weather-image
24°
Die Fahne muss weg

Einzelhändler ärgert sich über Vorschriften für Werbeaufsteller

HAMELN. Womit dürfen Einzelhändler in der Fußgängerzone werben? Jedenfalls nicht mit einer grünen Fahne, sagt die Stadtverwaltung. Damit bringt sie den Geschäftstreibenden Robert Stangenberg auf die Palme und gegen sich auf.

veröffentlicht am 25.04.2018 um 15:29 Uhr

Robert Stangenberg hat die grüne Fahne fürs Foto wieder aufgestellt. Ansonsten darf er damit nicht mehr werben – nachdem sich offenbar vier Jahre lang keiner daran gestört hat. Foto: bha
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Aufregen könnt’ er sich. Und tut’s auch: Robert Stangenberg liegt im Clinch mit dem Hamelner Ordnungsamt und der Abteilung Stadtplanung. Der Geschäftsmann betreibt einen Laden mit E-Zigaretten an der Osterstraße. Weil das Gebäude mit der Nummer 38, in dem er mietet, etwas zurückversetzt und nicht mit den übrigen Geschäften in einer Flucht liegt, behilft Stangenberg sich mit einer grünen Fahne. Die stellt er während der Öffnungszeiten vor sein Geschäft, um auf sich und seinen Laden aufmerksam zu machen. Genau das hat die Stadt jetzt verboten. Seinen Unmut darüber hat Stangenberg in der Facebook-Gruppe „Hameln redet mit“ öffentlich gemacht.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten ihm einen Besuch abgestattet und ihm mitgeteilt, dass die Werbefahne weggeräumt werden müsse „und dass solche Werbeaufsteller in der Innenstadt verboten sind“, schreibt er online. Die Stadtverwaltung beruft sich auf die geltende Gestaltungsrichtlinie und die Örtliche Bauvorschrift über Werbeanlagen und Warenautomaten: „Bannerwerbung und Werbefahnen sind unzulässig“, heißt es in Paragraf 5 Absatz 1.

Dass es Regeln geben muss, damit es in der Fußgängerzone nicht nach Kraut und Rüben aussieht, sieht Stangenberg ein, wie er gegenüber der Dewezet sagt. Was er nicht einsieht: Wenige Meter weiter in die eine Richtung stehen Warenauslagen (erlaubt), kunterbunt, hängen flatternde Ballons (was als Warenauslage gilt und daher erlaubt ist), stehen knallrote Plastikstühle, die nur als Ausnahme zugelassen werden, hier und dort kommen rote Sonnenschirme zum Einsatz, die nicht in die Vorgabe „gedeckte Natur- und Pastelltöne der RAL-Farben“ passen, es sei denn, es gab eine Ausnahmeregelung. Stangenberg spricht von einem „Ungleichgewicht“ und ärgert sich darüber, dass die Stadt in seinen Augen ihre Regeln „nicht argumentieren kann“. Warum bunte Warenauslagen, aber keine Fahne, die an der Häuserflucht abschließt?

Für die Stadtverwaltung spricht Thomas Wahmes: „Die Warenauslagen erfüllen eine Funktion – Waren werden feilgeboten.“ Banner wiederum dienten nur der Werbung. „Wenn das jeder macht, nimmt das schnell überhand, und wir haben Wildwuchs.“ Würden „hier und dort Eingeständnisse gemacht“, könne man den hohen Standard, den Hameln sich mit der Fußgängerzone gesetzt habe, nicht erfüllen und es liefe der Gleichbehandlung zuwider. Auch die Einzelhändler selbst könnten daran kein Interesse haben.

Stangenberg dagegen hinterfragt die Sinnhaftigkeit der Vorschriften und verweist auf den Nutzen, den die Einzelhändler für die Stadt haben. „Wir versuchen hier, die Bude am Laufen zu halten“, sagt er über sich und seine Berufskollegen und ihr Engagement in der Innenstadt. Angesichts der Leerstände könnte die Stadt „doch auch mal ein Auge zudrücken“ bei jenen, die da sind, „anstatt sie zu drangsalieren“. Er sei ja auch bereit, fürs Aufstellen der Fahne zu bezahlen, so, wie für Warenauslagen auch bezahlt werden muss. Wenn Stangenberg durch die Fußgängerzone geht, sieht er ganz andere Baustellen: Hässlich plakatierte Scheiben von Leerständen beispielsweise. Oder Fahrradfahrer, denen nicht ausreichend Einhalt geboten würde.

Er würde sich wünschen, dass Stadt und Geschäftstreibende sich mal an einen Tisch setzen, um die Regeln „zu hinterfragen und zu prüfen“. Genau das sei aber nach der Sanierung der Fußgängerzone geschehen, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Das Ergebnis ist die 2013 verabschiedete Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen in der Fußgängerzone, die damals allerdings bei einigen Händlern der Innenstadt durchaus umstritten war. 2014 ist Stangenberg mit seinem Geschäft vom Münsterkirchhof an die Osterstraße umgezogen – und hatte seither die Fahne aufgestellt. Vier Jahre keinen Ärger und jetzt das? Wahmes: „Dann ist er bei den Kontrollen wohl bisher durchgerutscht.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare