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St. Monika in Afferde wird jetzt von den Mennoniten genutzt

Eine entweihte katholische Kirche wird wieder zum Gotteshaus

Afferde (git). Als am 21. Juni diesen Jahres die Tore von St. Monika in Afferde geschlossen wurden, hatten die Katholiken dort kein Gotteshaus mehr. Um einen katholischen Gottesdienst zu besuchen, fahren sie nun nach Hameln oder Emmerthal. Nach ihrer Entweihung (Profanierung) war die Kirche nur noch eine ganz normale Immobilie. „Im Internet sind wir auf Verkauf gestoßen“, erzählt Waldemar Schlegel. Der Diakon ist gleichzeitig Gemeindesprecher der neuen Besitzer: die Mennonitische Brüdergemeinde Lemgo e.V. der Christlichen Freikirchen. Diese Gemeinde betreibt seit 1993 eine Außenstelle in Hameln. Und St. Monika ist jetzt ihr Gotteshaus. Eine sechsstellige Summe ist laut Aussage von Pastor Nikolai Reimer an das Bistum Hildesheim für das Kirchengebäude mit einer Außenfläche von 3000 Quadratmetern gezahlt worden. Wenn die „Neuen“ sich dort häuslich eingerichtet haben, werden alle Nachbarn zur großen Einweihungsfeier eingeladen. Am 14. November soll es außerdem einen Tag der offenen Tür zum gegenseitigen Kennenlernen geben.

veröffentlicht am 12.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:21 Uhr

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An dem Namen wird sich nichts ändern: Denn die ehemalige St.-Monika-Kirche soll auch weiterhin so heißen. „Quasi aus Tradition“, erklärt Reimer.

Bereits seit 1993 werden mennonitische Gottesdienste in Hameln abgehalten. Die Mennoniten gehören zur evangelischen Glaubensgemeinschaft. Weltweit gibt es etwa 1,3 Millionen Mennoniten in über 60 Ländern. „In ganz Deutschland sind wir 100 000 Mennoniten in etwa 190 Gemeinden“ ergänzt Pastor Reimer. Die Mennoniten Brüdergemeinde Lemgo e.V. hat laut Reimer insgesamt 1000 Mitglieder, zu ihnen gehören auch die 50 Hamelner. Richtungweisend für die Mennoniten ist – wie für alle anderen Christen auch – die Bibel. In der besonderen Auslegung der Täuferbewegung aber wurde die Ablehnung der Kindstaufe festgelegt. Bei den Mennoniten wird die Taufe ausschließlich dann praktiziert, wenn der Täufling sich bewusst für den Glauben entschieden hat. „Das ist etwa im Alter von 16 Jahren“, ergänzt Pastor Reimer.

Eine Täuferbewegung aus der Schweiz

Die Mennoniten entstanden einst Mitte des 16. Jahrhunderts im Zuge der Reformation der katholischen Kirche als Täuferbewegung in der Schweiz. Von dort aus breitete sich die Bewegung nach Norddeutschland und Holland aus. Der Name ist Menno Simons zuzuschreiben, der 1536 die einzelnen Bewegungen der jungen Gemeinden einte. „Um der Verfolgung zu entgehen, wanderten unsere Vorfahren einst auch nach Russland aus“, erzählt Pastor Reimer. „Von dort aus sind wir als Spätaussiedler Mitte der 90er Jahre wieder zurück nach Deutschland gekommen“, so der Geistliche.

Vierzig Prozent der Hamelner Mennoniten würden in Afferde wohnen. Bisher fanden die Gottesdienste im Haus der Adventgemeinde statt. Jetzt haben sie ein eigenes Gotteshaus. Viel verändern wollen die neuen Eigentümer nicht. Nur den Beichtstuhl will Schlegel umfunktionieren. „Für uns ist der Raum als Übersetzungkabine vom Russischen ins Deutsche sinnvoller“, erklärt der Diakon. Neu anschaffen will die Gemeinde ein Rednerpult. Und ein großes Christus-Kreuz.

Die ehemalige katholische Kirche St. Monika in Afferde bleibt ein Gotteshaus und behält ihren Namen. Mennoniten haben das Gebäude erworben und feiern jetzt dort ihre Gottesdienste. Das Foto zeigt (v. li.) Diakon Vassilie Linde aus Alverdissen sowie Diakon Waldemar Schlegel und Pastor Nikolai Reimer aus Lemgo.

Foto: git



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