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Früherer Leiter des Rattenfänger-Freilichtspiels soll geehrt werden

Eine Straße für Friedrich Flügge

Hameln. Er hat das Rattenfängerspiel zu dem gemacht, was es heute ist. Und darüber hinaus den Namen der Stadt Hameln in alle Welt getragen. Hat sich um Kinder und Jugendliche gekümmert und für einige von ihnen zeitweise als eine Art Ersatzvater fungiert – für seine zahlreichen Verdienste soll Friedrich Flügge, der verstorbene Leiter des Rattenfänger-Freilichtspiels, jetzt geehrt werden, indem man eine Straße oder ein Platz in der Stadt nach ihm benennt. Den Antrag dazu hat der Hamelner Gynäkologe Dr. Peter Schröder gestellt; er wird am Donnerstag, 27. Februar, im Ausschuss für Stadtentwicklung beraten.

veröffentlicht am 19.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Flügge hat das Freilichtspiel über viele Jahre geleitet. Bereits in seiner Kindheit spielte der gebürtige Klein Berkeler auf der Straße Theater. Nach seiner Schulzeit am Schiller-Gymnasium und als Soldat im Zweiten Weltkrieg wurde er Lehrer. 1953 erhielt er eine Stelle an seiner alten Schule – neben der Fächerkombination Deutsch, Erdkunde und Geschichte leitete er dort auch eine Theatergruppe. Schon 1956 übernahm Flügge zusammen mit Leni Sponholtz die Leitung der Rattenfängerspiele von seinem Kollegen Karl Schmidt.

Mit seiner Frau Charlotte – sie starb im Jahre 2000 – opferte er viele, viele Sonntage, um mit den rund 100 Darstellern die Rattenfängerspiele einzustudieren und darzubieten. Er selbst stand oft als Bürgermeister im lilafarbenen Gewand bis ins hohe Alter auf der Bühne. Unvergessen seine mit sonorer Stimme vorgetragenen Sätze „100 Dukaten? Für so ein bisschen Flötenspiel?“ Erst nach seiner 50. Spielzeit gab Flügge im September 2005 das Amt in jüngere Hände ab.

Auch beruflich hatte er immer mit jungen Menschen zu tun: Als das Albert-Einstein-Gymnasium (damals noch „das Dritte“ genannt) gegründet wurde, baute er die Schule mit auf und führte sie als deren erster Leiter von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1983. Als Lehrer war er bei seinen Schülern immer beliebt, hatte er doch Verständnis für die Jugend, die man „machen lassen“ sollte. Jene, die Unterstützung, Hilfe, Zuspruch und Verständnis brauchten, waren auch bei ihm zu Hause immer willkommen. Und auch anderweitig engagierte Flügge sich für Hameln: Er war im Kreisverband der Europa-Union, von 1964 bis 1972 Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der damals noch selbstständigen Gemeinde Klein Berkel, gehörte von 1973 bis 1976 dem Rat der Stadt Hameln und von 1976 bis 1991 dem Kreistag Hameln-Pyrmont an. Für sein außerordentliches Engagement wurde Flügge 1989 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, zusammen mit seiner Frau erhielt er das Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens am Bande.

In der Verwaltung, vor allem aber in den Reihen der Politik, wird der Antrag auf Benennung einer Straße nach Friedrich Flügge positiv gesehen. Werner Sattler, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Hamelner Rat, sagte, man begrüße es zum einen außerordentlich, dass dieser Antrag nicht aus den Reihen der Abgeordneten, sondern von einem Hamelner Bürger gestellt worden sei. „Wir sehen das sehr positiv. Friedrich Flügge war ein verdienter Mann in unserer Stadt, der vor allem für die Kultur viel gemacht hat.“ Die Zustimmung der SPD kann deshalb wohl als sicher gelten.

Aber auch über die Parteigrenzen hinweg wird ihm Anerkennung zuteil. „Wir erkennen seine Leistung an und wissen, wie sehr er sich hier verdient gemacht hat“, kommentiert Ursula Wehrmann das Engagement des früheren Spielleiters. Die Fraktionsvorsitzende der grünen Ratsfraktion erinnert sich noch gut an die Zeit, als ihre Tochter Katrin bei den Spielen mitgemacht hatte – zunächst als Ratte, dann als Tanzmädchen. Und auf der großen Japan-Tournee war die Tochter der Lokalpolitikerin ebenfalls mit dabei. „Sie war anschließend völlig begeistert.“

Bei der CDU werden die langjährige Verdienste von Friedrich Flügge ebenfalls anerkannt. Fraktionsvorsitzender Claudio Griese: „Ich habe diesen Wunsch vom Rattenfänger-Darsteller Michael Boyer in dessen Namen schon einmal vorgetragen. Aber wir mussten erst die Karenzzeit von drei Jahren abwarten.“ Damit meint er: Gemäß VA-beschluss vom Dezember 1996 sollen Straßenbenennungen nach Personen, die sich in besonderer Weise Verdienste erworben haben, erst drei Jahre nach deren Todestag erfolgen.

Friedrich Flügge war am 31. März 2010 in seiner Wahlheimat Wetzlar verstorben. Zu dem Antrag aus den Reihen der Bürger sagt der Christdemokrat: „Bei Herrn Flügge handelt es sich um eine große Persönlichkeit unserer Stadt, und dem sollte man durch eine Straßenbenennung Rechnung tragen.“

Auch bei der FDP steht man dem Vorschlag wohlwollend gegenüber. „Friedrich Flügge hat viel für die Stadt getan. Wenn überhaupt einer es verdient hat, dass man eine Straße nach ihm benennt, dann er“, sagt beispielsweise Fraktionschef Hans Wilhelm Güsgen.

Jetzt muss es nur noch eine Straße geben, die den Namen des langjährigen Spielleiters tragen soll. Aber bisher gibt es die noch nicht.

„Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine neuen Straßen zur Benennung oder vorhandene zur Umbenennung anstehen, soll der Vorschlag bei der nächst notwendigen Straßenbenennung mit in die Überlegungen für die Namensfindung einbeziehen werden“, heißt es vonseiten der Verwaltung zu diesem Thema.

Möglicherweise könnte das allerdings eine Straße auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne sein, wenn die britischen Pioniere im Sommer aus Hameln abziehen.



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