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Vom städtischen Krankenhaus zum Sana-Klinikum

Einst sorgte eine Wärterin für die Kranken

Noch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts besaß die Stadt Hameln für ihre 6000 Einwohner kein Krankenhaus. Es war der städtische Senator Karl Georg Ludwig Wermuth (1806-1867), der 1834 den Anstoß zur Gründung gab. Wermuth, Schwiegersohn von Hamelns großem Bürgermeister Domeier, war zugleich Polizeikommissar und Direktor der Weser-Dampfschifffahrt. Später baute er als Generalpolizeidirektor die hannoversche Polizei zu einem effektiven Instrument der politischen Überwachung aus.

veröffentlicht am 18.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Bernhard Gelderblom
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Erster Standort war die südliche Hälfte der vom Militär freigegebenen Kaserne am Langen Wall. Im nördlichen Teil befand sich das städtische Armen- und Waisenhaus. 6000 Taler standen für den Umbau bereit. 18 Betten verteilten sich auf fünf Zimmer im 1. Stock. Es gab einen Raum für „Deliranten“ sowie zwei „Krätze-Zimmer“ unter dem Dach. Nur eine bezahlte „Wärterin“ sorgte für die Kranken. Erster Arzt war der „Stadtphysikus“ Dr. August Westrumb (gest. 1856). Von 1873 bis 1908 versah Dr. Carl Lodemann den Dienst.

Das ständig überbelegte Krankenhaus entsprach in keiner Weise den hygienischen Anforderungen der Zeit. Außerdem stand es zu nah am Waisenhaus und einer Schule. Dr. Westrumb bat lange vergebens um einen Neubau. Die Landdrostei in Hannover forderte am 12. Juni 1873 sofortige Abhilfe und mittelfristig einen Neubau.

Nachdem erst 1888 der Beschluss zum Neubau gefallen war, kaufte die Stadt 1890 das Invalidenhaus. Für das Haus mit seinem großen Garten zahlte sie 90 000 RM an den Militärfiskus. Die Bitte des Landkreises, sich dem Vorhaben anzuschließen, lehnte die Stadt ab. Eine Vereinigung der Krankenhäuser von Stadt und Kreis gab es erst 83 Jahre später.

Der Umbau nach dem Muster des neuen Krankenhauses in Hamburg-Eppendorf wurde sehr teuer. Für 25 Kranke (bei einer Einwohnerzahl von 20 000) wurden drei Schwestern (aus dem Clementinenstift in Hannover), eine Wärterin, eine Köchin und ein Heizer angestellt. Leitender Arzt blieb Dr. Lodemann.

Erst 1909 wurde mit Dr. Hermann Brandes ein Chirurg berufen. Bis dahin mussten größere chirurgische Eingriffe in Hannover oder Göttingen vorgenommen werden. Im selben Jahr wurde ein erstes Röntgengerät angeschafft. Die Patientenzahl stieg nun stark an. Jetzt gingen nicht mehr nur Arme, sondern auch Bürger ins Krankenhaus. Die Beschäftigung eines Assistenzarztes wurde nötig, 1919 die eines zweiten. Während des Ersten Weltkrieges wurden im Garten drei Baracken aufgestellt, davon eine für Infektionskranke. Seit 1923 ein Weserflügel und ein neuer OP-Saal gebaut worden waren, umfasste das Krankenhaus 120 Betten. Dr. Hanns Höpfner kam als Leiter der neu eingerichteten Inneren Abteilung; ein Labor wurde eingerichtet.

Während im Zweiten Weltkrieg das 1921 gegründete Kreiskrankenhaus als Reservelazarett I diente, errichtete die Stadt Hilfskrankenhäuser in der Villa Brüning und im „Hitlerhaus“ Erichstraße 4 (50 Betten). Für ausländische Zwangsarbeiter, die man im Haupthaus nicht duldete, stellte man Baracken auf. Seit dem großen Luftangriff auf Hannover 1943 dienten das Klubhaus, die Landfrauenschule, die Baracke auf dem Finkenborn und die Molkereischule zusätzlich als Hilfskrankenhäuser.

Nach Kriegsende bestimmten die Alliierten, die Zwangsarbeiter aus den Baracken an den Standort Erichstraße 4 zu verlegen. Für TBC-Kranke wurde die Jugendherberge am Brösselweg genutzt. Die verbreitete Kinderlähmung, Geschlechtskrankheiten und eine Scharlachepidemie führten zu einer extremen Überbelegung.

Der notorischen Raumnot begegnete man mit zahlreichen An-, Um- und Neubauten. 1949 wurden der Weserflügel verlängert und das Hauptgebäude aufgestockt. Damit hatte das Krankenhaus mit Außenstellen 348 Betten. 1951 wurde die Kinderklinik in Betrieb genommen, 1952 ein großes Bettenhaus bezogen. Das Hilfskrankenhaus Erichstraße 4 konnte aufgegeben werden, etwas später auch das an der Sandstraße. 1952 wurde ein erstes und 1957 ein zweites Schwesternhaus gebaut. 1964 bis 1967 errichtete die Stadt in zentraler Lage und mit kurzen Wegen zu den Bettenhäusern einen neuen Behandlungstrakt. Letzte Baumaßnahme war 1971 die Kinderklinik. Damit hatte das Krankenhaus 515 Betten, war aber wegen der vielen An- und Umbauten in funktioneller Hinsicht schlecht und unübersichtlich.

Zum Jahresbeginn 1973 wurde das Krankenhaus im Zuge der Gebietsreform vom Landkreis übernommen und damit eine Vereinigung der beiden Häuser erreicht. Das alte Invalidenhaus, das einmal das Hauptgebäude des Weserkrankenhauses gewesen war, wurde in zwei Schritten – 1988 und 1993 – zugunsten eines neuen Bettenhauses abgerissen.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Das Foto des damaligen Stadtkrankenhauses stammt aus den 1950er Jahren.

Renate Kumm

Heute steht an gleicher Stelle das Sana-Klinikum.bg



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