weather-image
22°
Wissenschaftsaustausch auf der „Silicon PV 2013“

Eine Diamantkette von 600 Kilometern Länge

Hameln. Solarunternehmen waren einst die Lieblinge der Börse. Mittlerweile steckt die Branche in der Krise. Einige Unternehmen haben inzwischen sogar Insolvenz angemeldet. Andere, wie zum Beispiel Bosch, sind ganz aus der Produktion von Photovoltaik-Modulen ausgestiegen oder haben die Herstellung vielversprechender Sonnenstromerzeuger auf Eis gelegt. Kein Grund für die Wissenschaft, sich nicht trotzdem mit der Weiterentwicklung der Technologie zu beschäftigen, neue Module zu entwickeln und den Wirkungsgrad zu erhöhen.

veröffentlicht am 28.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 08:41 Uhr

270_008_6297568_hm205_2803.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

324 Fachleute aus 22 Nationen hatten sich aus genau diesem Grund von Montag bis gestern Abend zur dritten „Silicon PV 2013“ im Weserbergland-Zentrum und im Theater Hameln zum großen Erfahrungsaustausch und zur Präsentation von Weiterentwicklungen versammelt. Etwa 50 Vorträge von jeweils viertel- oder halbstündiger Dauer wurden von Professoren, Doktoranden oder Fachleuten aus der Produktion gehalten. Und damit auch jeder Teilnehmer alles mitkriegen konnte, gab es keine Parallelveranstaltungen sondern nur ein großes gemeinsames Programm, das auch viel Zeit ließ, sich gegenseitig kennenzulernen und Kontakte aufzubauen. Hinzu kamen mehr als 110 große Poster an Stellwänden im Weserbergland-Zentrum zur Präsentation der Arbeiten der einzelnen Forschergruppen und Experten.

„Von Quantensprüngen wird auf solchen Kongressen eher nicht berichtet“, fasst der 29-jährige Doktorand Jens Müller vom Solarforschungsinstitut (ISFH) in Ohr zusammen, was er auf der „Silicon PV 2013“ gehört und gesehen hat. Und sein Kollege Christopher Kranz ergänzt: „Hier geht es eher um evolutionäre Entwicklungen, um einzelne kleine Schritte der Verbesserungen.“ Als Highlight der Vorträge bezeichnet Müller die Präsentation eines Photovoltaik-Moduls mit einem Wirkungsgrad von 19,9 Prozent. „Normal“ seien am Markt derzeit höchstens 18,5 Prozent. Entwickelt und produziert wurde das Modul von dem Glasproduzenten Schott. Nur wird Schott es nicht auf den Markt bringen – die Produktion wurde wieder eingestellt, vermutlich wegen der Krise der deutschen Solarbranche und der weltweit entstandenen Überkapazitäten. Der höhere Wirkungsgrad sei durch einen optimierten Herstellungsprozess und spezielle Metallpasten erreicht worden, berichtet Müller. Der Beifall nach dem Vortrag sei besonders groß gewesen.

Ein weiterer wichtiger Vortrag sei für ihn die Darstellung eines Problems bei der Herstellung von Siliziumscheiben aus großen Siliziumblöcken gewesen. „Man muss sich das so vorstellen: Die Scheiben werden mit einer Diamantkette geschnitten, die eine Gesamtlänge von unglaublichen 600 Kilometern hat und mit einem Eierschneider vergleichbar ist. Das Problem dabei: Die Spannung der Kette muss sehr gleichmäßig sein, um möglichst wenig Materialverlust zu haben.“ Mit dem Vortrag sei ein neues Verständnis für das Problem aufgebaut worden, um sich jetzt in der Materialforschung der Sache anzunehmen. „Da muss die Forschung kreativ werden, Materialen suchen, testen und die Realisierung vorantreiben.“ Aber es sei auch Grundlagenforschung vorgestellt worden, wie zum Beispiel die Arbeit mit Siliziumscheiben, die nur 0,02 Millimeter dick seien – vier Mal dünner als ein menschliches Haar. Insgesamt fällt die Bilanz von Müller für den Kongress positiv aus. „Es war vor allem ein großer Ideenaustausch und damit eben eine Veranstaltung von Wissenschaftlern für Wissenschaftler.“

270_008_6297541_wolla_solar.jpg

Photovoltaik im Fokus: An den Stellwänden im Weserbergland-Zentrum tummeln sich die Experten. Hier wurden die Arbeiten der Forschergruppen und Fachleute präsentiert.wft



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt