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Ehemaliges „Strandhaus“ an der Pyrmonter Straße steht zum Verkauf

Einblicke in ein Etablissement

HAMELN. Erst Strandhaus, dann Puff: Ein Haus mit bewegter Geschichte steht zum Verkauf. Jahrzehntelang war es eins von gleich mehreren Lokalen an der Pyrmonter Straße.

veröffentlicht am 21.01.2018 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 22.01.2018 um 12:33 Uhr

Das Haus, in dem sich heute der Club 101 befindet, war schon früher eine Gastronomie. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Das ehemalige „Strandhaus“ an der Pyrmonter Straße 101 steht zum Verkauf. Das 1924 errichtete Gebäude hat eine gleichermaßen bunte wie bewegte Geschichte. Jahrzehntelang war es lediglich eins von gleich mehreren Lokalen an der Pyrmonter Straße. Geblieben ist nur das Bordell „Club 101“, das sich schon seit einigen Jahren in dem einstigen Strandhaus befindet.

In Internetportalen für Immobilien steht das Backsteingebäude zum Verkauf. Fotos geben Einblick in das Innere des Clubs, der sich nach wie vor in Betrieb befindet. Rot prägt das Bild auf den meisten dieser Fotos. Sie zeigen Sofaecken, Betten, Badezimmer, sogar einen Whirlpool. Aber auch der große Garten hinter dem Haus ist zu sehen, mit ihm der Blick auf die Weser. Auch die Grundrisse von Haus und Grundstück hat der Eigentümer ins Netz gestellt.

Eine knappe halbe Million möchte Burkhard Vollmer für das Haus haben: 450 000 Euro. Der Rintelner hatte das Haus eigenen Angaben zufolge 1990 ersteigert. Da hieß der Club noch Alhambra, das schon damals eine Hamelner Institution war. Das Alhambra war in den 70er Jahren an der Pyrmonter Straße 101 eröffnet worden: „Neu! Alhambra, die exklusive Bar – Für Ihr verwöhntes Auge bieten Ihnen unsere ,Wesernixen‘ eine ,neue Sensation‘!!“, ist in einer Annonce in der Dewezet von 1976 nachzulesen. „Attraktive Mädchen erwarten Sie – heiße Sex-Filme“, heißt es in einer Anzeige aus dem Jahr 1980.

Blick vom Strandhaus auf die Weser. Foto: Ansichtskarte/pr
  • Blick vom Strandhaus auf die Weser. Foto: Ansichtskarte/pr
Eine Malerei vom Strandhaus am Fluss. Foto: Ansichtskarte/pr
  • Eine Malerei vom Strandhaus am Fluss. Foto: Ansichtskarte/pr
Am 9. Juli 1992 berichtete die Dewezet über den Fall von Rudolf Horstkotte.
  • Am 9. Juli 1992 berichtete die Dewezet über den Fall von Rudolf Horstkotte.

Nun will sich Burkhard Vollmer von dem zweistöckigen Haus und dem knapp 1000 Quadratmeter großen Grundstück trennen. Warum? Auf Anfrage der Dewezet verweist der Immobilienkaufmann auf eine höhere Anzahl anderer Wohneinheiten, um die er sich zu kümmern habe. Eine weitere Verpachtung sei zwar auch nicht auszuschließen, „aber der Verkauf hat Priorität“, sagt Vollmer. Ob der Club 101 nach einem Eigentümerwechsel fortbesteht, hängt davon ab, was der neue Besitzer mit dem Objekt vorhat und gegebenenfalls davon, ob sich der neue Eigentümer und der jetzige Pächter miteinander einigen können. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst mal muss sich ein Käufer finden.

Vollmer bewirbt die Immobilie mit „Top-Lage“ und hat dabei sicher vor allem die zur Weser gewandte Seite des Hauses im Blick, schließlich ist die Pyrmonter Straße eine viel befahrene Bundesstraße. Von der Weserpromenade aus sind an der Rückseite des roten Backsteinbaus noch große, weiße Buchstaben erkennbar: „Strandhaus“ heißt es da, so auch an der Nordseite des Hauses. Vergilbte Postkarten mit Motiven, auf denen sich hinter dem „Strandhaus“ Tisch an Tisch unter Sonnenschirmen reiht, verraten, was dahinter steckt. Demnach befand sich in dem heutigen Club 101, der nach dem Kenntnisstand von Vollmer ebenfalls über eine Gaststättenkonzession verfügt, schon früher eine Gastronomie: das Restaurant Strandhaus. Als Besitzer wird ein Hermann Klodt angegeben.

Gastronomie hatte an der Pyrmonter Straße lange Zeit Tradition. Jenseits der Eisenbahnbrücke befand sich das Lokal Weserlust, später wurde dort eine Minigolfanlage betrieben. Ein paar 100 Meter weiter war bis vor Kurzem das Steakhouse Sash, das inzwischen in die Fahlte gezogen ist. Auch an der Ecke Pyrmonter Straße/Brückenkopf gab es lange Zeit ein Lokal, das Casablanca. Auf Höhe des Forts Luise befanden sich einst die Weserterrassen.

Information

Asyl im „Alhambra“

Überregional für Aufsehen sorgte im Sommer 1992 der Fall des Rudolf Horstkotte. Der damals 76-Jährige war bereits seit zwölf Jahren Bewohner eines Altenheims in Grupenhagen. Dort fühlte er sich aber zunehmend unwohl, schlecht behandelt und sogar schikaniert. In der Konsequenz blieb er der Einrichtung eines Tages fern, übernachtete in einem Buswartehäuschen am Hamelner City-Bahnhof und zog so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Anwohner hatten Mitleid mit dem 76 Jahre alten Mann und versorgten ihn mit Essen. Die Heimleitung fühlte sich nicht zuständig, das Sozialamt reagierte darauf verständnislos. Schließlich fassten sich Mitarbeiter des Alhambras ein Herz und nahmen ihn bei sich auf. „Jetzt genießt Opa Horstkotte Asyl im Nightclub“, schrieb damals die Dewezet. „Dort durfte er baden, bekam neue Kleidung. ,Man kümmert sich rührend um mich‘, sagt er und weint.‘“pk



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