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„Heimatkunde mit dem Zeichenstift“: Annemarie Rein-Pipho starb mit 96 Jahren

Eine verlässliche Chronistin

HAMELN. Bilder, die bleiben werden. Auch das: Annemarie Rein-Pipho, unter den heimischen Künstlern eine Ausnahmeerscheinung. Auch wenn sie immer wieder betonte: „Ich bin keine Künstlerin“ - sie war eine. Vor allem unterwegs für „Heimatkunde mit dem Zeichenstift“, wie es einmal Dr. Norbert Humburg, langjähriger Hamelner Museumsleiter, formulierte. Jetzt ist Annemarie Rein-Pipho im Alter von 96 Jahren gestorben.

veröffentlicht am 25.09.2017 um 17:13 Uhr

pe

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Reporter

Die gebürtige Bremerin, deren Vater, Karl Pipho, als bedeutender Regionalhistoriker in Bad Münder lebte, hat als wissenschaftliche Zeichnerin von 1942 bis 1950 am Zoologischen Institut in Göttingen als technische Assistentin gearbeitet. Das bedeutet: technisch ganz genau zu zeichnen, auch wenn sie dabei, wie sie einmal sagte, durchaus die künstlerischen Möglichkeiten ausschöpfte. So beherrschte sie beides, das genaue Abbild - das nicht nur vom Auge Gesteuerte, auch wissenschaftlich Fundierte. Indem sie über das Eine wie das Andere souverän verfügte, wurde sie zur idealen Chronistin.

Was sie vor allem interessierte: unsere weserbergländische Heimat, die sie mit Zeichenstift und Aquarellpinsel festhielt - vieles vor dem Vergessen bewahrte. Vor allem in ihren Landschaftsaquarellen erreichte sie eine künstlerische Meisterschaft, die das Abbild weit hinter sich ließ, jeweils zur ureigenen Schöpfung wurde.

Allein über 300 Artikel hat sie in den letzten Jahrzehnten für die Dewezet verfasst, zu denen jeweils mindestens zwei Zeichnungen oder Aquarelle gehörten. Weit über 600 Arbeiten, die Hamelns Vergangenheit und die des Weserberglandes dokumentieren. Mehr noch: künstlerisch vor dem Vergessen gerettet haben. Die längst verschwundenen Häuschen mit den obligaten Herzen - auch wenn die bei uns eher selten zu sehen waren - Backhäuser, deren letzte Exemplare sie ebenfalls mit dem Zeichenstift festgehalten hat, Kellergewölbe in unserer Altstadt, Fachwerk-Details - vor allem aber immer wieder Landschaften, Ansichten, wie sie längst durch Neubauten verändert, unkenntlich wurden. Festgehalten - und wenigstens zeichnerisch für die Nachwelt gerettet.

Im Verlag CW Niemeyer vereinen zwei Bände „Mit Pinsel und Bleistift“ sowie „Zauberhaftes Weserbergland“ die einzigartigen Landschafts-Aquarelle dieser so vielseitigen wie bescheidenen Künstlerin, die so oft unterwegs war mit dem Fahrrad oder zu Fuß, ihren legendären Klapphocker aufstellte, zeichnete und aquarellierte und unter freiem Himmel vollendete, bevor sie die Heimreise antrat.

Was ganz selten ist und sie zusätzlich auszeichnet: sie hat ihre Arbeiten, was gar nicht so einfach ist, noch zu Lebzeiten vorsorglich in Bad Münder, dem Landkreis und unserem Hamelner Museum als Schenkungen untergebracht. Und auch so dafür gesorgt, dass das real Vergessene, das sie zeichnend bewahrte, auch weiterhin gezeigt werden kann. Der Museumsverein besitzt so rund hundert kostbare Rein-Piphos. Zu hoffen, dass die so vielfältigen Konvolute demnächst einmal zu einer umfassenden Einheit versammelt, in einer großen Ausstellung gezeigt werden. Auch als Würdigung einer bedeutenden Künstlerin, der Heimat viel bedeutet hat. Und dieser Heimat sollte auch Annemarie Rein-Pipho viel bedeuten.



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