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Erntedankfest im Wandel der Zeiten / Brauch wird in vielen Religionen gefeiert

Einfach mal danke sagen …

Hameln. Das Erntedankfest ist eines der ältesten Kirchenfeste überhaupt. Früher ist es sogar eines der wichtigsten gewesen: Über 80 Prozent der Menschen lebten auf dem Land und waren im Winter von ihrer Ernte abhängig. Das hat sich bis heute grundlegend geändert – damit aber auch die Bedeutung des Erntedankfestes?

veröffentlicht am 05.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Annika heinemeyer
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„Nein“, sagt Pfarrer Joachim Wingert von der katholischen Kirchengemeinde Hameln. Das Erntedankfest sei immer noch aktuell. Und die Kirche mit ihrem jährlichen Familiengottesdienst zu diesem Anlass weiterhin „gut dabei“– mehr Kirchgänger als zu den anderen Gottesdiensten seien es allerdings auch nicht, schätzt er.

Auch Pastor Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, kann kein Nachlassen der Besucher der Erntedankgottesdienste über die Jahre erkennen. Sehr wohl aber eine veränderte Bedeutung: „Der Erntedankgottesdienst hat sich auf einen allgemeinen Dankgottesdienst ausgeweitet. Früher dankten die Leute für die Ernte, heute für die Arbeit, die Gesundheit und das Leben generell.“ Die Idee des Erntedankfestes ist älter als das Christentum und wurde vermutlich von vielen Religionen und in Kulturkreisen von Asien bis Europa zelebriert. Auch das in Amerika und Kanada noch heute sehr groß gefeierte Thanksgiving ist eine Form des Erntedankfestes, das allerdings stark vom Fest nach europäischer Tradition abweicht.

Im Mittelpunkt der früheren Erntedankfeste stand der Dank an die Götter, was mit allerlei Opfergaben und Ritualen verbunden war. Dadurch sollte deren Wohlwollen und das von Fruchtbarkeitsgeistern erreicht werden. Was heute fast ausschließlich als Gottesdienst in der Kirche stattfindet, wurde früher mit Tänzen, einem Erntemahl und der Erntekrone – einem Kranz aus gebundenen Getreideähren – als großes Volksfest gefeiert.

Bis heute werden gerade in vielen ländlichen Kirchengemeinden die Traditionen und Bräuche der Erntekultur fortgeführt, allerdings mehr mit weltlichen als mit religiösen Motiven. Mit den „naturnahen“ Ernteprodukten – einer bunten Palette von Obst, Gemüse und Getreide – wird der Altar dekoriert, wird die Kirche mit Blumen geschmückt. Geändert hat sich vor allem die Bedeutung der Prozedur: War das Erntedankfest früher vom Dank- und Opfercharakter geprägt, soll dieser Tag den Menschen heutzutage in Erinnerung rufen, welche Vielfalt an Nahrungsmitteln die Erde für die Menschen bereitstellt und dass die Früchte des Bodens Teil göttlicher Schöpfung sind. „Erntedank ist ein Tag, an dem man dankbar und glücklich über das sein sollte, was die Natur bietet“, meint Ingrid Mälzer (71) aus Hameln. „So viele Menschen auf der Welt hungern, und wir leben im Überfluss. Das ist vielen gar nicht bewusst.“ Die Erntegaben werden heute nach dem Gottesdienst meistens an Bedürftige, an Obdachlosenheime oder an karitative Einrichtungen wie die Hamelner Tafel verteilt.

Das Erntedankfest ist allerdings kein offizieller Bestandteil des Kirchenjahres. Zwar legte die römisch-katholische deutsche Bischofskonferenz den ersten Sonntag im Oktober als Termin fest, jedoch ist keine Gemeinde dazu verpflichtet, das Fest zu feiern. Es scheint übrigens zwar im Bewusstsein der Menschen verankert zu sein, aber dafür in die Kirche gehen? „Ich mache da nicht mit“, erklärt Gerhard Schulze (62) aus Hameln. „Für mich ist Erntedank aber ein besonderer Tag. Wie jeden Feiertag lege ich meiner Mutter Blumen auf ihr Grab. Nur in die Kirche gehe ich deswegen nicht.“ Auch Jana (35) und Jutta (34), die ihre Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollen, sind nicht an den religiösen Aspekten des Erntedankfestes interessiert: „Wir gehen aber trotzdem zum Gottesdienst; für unsere kleinen Söhne ist das interessant.“

Die Früchte der diesjährigen Ernte, wie hier Kürbisse, schmücken viele Altäre zum morgigen Erntedankfest.Bilderbox



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