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Schwache Miss-Marple-Aufführung

Ein wenig dröge

HAMELN. Klar doch – ziemlich unfair, auch ungerecht – aber man kann eine Rutherford nun mal nicht mit einem Typ taffe IWF-Chefin besetzen. Zu prägnant – geradezu unverwechselbar die Figur der Miss Marple, wie wir sie aus den so populär gewordenen Verfilmungen kennen – und lieben.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 13:42 Uhr

Das Berliner Kriminal Theater schickte Miss Marple ins Rennen, doch die Aufführung konnte nicht überzeugen. Foto: Herbert Schulze
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Richard Peter Reporter
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Da hat sich etwas eingeprägt, das sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt. Und immer auch ein schlechtes Zeichen, wenn Texte allzu oft nicht den Weg ins Publikum finden. So oft das Berliner Kriminal Theater auf unserer Bühne schon für unterhaltsame Spannung sorgte: Mit „Ein Mord wird angekündigt“ nach dem Agatha-Christie-Hit am Mittwochabend hielt sich der Krimi diesmal in engen Grenzen. Plätscherte über weite Strecken spannungslos dahin.

Angedeutet: englisches Ambiente mit zwei schrulligen alten Damen – der Rest ist bereits in der Jetztzeit gelandet und das Mobiliar weiß auch nicht so recht, was es darstellen soll. Das Kaffee-Service passt da quasi wie die Faust aufs Auge. Und wie ein imaginäres Damokles-Schwert über der Bühne: Keine Idee, wie das alles zusammenhalten könnte. Die Schauspieler allesamt solistisch unterwegs, ohne Beziehung und viele Rädchen, die sich drehen, aber nicht ineinandergreifen.

Wie so oft bei Agatha Christie, könnte jeder der Mörder sein – wahlweise auch die Mörderin. Ein raffiniertes Gespinst, das erst am Schluss – natürlich überraschend, auch wenn man Bescheid weiß – aus dem ursprünglich gedachten Opfer eine raffinierte Täterin wird. Und auch hier geht es ums liebe Geld – sehr viel Geld, und durchaus reizvoll, wie Sein und Schein ausgespielt werden und kaum jemand, der ist, der er vorgibt zu sein. Da wechseln Geschwister die Rollen, wird getrickst und gelogen – und aus einem angekündigten Mord werden zwei.

Gundula Piepenbring als Miss Marple – fast so etwas wie ein Gegenentwurf – und schlicht auf verlorenem Posten. Die beiden alten Damen, Katrin Martin als Letitia und Vera Müller als Dora – vielleicht hätte sie die Marple als Parodie spielen müssen – zwei liebenswerte Figuren, die dennoch allzu oft spannungslos abtauchen. Und Karl-Heinz Barthelmeus als Inspektor fehlt das Besondere – die Persönlichkeit. Susanne Meyer als Mizzi so ein bisschen Knallcharge, die nur knallig ist. Aus dem Rahmen fällt. Der Rest ist jung und bevölkert das Bühnenbild. Schade um eine verpasste Gelegenheit. Theater darf so ziemlich alles – nur eines nicht: langweilen. Vor allem nicht mit einem Krimi.

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