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Blindenstammtisch hat lange nach einem passenden Lokal gesucht / Speisekarte in Blindenschrift

Einmal Lasagne zum Ertasten:

Hameln (fn). „Einmal Saltimbocca, bitte.“ „Und ich nehme eine Lasagne.“ Die Bestellung der Speisen wird nach ausgiebiger Prüfung der „Mamma-Rita“-Speisekarte aufgegeben – und wurde selbst „erlesen“. Und das „selbst Erlesen“ ist für die Sehbehinderten der Blindenselbsthilfe Hameln keine Selbstverständlichkeit. Möglich macht dies eine in Blindenschrift gehaltene Speisekarte, die jetzt Mancuso Agotino, dem Pächter des italienischen Restaurants „Mamma Rita“, von der Selbsthilfegruppe zur Verfügung gestellt wurde. „Wir wollen unsere Selbstständigkeit nicht nur erhalten, sondern erweitern und die Sehenden nicht mit Vorlesen behelligen“, erläutert Elke Lücke, 2. Vorsitzende der Hamelner Blindenselbsthilfe, einen Grund zum Erstellen des Buches. Heinz Hofmann fügt an: „Wenn vorgelesen wird und gleichzeitig Unterhaltungen laufen, hört sich das an wie Geschnatter in einem Gänsestall!“ Und Geschnatter kennt der Pyrmonter zur Genüge, da er jahrelang Geflügelzüchter war.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 23:41 Uhr

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Nachdem das bisherige Stammlokal der Selbsthilfegruppe schließen musste, waren die Sehbehinderten auf der Suche nach einem geeigneten Treffpunkt für ihren Stammtisch, eine Suche, die nicht so einfach war. Für das Lokal in der Kupferschmiedestraße sprach neben der von der Gruppe gewünschten Gemütlichkeit die gute Verkehrslage mit der nahen Bushaltestelle als Anbindung zum Bahnhof. Selbst eine große Eisenplatte direkt vor dem Lokal fand Bedeutung für die Sehbehinderten, da sie mit dem Langstock – von den Sehbehinderten scherzhaft „Fußwegscanner“ genannt – als natürliche Orientierungshilfe genutzt werden kann. „Die meisten anderen Restaurants waren zu laut. Als Sehbehinderter muss man sich orientieren können“, so Elke Lücke. Dass sich die Küche für ihre neuen Stammgäste besonders ins Zeug legen muss, weil durch die fehlende Sehkraft andere Sinne wie der Geschmacksinn stärker ausgeprägt sein sollen, weist Lothar Huge zurück: „Das stimmt nicht. Wir hören zwar intensiver, aber nicht besser. Und mit dem Geschmack hat das nichts zu tun.“ Von der jetzt in Blindenschrift gedruckten Karte, sie ist übrigens in Kurzschrift gehalten, können nun auch andere von Agotino zu bewirtende sehbehinderte Gäste profitieren. „Ich bin nicht nur stolz, dass den Sehbehinderten bei uns das Essen schmeckt, sondern auch glücklich über die mir überreichte Speisekarte“, betont der Italiener. Sehbehinderte, die sich beim Stammtisch mit der Gruppe austauschen möchten, sind willkommen. Die Gruppe trifft sich an jedem zweiten Freitag eines Monats.

Konzentriert: Elke Lücke liest mit den Fingern, was sie bestellen wird.Foto: fn



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