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Kreisumwelt-Amt nimmt Stellung zu CO2-Konzentration in Hastenbeck

„Eine Gefährdung scheint nicht vorzuliegen“

HASTENBECK. Dort, wo in Hastenbeck früher Hausmüll, Grünschnitt und andere Abfälle entsorgt wurden, gärt es offenbar vor sich hin – wie an zahlreichen anderen Standorten im Landkreis auch. Allein im Wasserschutzgebiet Hameln-Süd, in dem auch Hastenbeck liegt, sind 15 Altablagerungen erfasst, die ein Ingenieurbüro im Auftrag des Landkreises untersucht.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 11:54 Uhr
aktualisiert am 17.05.2019 um 14:50 Uhr

Unter Grundstücksabschnitten an der Straße Pommernweg liegt eine alte Deponie, eine sogenannte Altablagerung. Foto: bha
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Werte, die in drei Metern Tiefe entlang Pommernweg/Petersburg gemessen wurden, sind hoch: CO2-Konzentrationen von bis zu 19 Volumenprozent. Zum hinkenden Vergleich: Für Innenräume gilt bereits eine Kohlenstoffdioxid-Konzentration ab 0,2 Volumenprozent als inakzeptabel, in der Atmosphäre liegt in der Regel eine CO2-Konzentration von 0,04 Volumenprozent vor. Und trotzdem: kein Grund zur Beunruhigung, gibt Carlo Strüber, stellvertretender Leiter des Umweltamtes des Landkreises, zu verstehen.

Allgemein anerkannte Grenzwerte für Böden zu finden, erweist sich als schwierig. Dr. Florian Stange von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover bestätigt das. „Das ist Wasser auf meine Mühlen“, sagt er über die Frage nach Werten zur Orientierung, die auch er vermisst. Stange versucht eine Einordnung des in Hastenbeck gemessenen Wertes: In natürlichen Böden herrsche eine Konzentration von bis zu vier Volumenprozent. „Es gibt auch manchmal Werte, die sind deutlich darüber, da misst man locker mal 12 Volumenprozent“ – was immer noch weit unterhalb der 19 liegt. Sehr selten, so Stange weiter, würden auch mal Werte um 20 Volumenprozent auftreten. Demnach sind die 19 Volumenprozent extrem hoch – und trotzdem als Größe offenbar erst einmal nicht besorgniserregend.

„Aus der reinen Konzentration kann nicht auf die Flussstärke schließen“, erklärt Stange, soll heißen: Der absolute Wert, gemessen, in sieben bis drei Metern Tiefe sagt nichts darüber aus, wie viel CO2 in der Luft darüber vorhanden ist. In Vorbereitung auf die bevorstehenden Innenraum-Messungen und zu erwartenden Ergebnisse greift Kreismitarbeiter Strüber auf Richtlinien der Landesarbeitsgemeinschaft Boden (Labo) zurück. Demnach ist von einer Belastung in Höhe von 190 ppm (Anteile pro Million; 0,019 Volumenprozent) in einem anliegenden Kellerraum auszugehen, wenn ein konservativ angelegter Transferfaktor von 1000 (der sagt, wie viel des CO2 aus der Deponie über den Boden in die Luft zum Schutzgut Mensch gelangt), angenommen wird.

„Demnach wäre der gemessene Wert als unkritisch anzusehen und es bestünde eigentlich seitens der Unteren Bodenschutzbehörde kein Handlungsbedarf“, so Strüber. „Trotzdem ist das Gutachterbüro beauftragt worden, die Innenraumluft in den betroffenen Kellerräumen zu messen, um den rechnerischen Wert des Transferfaktors vor Ort zu überprüfen und zu bestätigen“ – um auf Nummer sicher zu gehen. Es werde, so Strüber weiter, seitens der Bodenschutzbehörde im Sinne der Bevölkerung also mehr Aufwand betrieben, als es nach dem Vollzug gemäß der Labo notwendig wäre. „Eine Gefährdung des Schutzgutes Mensch scheint derzeit nicht vorzuliegen.“

Ob Kellerräume von Häusern, die in unmittelbarer Nähe der Deponie überhaupt belastet sind, sollen, wie berichtet, jetzt weitere Untersuchungen ergeben. Das Schreiben an die Anwohner sei rausgegangen, so Strüber, und müsste spätestens heute eintreffen. Laut Kreisverwaltung sind die Kellerräume fünf anliegender Häuser zu untersuchen, „zeitnah“, so die Empfehlung des Gutachterbüros, eventuell würden drei bis sechs weitere Häuser in die Untersuchungen einbezogen.

Der Landkreis hat eine Prioritätenliste für 363 Altdeponien im Kreisgebiet erstellt, die je nach Lage, sukzessive untersucht werden. Jene 139, deren Gase und Inhaltsstoffe theoretisch die Grund- und Trinkwasserqualität gefährden könnten, stehen ganz oben. Bislang seien vom Landkreis orientierende Untersuchungen auf 65 Altablagerungensstandorten beauftragt, heißt es aus dem Umweltamt. Bei 11 Standorten haben die Ergebnisse weitere, sogenannte Detailuntersuchungen nach sich gezogen. Zusammenfassend sei festzustellen, dass in einigen Altablagerungen Schadstoffe vorhanden sind, eine Gefährdung des Grund- und Trinkwassers gehe von den untersuchten Ablagerungen jedoch nicht aus. Auch seien bislang keine Sanierungsmaßnahmen mit Abdichtung oder „Beseitigung des Deponiekörpers“ erforderlich gewesen.

Im Bereich der Stadt Hameln befinden sich insgesamt 73 Altablagerungsstandorte, davon etliche mit „hoher Priorität“ für Untersuchungen. Etwa zehn pro Jahr könnten unter die Lupe genommen werden. Auch vonseiten der Politik wird das Thema aufgegriffen: Die Fraktion „Die Linke“ im Kreistag stellt jetzt eine entsprechende Anfrage an die Kreisverwaltung. Sie möchte wissen, ob „ob im Landkreis Hameln-Pyrmont weitere Altdeponien existieren, von denen ähnliche Gefahren ausgehen. Des Weiteren fordern die Linken einen schnelleren Informationsfluss zu den Betroffenen und der Politik. Die Linken plädieren für eine Informationsveranstaltung in Hastenbeck, um über dieses Thema aufzuklären“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Dr. Matthias Loeding in einer Pressemitteilung.

Information

Informationsfluss - warum so?

Das Vorgehen der Kreisverwaltung, erst die allgemeine Öffentlichkeit mittels einer Pressemeldung zu informieren, bevor überhaupt die Anwohner Bescheid wussten, verwundert. Nach Aussagen der Stadt Hameln, die früher die Deponie genutzt hat, habe sie darauf gedrängt, dass eine Pressemitteilung verschickt wird – doch über den Zeitpunkt habe der Landkreis die Hoheit gehabt, heißt es aus dem Rathaus. Die Information an die Anwohner in Hastenbeck und die an die Medien habe eigentlich zeitgleich erfolgen sollen, doch es sei jemand im Büro krank geworden; alles in allem sei „blöd gelaufen“, bilanziert Andreas Manz, beim Kreis zuständig für das Dezernat Erneuerbare Energien, Umwelt und Wirtschaft.bha



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