weather-image
27°
Die Pfeffermüller lassen im Lalu die Aktualität vermissen

Eine spöttische Politsatire

HAMELN. Wenn in der Traumfabrik Lalu auf dem Hefehof die Pfeffermüller aus Leipzig ihre jährliche Aufwartung machen, ist ein volles Haus angesagt, denn die Kabarettisten der „Pfeffermühle“ haben sich mit ihren Auftritten ein festes Stammpublikum erobert, obwohl sie kein Kabarett der klassischen Art abliefern.

veröffentlicht am 02.02.2018 um 17:52 Uhr

Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Michael Rousavy im Lalu Foto: geb
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es ist eher eine nach Themen sortierte Politsatire, in der es beileibe nicht nur um die Karikaturen von Verfassungsschutz und Polizei geht, die „streng auf geheim immer im Verborgenen“ kämpfen, „immer auf Trab, immer auf Zack und immer bereit“ sind. Oder wenn es um die Integrationsbemühungen von Kleingärtnern geht, die einem syrischen Flüchtling beibringen, welche Regeln er einzuhalten hat – „Steinigung bitte nicht während der festgelegten Ruhezeiten und der Schotter von den Gehwegen bleibt liegen“.

„Agenda 007“ lautet der Titel des neuesten Programms, das sich freilich nicht ganz stringent an das vorgegebene Thema hält, wenn die Eingangsszene mit der Schutztruppe Knautkleeberg-Nord abgelöst wird vom Song über die alten Mütter, die ihr erstes Kind mit dem letzten Ei bekommen und die Videoüberwachung eines vermeintlichen Terroristen sich wenig später als besorgte Beobachtung des zwölfjährigen Sohnes auf dem Heimweg von der Schule erweist.

Ein spöttischer Kracher auch das Verhör des hirnamputierten Nazis, der ein Haus in Brand gesteckt hat, in dem eine schlecht Deutsch sprechende „Schnorrerzecke“ leben soll – es war das eigene Domizil. Dennoch, genau in dieser Szene werden Chancen vergeben, die Sottisen von Weidel, Storch, Pegida und Co auf die Schippe zu nehmen. Da wäre mehr Klartext und Haltung angebracht, da fehlt es den Pfeffermüllern bei ihren satirischen Nummern an heißer Aktualität – und die würde viel Stoff für ein politisches Kabarett bieten. Wo zum Beispiel bleibt die kabarettistische Reflexion über die Jamaika-Balkonszenen, die gespaltene SPD und die Groko, die politische Dämmerung der einst alternativlosen Kanzlerin, für die von der CDU-Männerriege längst nach einer Alternative gesucht wird? Und auf alle heißen Fragen nur die Antwort zu geben „Da kann man nichts machen“, reicht intellektuell wohl doch nicht ganz aus, weil nichts davon wirklich vertieft wird, auch wenn mancher Behördengang und manche Politikerausrede damit im Kern getroffen werden.

Und trotzdem, die Show, die die Pfeffermüller schauspielerisch, musikalisch und choreografisch abliefern, hat auch ihre Reize, wenn das Verhältnis von spießigen Bürgern und Polizei aufs Korn genommen wird. Bitterböse auch die Nummer vom dementen Opa, der einfach nicht zum Wachmann im KZ mutieren will, um eine höhere Belohnung für seine perfiden Angehörigen zu erreichen, die ihn gerne ans juristische Messer liefern würden. Ein bisschen flach hingegen der Vorwurf an den Verfassungsschutz, er weigere sich, die Rechte zu überwachen und beobachte lieber Sahra Wagenknecht in der Badewanne, „bis sie den Barschel macht“. Nicht ganz aktuell auch der Gifteinsatz des syrischen Herrschers Assad oder die Enttarnung der Massenvernichtungswaffen im Irak – das ist fast schon wieder Geschichtsunterricht, aber auch ein bisschen zu dick aufgetragene Klamotte mit altbekanntem Stoff. Schauspielerisch und sprachlich hätten die Künstler der „Pfeffermühle“ dabei viel mehr drauf – oder macht es zu viel Arbeit, das inzwischen zehn Monate alte Programm zu aktualisieren?

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare