weather-image
23°

Benennung am Bailey Park Thema in der Politik

Einen Frauennamen aufs Straßenschild?

HAMELN. Frauennamen sind auf Hamelner Straßenschildern eine echte Seltenheit. Nun wird über den Namen einer neuen Straße am Bailey Park diskutiert.

veröffentlicht am 15.04.2019 um 15:35 Uhr
aktualisiert am 15.04.2019 um 19:30 Uhr

Wie soll die neue Erschließungsstraße für das Wohngebiet auf dem ehemaligen Briten-Areal heißen? Foto: Wal
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wer das Hamelner Straßenverzeichnis nach Namen durchsucht, die auf weibliche Persönlichkeiten verweisen, der findet – mit Mühe und Not – etwa ein Dutzend. Dann allerdings muss er auch „Am Beginenhof“, vielleicht mehr Ortsbezeichnung als Würdigung, gelten lassen. Und wohl auch „Gertrudenstraße“ und „Reginastraße“, dabei sind eigentlich Gertrude wie Regina nichts weiter als Fantasieprodukte des Rattenfänger-Dichters Julius Wolff (siehe: Julius-Wolff-Straße), was diese Straßentaufen wohl nicht gerade zum feministischen Durchbruch erhob.

Trotzdem: Grob gerechnet also rund ein Dutzend Frauennamen – und mehr als zehnmal so viele Männer. Beethoven, Diesel und Fontane. Goethe, Schiller und Mozart. Bismarck, Bach und Einstein. Was in Deutschland Rang und Namen hat, bekam im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte in Hameln seine Straße. Männer zumindest.

Das schiefe Geschlechterverhältnis wurde Ende März Thema in der Politik: Die Stadtverwaltung präsentierte als Vorschlag für die Erschließungsstraße des neuen Baugebietes am Reimerdeskamp den naheliegenden Straßennamen „Am Bailey Park“. Klingt nach Park und schönem Wohnen, passt zum ehemaligen Britengelände, passt als Straßenname – so die Argumentation.

Ratsherr Rüdiger Zemlin verwies im Namen der FDP-Fraktion jedoch auf die seltenen weiblichen Namen auf Straßenschildern und hielt dagegen. Nach Erna Scheffler solle die neue Straße benannt werden: Richterin-Erna-Scheffler-Allee. Die 1983 verstorbene Juristin war einst erste Bundesverfassungsrichterin. Einen Hameln-Bezug hat sie nicht vorzuweisen – doch der fehlt Wolfgang Amadeus Mozart natürlich ebenso.

Verschließen mögen sich Vertreter anderer Ratsfraktionen der FDP-Argumentationen offenbar nicht. „Grundsätzlich sind wir ja der Benennung nach einer weiblichen Persönlichkeit ganz und gar nicht abgeneigt“, sagt Grünen-Fraktionschef Sven Kornfeld. Darüber beraten wolle die Fraktion aber erst in der kommenden Woche.

Auch die SPD habe „noch nicht darüber gesprochen“, meldet Fraktionsvize Karin Echtermann und verweist auf die Woche nach Ostern. Am Mittwoch, 24. April, steht dann das Thema im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss auf der Tagesordnung. Am Mittwoch, 9. Mai, könnte dann der Rat entscheiden. Der Name „Am Bailey Park“ liege aktuell bei der SPD „schon vorne“, sagt Fraktionschef Wilfried Binder. Ein wirkliches Problem mit diesem Namen sieht auch seine Stellvertreterin Karin Echtermann nicht. Generell aber sei sie schon für mehr Frauennamen auf Straßenschildern, sagt Echtermann. „Das sollte man voranbringen.“

In der Fraktion von CDU und Unabhängigen war das Thema immerhin schon mal auf dem Tisch – wenn auch ohne Ergebnis, berichtet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jobst-Werner Brüggemann. Auch weitere Namen von noch zu Ehrenden seien angeregt worden. So der von Bruno Ibsch, langjähriger Hamelner Ratsherr – und ganz offensichtlich: ein Mann.

Mein Standpunkt
Frank Henke
Von Frank Henke

Vielleicht scheint die kleine Namensdebatte im Vergleich zum Ringen um Haushaltsmittel auf der politischen Agenda zweit- bis drittrangig. Doch bedeutungslos ist ein solches Symbol trotzdem nicht. Welche Namen Straßen, Plätze und Einrichtungen tragen, zeigt eben auch, wo eine Gesellschaft steht. Und da ist Hameln mit seinen Straßenschildern noch lange nicht auf Höhe der Zeit.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?