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Enkelsohn aus England ist dabei

Eingeweiht: Grabstein für britischen Widerstandskämpfer

HAMELN. Auf dem Friedhof Wehl erinnert jetzt ein Grabstein an den britischen Widerstandskämpfer Charles Machon. Er kam 1944 im Hamelner Zuchthaus zu Tode. Seine Familie wusste lange Zeit nicht, was aus ihm geworden war. Am Dienstag nahm sein Enkelsohn Philip Machon an der feierlichen Einweihung des Grabsteins teil.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 18:05 Uhr

Enkelsohn Philip Machon legt am Grabstein seines Großvaters einen Blumenstraß nieder. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Für Philip Machon hat sich am Dienstag eine große Lücke in seinem Leben geschlossen. Er hat nie viel über seinen Großvater gewusst. Charles Machon, geboren 1893, starb 1944 als politischer Gefangener im Hamelner Zuchthaus der Nationalsozialisten. Gestern wurde Charles Machon im Beisein seines Enkelsohns Philip Machon in einer bewegenden Feierstunde auf dem Friedhof Wehl ein Grabstein gesetzt.

„Es gibt mir eine positive Vorstellung davon, wer mein Großvater war“, sagte Machon anschließend im Gespräch mit der Dewezet, „dass er ein Mensch war, der wirklich existiert hat.“ Von seinem Vater, Ray Machon, habe er nicht viel über seinen Großvater erfahren, zumindest nur wenig Konkretes. Erst durch Frank Fallas Buch „The Silent War“ habe er Näheres erfahren: über den Widerstand, den sein Großvater auf der von den deutschen besetzten britischen Insel Guernsey leistete. Gemeinsam mit Falla und sechs weiteren bildete Charles Machon den Untergrund-Nachrichtendienst „Guernsey Underground News Service“, kurz: GUNS. Die „Guernsey Eight“, wie sie nach dem Krieg genannt wurden, flogen auf und wurden nach Deutschland deportiert. Damit verlor sich Machons Spur für die Angehörigen und Nachkommen. Bis 2016. Da gelang es der britischen Archäologin Gilly Carr im Verbund mit dem Hamelner Geschichtsverein, den weiteren Lebensweg Machons zu rekonstruieren – der, wie berichtet, im Hamelner Zuchthaus sein Ende fand. Charles Machon war krank. Möglicherweise hätte er überlebt, wenn er medizinisch entsprechend versorgt worden wäre. Begraben wurde er auf dem Friedhof Wehl. Auf dem Feld F II, da wo die ausländischen Opfer des Zweiten Weltkriegs liegen. Nur wenige Meter von seinem eigentlichen, 1973 unrechtmäßig eingeebneten Grab entfernt, wo im Laufe der Zeit zwei weitere Menschen bestattet wurden, wurde nun der Grabstein aufgestellt.

Oberbürgermeister Claudio Griese sprach von einem „wichtigen Zeichen für die Stadt und die Partnerschaft mit England, gerade in politisch problematischen Zeiten“. Der Grabstein, finanziert vom Geschichtsverein, von Wilfried Altkrüger und der Stadt, sei eine Geste, den 1944 erlittenen Schmerz der Familie Machon zu lindern. Bernhard Gelderblom vom Geschichtsverein fasste kurz zusammen, wie es zu dem Grabstein kam. Anschließend ging er auf Philip Machon, seine Frau Diana und deren Begleitung Gilly Carr zu – und umarmte sie.

Philip Machon mit seiner Frau Diana am Grabstein seines Großvaters Charles Machon. Foto: Dana
  • Philip Machon mit seiner Frau Diana am Grabstein seines Großvaters Charles Machon. Foto: Dana

„Ich möchte allen danken, die daran beteiligt waren, die Grabstätte meines Vaters zu finden“, sagte Philip Machon, sichtlich bewegt, bevor er am Grabstein einen Strauß Blumen niederlegte und seines Großvaters gedachte. Es war sein erster Besuch in Deutschland und Hameln. Aber er wolle wiederkommen. „Jetzt haben wir einen Ort, den wir aufsuchen können“, sagte er.



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