weather-image
Zum Ende der Sertürner-Realschule: Rückblick auf sechs Jahrzehnte

Eine Schule verschwindet

Hameln. In diesen Tagen endet die Geschichte einer Hamelner Schule, der Sertürner Realschule (SRS), mit der Entlassung des letzten Jahrgangs. Vom neuen Schuljahr an ist die Umwandlung dieser 1952 als Mittelschule B gegründeten Bildungsanstalt in eine Integrierte Gesamtschule vollzogen.

veröffentlicht am 15.06.2016 um 18:51 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

270_0900_2125_hm205_Sertuerner_1606.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Über die Geschichte der nach dem Apotheker Friedrich Sertürner benannten Schule ist bedauerlicherweise nur wenig mehr bekannt als die Daten der Schulleiter, die baulichen Termine und das, was die derzeitige Schulleiterin Gudrun Kruppe selbst berichten kann. Eine Chronik der Schule soll zwar im Jahr 1952 begonnen worden sein, „sie ist aber nicht auffindbar“, bedauert die Rektorin das Fehlen derartiger Unterlagen. Die von Gudrun Kruppe zusammengestellten Daten über die Geschichte der Schule hat sie vor allem in der Dewezet recherchiert, die immer mal wieder über die SRS berichtete.

Der erste Rektor der Mittelschule B an der Lohstraße, dem Standort der heutigen Wilhelm-Raabe-Schule, war Rektor Hermann Kärgel. Weil der Platz aufgrund der vielen aus dem Osten nach Hameln gekommenen Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern bald nicht mehr reichte, wurde eine neue Schule geplant. Der spätere Standort an der Basbergstraße wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Auge gefasst; an der Königstraße war Platz genug, um in dem Wohnviertel ein neues Schulgebäude zu errichten.

Am 15. Mai 1956 wurde der erste Bauabschnitt eingeweiht; die Namensgebung am 7. Dezember selbigen Jahres in Anwesenheit von Elisabeth Sertürner, einer direkten Nachfahrin von Friedrich Sertürner, vollzogen. Gudrun Kruppe geht davon aus, dass damals zwischen 350 und 400 Schüler an der Schule unterrichtet wurden. Allein 1959 seien 160 Schüler aufgenommen worden, die Schule also mindestens dreizügig gewesen, denn zu jener Zeit sei es durchaus üblich gewesen, dass 40 und mehr Kinder eine Klasse besucht hätten.

270_0900_2128_hm206_Sertuerner_1606.jpg
  • Erster Rektor der Schule: Hermann Kärgel. Foto: pr
270_0900_2126_hm202_wft_1606.jpg
  • Eine große Münze erinnert an den Namensgeber.
270_0900_2127_hm201_wft_1606.jpg
  • Die Sertürner-Realschule ist nun bald Geschichte, es bleibt die IGS Hameln. Foto: wft

Nachdem Kärgel im November 1957 in den Ruhestand versetzt worden war, übernahm Joachim Carl die Leitung der SRS. Unter seiner Führung wurde die Schule an der Königstraße Zug um Zug um neue Klassenräume erweitert. Auch ein Sportgelände kam hinzu, dass später auch von den Schülerinnen des Viktoria-Luise-Gymnasiums mitbenutzt wurde. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde aus dem Sportgelände ein richtiger Sportplatz. Es war ein Jubiläumsgeschenk der Stadt. Seite 1961 konnte die SRS leistungsstarke Schüler besonders auszeichnen: ihr war ebenso wie der Wilhelm-Raabe-Schule Geld aus der Hermann-Lindner-Stiftung übergeben worden, das allerdings seit langer Zeit aufgebraucht ist. Die Preise wurden für „Leibesertüchtigung und die Aneignung geistiger Güter“ ausgelobt.

Weil die Schule an der Königstraße wegen der damals geburtenstarken Jahrgänge als Grund- und Hauptschule benötigt wurde, entschloss sich die Stadt Mitte der 1960er Jahre an der Basbergstraße einen Neubau für die SRS zu errichten. Ein erster Entwurf des sehr funktional gestalteten Gebäudes für rund 700 Schüler wurde 1966 präsentiert, der Bau innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt und im August 1968 bezogen. Schulleiter war mittlerweile Reinhold Achenbach geworden.

