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Versorgungsbereich Bahnhofstraße/Deisterstraße „anfällig für zunehmende Verödung“

„Einkaufs-Meile“ mit vielen Leerständen

Auch das Gebäude von e.on Westfalen Weser steht leer. Die ehemaligen Mitarbeiter werden als Frequenzbringer für die Bahnhofstraße vermisst.Fotos: Wal

veröffentlicht am 12.02.2009 um 22:14 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 12:21 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Hameln. „Willkommen in der Einkaufs-Meile Bahnhofstraße“ begrüßt als erstes ein Schild die Passanten, die vom Bahnhof kommend den Weg Richtung Zentrum einschlagen. Das nächste Begrüßungskomitee auf der rechten Seite bilden: zwei Leerstände; auf den nächsten 350 Metern bis zur Ecke Deisterstraße folgen zahlreiche weitere. Der von der Stadt als zentraler Versorgungsbereich eingestufte Bereich Deisterstraße/Bahnhofstraße ist in der Vergangenheit zusehends schwächer und anfällig für weitere Verödung geworden, so die Bewertung des Fachbereichs Planen und Bauen. Das Ziel, das neben den Stadtplanern naturgemäß die Geschäftsleute selbst verfolgen: Stärkung des neben der Altstadt bedeutendsten Einzelhandelsbereichs der Kernstadt.

Von 2001 bis heute hat sich die Leerstandsquote von 5,5 Prozent auf 23 Prozent der Gesamtverkaufsfläche des Bereichs Deisterstraße/Bahnhofstraße erhöht. Die größte verwaiste Fläche steuert das Wellner-Haus mit 900 Quadratmetern bei. Elf Prozent Leerstandsquote sind es immer noch, wenn dieses Haus herausgerechnet wird. Zum Vergleich: In der Altstadt sind es 4,3 Prozent. Dass seit Dezember nun auch in dem Gebäude von e.on Westfalen Weser keine Menschen mehr arbeiten, war ein „großer Schlag“, wie Ute Söffker von der „Werbegemeinschaft Einkaufsmeile Bahnhofstraße“ sagt. Denn alles, was Frequenz bringt, ist aus Sicht der Händler begrüßenswert. Ihre Hoffnung, dass e.on in seiner Immobilie ein Schulungszentrum einrichten und somit wieder mehr Leben bringen könnte, beruht auf Hörensagen, das vom Unternehmen allerdings nicht bestätigt wird. Lediglich, dass nach einem Käufer gesucht werde und dass Verhandlungen liefen.

Auch Familie Wellner, die ihr Modehaus vor sechs Jahren von der Deisterstraße in die Altstadt verlegt hat, bemüht sich um Nachnutzung des markanten Gebäudes am einstigen „goldenen Dreieck“, wie Söffker den Abschnitt nennt. Im Gespräch sind unter anderem Antiquitätenausstellungen und „Nobel“-Flohmarkt, so Christine Wellner.

Ute Söffker ist Sprecherin der „Werbegemeinschaft Einkaufsmeile Bahnhofstraße“.

Neu: Unterstützung

vom Stadtmarketing

Die Stadt kann wenig tun, um Geschäftseröffnungen zu forcieren; sie formuliert, was wünschenswert wäre – ein Ausbau der Nahversorgung und des sonstigen zentrenrelevanten Einzelhandels bis 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche – und unterstützt bei der Vermittlung, wo möglich. Aber der Markt bestimmt die Belegung. Eine Mieterin, die seit langem einen Nachmieter sucht, spricht von der Notwendigkeit, dass sich die Eigentümer auf „reelle Mieten in der heutigen Zeit“ besinnen. Sie zahle „weit mehr als sieben Euro pro Quadratmeter“, was der aktuellen Wirtschaftslage nicht mehr entspreche. Ein Mietspiegel für diesen Bereich existiert nicht; das Katasteramt zieht Vergleiche mit anderen 1b-Lagen heran. Dort habe im Jahr 2003 die Miete bei acht Euro pro Quadratmeter gelegen, inzwischen würden Flächen in dieser Kategorie aber auch schon für fünf Euro pro Quadratmeter vermietet.

Hilf dir selbst, dann helfen dir vielleicht auch mal andere – dieses vom Original abgewandelte Motto wird jetzt Realität: Bisher haben die 21 Mitglieder der Werbegemeinschaft laut Söffker Maßnahmen zur Aufwertung des Viertels stets auf eigene Kosten ergriffen, seien es Weihnachtsbeleuchtung, Begrünung oder früher regelmäßig veranstaltete Straßenfeste. Eine konzeptionelle Anbindung an publikumswirksame Aktionen, die vom Stadtmarketing initiiert wurden, hat es bisher nicht gegeben. In diesem Jahr sieht’s anders aus, und „das war lange überfällig“, sagt Söffker erfreut.

Zwischen Imageproblem

und Stärken

Stadtmanager Stefan Schlichte hat die erste mehrtägige Veranstaltung des Jubiläumsjahres – „Mystica Hamelon“ – in diese Ecke verlegt. Dann sollen die Menschen in die Bahnhofstraße, zum Bahnhofsplatz und zum Hefehof strömen. Eine Entscheidung, die sowohl bei Geschäftsleuten in der Innenstadt als auch bei denen der Bahnhofstraße zunächst für Verwunderung gesorgt hat, finden doch Großereignisse dieser Art sonst mitten im Zentrum statt. Geboren wurde die Idee zum Teil aus der Not, weil die Innenstadt an dem Wochenende 6./7./8. März an mancher Stelle Baustelle sein wird, aber auch, um zu zeigen, „dass es da ja noch was gibt“, wie Schlichte über das Bahnhofsquartier sagt.

Und danach? Ute Söffker hat noch ein paar Wünsche: Zum einen würde sie eine bessere Beschilderung begrüßen und übersichtlichere Stadtpläne mit Leitfaden für die Touristen, die sich den Weg vom Bahnhof ins Zentrum suchen. Zum anderen hofft sie, dass die Stadt die Ungleichbehandlung zwischen Altstadt und anderen Gebieten hinsichtlich verkaufsoffener Sonn- und Feiertage aufhebt und auch in der Bahnhofstraße beispielsweise am vierten Advent geöffnet werden dürfte.

Bliebe noch ein Imageproblem, das Söffker ausmacht. Viele Kunden meckerten über die steigende Anzahl von Migrantengeschäften, die andere hingegen als Bereicherung empfinden. Die Werbegemeinschaft, so Söffker, will das Bild in der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken und betont, wo es geht, die Stärken: „Die einzige Straße Hamelns mit Brötchentaste“ zum kostenfreien Parken für 15 Minuten. Und die Schaufenster, die nicht leer sind, gehören vielfach zu inhabergeführten Fachgeschäften mit jahrzehntelanger Tradition.



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