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Psychiatrische Tagesklinik in der Wilhelmstraße stark nachgefragt

Eine Herausforderung: Psychiatrie und Familie

HAMELN. Die psychiatrische Tagesklinik in der Wilhelmstraße stark nachgefragt. Die Wartezeit für einen Platz in der psychiatrischen Tagesklinik für Kinder und Jugendliche (KJP) in Hameln beträgt zwischen drei und sechs Monaten. Das ist etwas, worauf Leitende Oberärztin Kathrin Brunhorn nicht stolz ist. Doch ein Blick auf das, was das Team des Ameos Konzerns in den letzten fünf Jahren in einem Teil des ehemaligen Krankenhauses an der Wilhelmstraße geschaffen hat, lohnt.

veröffentlicht am 22.06.2017 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 22.06.2017 um 15:40 Uhr

Die psychiatrische Tagesklinik an der Wilhelmstraße ist nur klein, doch das hat auch seine Vorteile. Foto: Pixabay
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Es sei eine Herausforderung gewesen, als die Kinder und Jugendpsychiatrie 2012 öffnete, sagte Brunhorn beim Mittsommersymposium, zu dem am Mittwoch Fachleute aus der ganzen Region eingeladen waren. Weil in der KJP nur 14 Plätze zur Verfügung stehen, wurden dort von Anfang an alle Altersgruppen und alle Erkrankungsbilder behandelt. Eine Akutstation für psychische Krisen gibt es vor Ort nicht. Die jüngsten Patienten sind sechs, die ältesten 18 Jahre alt. Das kling jung, doch in der Institutsambulanz, in der die verhaltensauffälligen Kinder zuerst landen, kommen zunehmend sogar Drei- bis Vierjährige, sagt die Ärztin.

Mal kommen die Eltern freiwillig, mal sind Helfersysteme wie Schule im Spiel. „Viele der Eltern wissen bis dahin gar nicht, dass es uns gibt“, sagt Brunhorn. 252 junge tagesklinische Patienten hat sie seit Eröffnung der Klinik gezählt, viele davon mit Depressionen. Einen Teil ihrer Patienten kennt die Ärztin bereits aus der Institutsambulanz.

Sie habe vor Ort gelernt, sich auf alles Mögliche einzustellen, sagt Kathrin Brunhorn, und meint das ganz und gar nicht negativ. Dass die Klinik klein ist, habe Vorteile. Die Zusammenarbeit der KJP mit der psychiatrischen Ambulanz für Erwachsene hat sogar Erstaunliches zutage gefördert: „Wir mussten feststellen, dass wir drei Generationen einer Familie im Haus behandeln“, sagt Chefarzt Dr. Alexander Pain. Mit dem Einverständnis der Patienten wird in einem solchen Fall kooperiert: „Es ist schon gut, wenn das Kind eine Ahnung bekommt, warum Mama manchmal so komisch ist“, sagt Brunhorn.

„Depression im familiären Kontext und Hilfen in unserer Region“ haben die Veranstalter deshalb auch ihr Symposium genannt. Anlass ist das 20-jährige Bestehen der psychiatrischen Tageskliniken in Hameln und das fünfjährige der KJP. “

Das familiäre System übergreifend in den Blick zu nehmen, soll auch in Zukunft einen Schwerpunkt bilden. Chefarzt Dr. Alexander Pain hat vor, künftig mit vielen Partnern zu kooperieren, ein Netzwerk aufzubauen, das das Blickfeld für die psychiatrische und psychotherapeutsche Hilfe erweitert. Dazu gehört natürlich die Familie des Betroffenen, das Jugendamt, der sozialpsychiatrische Dienst, aber auch Schulen oder beispielsweise das Team Inklusion.

Ein anderer Weg, die Tagesklinik im Alltagsgeschehen von Menschen sichtbarer, oder besser: „erreichbarer“ zu machen, ist eine in Planung befindliche Hotline. Das Angebot ist bewusst niederschwellig gewählt, damit Menschen, die Hemmungen haben direkt mit der Tagesklinik Kontakt aufzunehmen, sich trauen, den Hörer in die Hand zu nehmen. Obwohl viele Menschen heute in der Lage seien, zu erkennen, dass sie ein Problem haben, ist es für viele immer noch schwierig psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe anzunehmen, erklärt Pain. „Hier hakt es oft.“

Von den Eltern, die in die Institutsambulanz kommen, kennt Brunhorn die Unsicherheit: Besteht bei meinem Kind überhaupt Behandlungsbedarf? „Die Antworten sind sehr unterschiedlich, sagt die Ärztin: Manche können wir beruhigt nach Hause schicken, bei anderen sind wir froh, dass sie kommen. Die Mitarbeit der Eltern ist aus Katrin Brunhorns Sicht elementar: „Wenn die Eltern nicht mitarbeiten, erreichen wir oft nicht das, was wir wollen.

Information

Das Ameos-Klinikum

Über mangelnden Zulauf kann sich das Ameos-Klinikum nicht beklagen: Insgesamt werden dort jährlich knapp 3.000 Patienten pro Jahr behandelt, die Klinik ist immer komplett ausgelastet, die Anfrage sehr groß. Besonders gefragt sind die Tageskliniken, hier ist die Wartezeit am längsten. Der Vorteil für die Patienten: Trotz der intensiven Behandlung von 8 bis 16 Uhr dürfen sie danach zu ihren Familien, in ihr vertrautes Umfeld zurück. Die Behandlung dauert in der Regel 8 bis 10 Wochen. Wer ein akutes Problem hat, braucht nicht lange warten, sondern wird in der Regel innerhalb von ein paar Tagen aufgenommen. Das Therapieprogramm ist vielfältig, erstreckt sich Gruppensitzungen über Ergo- und Achtsamkeitstherapie, kreative Einheiten, auch Yoga gehört dazu. Sobald die Alltagsbewältigung einigermaßen möglich ist, wird die Nachbehandlung vorbereitet zu der auch Hausbesuche, manchmal täglich, gehören.

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