Für die Schüler sollten die Jahre ab 1969 ganz neue Kapitel bringen: Der Schüleraustausch mit Hamelns französischer Partnerstadt St. Maur begann. Zehn Jahre später reisten einzelne Klassen sogar nach Kairo. Partnerin der SRS wurde in Ägypten die Klosterschule der Borromäerinnen. Ein Foto, auf dem auch die Ehefrau das damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat zu sehen ist, zeigt den Stellenwert, der damals diesen Besuchen deutscher Schüler in Ägypten beigemessen wurde. Wie lange dieser Austausch währte, lässt sich nach Angaben von Gudrun Kruppe heute nicht mehr nachvollziehen.

Mit der Übernahme der Schulleitung durch Hartmut Jakob im Juli 1973 wurden an der SRS neue Schwerpunkte gesetzt. Jakob kämpfte erfolgreich für erhebliche Investitionen in die naturwissenschaftliche Ausstattung der Schule. „Sie war damals besser als an manchem Gymnasium“, weiß Kruppe zu berichten. „Hamelner Unternehmen nahmen deshalb sehr gerne Schüler der SRS als Auszubildende auf.“ Jakob leitete die SRS 22 Jahre; er ging im Januar 1995 in den Ruhestand und übergab Siegfried Donder die Verantwortung für die Schule.

Wurden Schüler zunächst aus Mitteln der Hermann-Lindner-Stiftung ausgezeichnet, wurden herausragende naturwissenschaftliche Leistungen seit dem Januar 1985 mit der Übergabe vergoldeter Sertürner-Gedenkmedaillen durch die Stadt belobigt. Im Foyer der Schule ist seit November 1983 ein Bronzeabguss dieser Medaille zu sehen. Für einige Jahre standen auch Mittel aus der Cornelsen-Stiftung zur Verfügung, um die besten Englischschüler der Abschlussjahrgänge auszuzeichnen.

Mit der Auflösung der Orientierungsstufe im Juli 2004 wuchs die SRS wieder auf mehr als 500 Schüler an. Zuletzt hatte es 90 Aufnahmen für den fünften Jahrgang gegeben – die Dreizügigkeit war seitdem gesichert. Unter der Leitung der seit Juli 2005 für die Schule zuständigen Gudrun Kruppe ging die Sertürner-Realschule wieder einmal neue Wege. Sie gründete gemeinsam mit Grundschulen und dem Schillergymnasium den Hochbegabtenverbund und organisierte eine noch heute bestehende Hausaufgabenhilfe von Schülern für Schüler der Grundschule Hohes Feld.

Das Schulleben war in den letzten zehn Jahren durch mannigfaltige Aktivitäten geprägt. Eine Sanitätsgruppe wurde gegründet, gemeinsame Spieletage mit dem Albert-Einstein-Gymnasium veranstaltet, die Pausenhöfe zusammengelegt, um mehr Verständnis füreinander zu entwickeln. Auch die Mensa des AEG stand den SRS-Schülern offen. Eine besondere Auszeichnung wird der Schule im Jahr 2008 von „Focus Schule“ verliehen: das Gütesiegel „Schule der offenen Tür“.

Um den Übergang von den Grund- und Hauptschulen aus dem Nordstadtbereich zu erleichtern, wird im August 2009 ein Verbund mit dem AEG, der Pestalozzi-Schule und der Grundschule Hohes Feld eingerichtet; dabei werden Unterrichtsinhalte ausgetauscht und gemeinsame Informationsveranstaltungen durchgeführt. Mit der Schulpatin Gabriele Lösekrug-Möller – Staatssekretärin, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und einer Projektwoche erarbeitet sich die SRS im Jahr 2009 auch das Gütesiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und ist im Jahr 2010 Mitbegründerin des Vereins „SAM-sozial-menschlich-aktiv“, der es sich zum Ziel gesetzt, sozialbenachteiligten Kindern zu helfen.

Mit dem Beschluss der Stadt, die Realschule schrittweise in eine Integrierte Gesamtschule umzuwandeln, wird 2011 nach knapp 60 Jahren das Ende der SRS eingeläutet und kein neuer fünfter Jahrgang mehr aufgenommen.

Termin: Am Freitag, 17. Juni, wird der letzte Jahrgang entlassen und am Samstag mit einer Abschlussfeier und einer Licht-Aus-Party für alle Ehemaligen ab 19 Uhr in der Sumpfblume Abschied gefeiert. Tickets gibt es in der Bücherstube Seifert und an der Abendkasse.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt