehr geben wird, bei Antje Lemke und Irmtraud Wilde mit. „Wir haben es ja gerne gemacht“, sagen die Schwestern einvernehmlich. „Das war halt unser Leben.“ Vermissen werden sie vor allem ihre Gäste, glauben sie.

Das Besondere an ihrem Gasthaus sei die Küche, finden die Schwestern. Alles werde noch nach Rezepten ihrer Vorfahren frisch zubereitet. Das Gasthaus auf dieser Basis untere anderer Leitung weiterzuführen, werde daher schwierig. Zumal auch die Kinder der beiden Frauen andere berufliche Wege eingeschlagen hätten.

Somit wir die Wehrberger Warte mangels Nachfolge am Samstag, 30. Dezember, ein letztes Mal geöffnet sein. Doch wer jetzt in dem Gasthaus an der Weser noch mal speisen möchte, muss leider enttäuscht werden. Alle Tische sind bis Ende des Jahres bereits restlos reserviert.

Information

Die Wehrberger Warte

Die Geschichte der Wehrberger Warte reicht bis ins fehdereiche Mittelalter zurück. Schon im Jahr 1312 war an der Grenze Hameln-Wehrbergen eine zur Hamelner Landwehr gehörende Warte nachweisbar. „Warte“ leitet sich von dem einstigen Wartturm, also Wachturm ab. Mit Schlagbäumen kontrollierten Wächter den Durchgang der Landstraße sowie den Weserstrom. Wer abends zu spät kam, konnte in der Warte auf Unterkunft und Verpflegung zählen. Die Gastronomie hat in der Wehrberger Warte somit eine weit zurückreichende Tradition. Grenzbezieher überprüften den Zustand der Landwehr. Bis heute erhalten hat sich die Tradition der Grenzbeziehung. Erst im 18. Jahrhundert verloren die Warten zunehmend ihre militärische Bedeutung, der Turm der Wehrberger Warte zerfiel. Früh waren die insgesamt fünf Hamelner Warten ein beliebtes Ausflugsziel. So gab es neben der Wehrberger Warte noch die Afferdesche, die Berkeler, die Holtenser und die Rohrser Warte. 1896 kaufte Friedrich Lemke die Wehrberger Warte auf. Seine Vorfahren waren noch Pächter der Warte gewesen. Wenn der Dichter Wilhelm Busch bei seiner Verwandtschaft in Hameln zu Besuch war, zog es ihn auch immer wieder in das Ausflugslokal vor der Stadt. An der Wehrberger Warte hatte er einen Lieblingsplatz: in einer Grotte am Weserufer, wo zwei Hainbuchen zusammengewachsen waren. Heute ist das die Wilhelm-Busch-Grotte. Mit einem Kahn konnte bis in die Jugend der Zwillingsschwestern noch über die Weser gesetzt werden. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.pk



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