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400 Stunden Arbeit, 40 Meter Stoff und eine ganze Menge mehr: Laura-Luisa Neitz schneidert ein Abendkleid

Ein Traum aus Tüll

Hameln. Samstagabend fällt der Startschuss für die Sport-Gala. Das Motto „Abgetaucht – Im Rausch der Tiefe“: Die Farbe Blau wird mit Sicherheit den Ton angeben. Ein Abendkleid, das besser nicht passen würde, bleibt aber im Schrank: Denn Laura-Luisa Neitz, hat mit ihrem blauen Traum aus Tüll noch Großes vor …

veröffentlicht am 05.02.2016 um 17:26 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

von Karen Klages
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Hameln. Es braucht schon eine ruhige Hand, um 700 Tüll-Stücke an ein Kleid zu nähen. Laura-Luisa Neitz aus Hameln hat sie. Zumindest so lange, bis ihre Katze Fipsi angelaufen kommt. Dann muss das blaue Abendkleid, das auf dem Wohnzimmerteppich ausgebreitet ist, schnell vor Fipsis Krallen geschützt werden. Denn das Kleid, das die junge Schneiderin erst vor zwei Wochen fertiggestellt hat, muss für etwas Größeres herhalten: Die 24-Jährige nimmt mit ihrem Traum aus Tüll an mehreren Wettbewerben teil. Vielleicht wird das Abendkleid schon bald beim Leipziger Opernball zur Schau gestellt. In jedem Fall, so plant es Laura-Luisa Neitz, möchte sich die junge Schneiderin damit einen Namen machen. Denn: ohne Fleiß keinen Preis. Das gilt für einen Handwerksberuf wie das Schneidern allemal.

„Größe 38

ist für Schauen optimal“

Fotoshooting im Theater Hameln: Model Ronja Thiele sitzt auf dem Bühnenboden in einem Meer aus blauem Tüll. Brust und Schulter zieren rund 60 Pfauenaugen: Die hat Laura-Luisa Neitz alle selbst gestickt. In Ronjas Haar steckt ein sogenannter Fascinator, ein festlicher Haarschmuck, den Laura-Luisa Neitz ebenfalls genäht und mit Perlen verziert hat. Alles soll halt passen.

Die Fotos, auf denen das brünette Model das drei Kilo schwere Kleid zur Schau stellt, sollen auf Anhieb den Jurymitgliedern ins Auge stechen. Mit einem Stuhlbezug und Puppenkleidern hat die gelernte Schneiderin schon Preise bei Wettbewerben gewonnen. „Jetzt möchte ich mit einem richtigen Outfit etwas gewinnen“, erzählt sie. Das Preisgeld von 1500 bis 2000 Euro ist dabei noch nicht einmal der größte Ansporn; vielmehr ist es die Eigenwerbung, das Lob, die Kritik, die man dafür erntet.

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  • Das Kleid präsentiert am Model.
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  • Mit dem Entwurf fing es an. pr
Letzte Handgriffe bei der Anprobe.
  • Letzte Handgriffe bei der Anprobe.
Model Ronja Thiele sitzt auf dem Bühnenboden in einem Meer aus blauem Tüll.
  • Model Ronja Thiele sitzt auf dem Bühnenboden in einem Meer aus blauem Tüll.
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  • Rund 60 Pfauenaugen zieren das Kleid. lb (3)
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Letzte Handgriffe bei der Anprobe.
Model Ronja Thiele sitzt auf dem Bühnenboden in einem Meer aus blauem Tüll.
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Fotograf Lukas Barnes stellt das Model noch einmal um. Der Hocker ist dabei das wichtigste Utensil, damit das Kleid in der Länge auch gut zur Geltung kommt. Jetzt geht es vor die Steinwand. Von oben, von vorne und von beiden Seiten sind schon Fotos im Kasten, jetzt ist die Rückseite gefragt. Model Ronja Thiele muss hier selbst kräftig mit anpacken, denn das Kleid in Größe 38 ist ihr zwei Nummern zu groß. Also vorne festhalten, damit auch ja nichts runterrutscht.

„Größe 38 ist beim Maßschneidern das Gängigste“, erklärt Laura-Luisa Neitz. „Es ist die optimale Größe, um es bei Schauen zu präsentieren.“ Geht es also mit dem Traum aus Tüll über den Laufsteg, muss ein anderes Model herhalten. Aber noch ist es ja nicht soweit. Und das Kleid wird die junge Designerin auch nicht irgendwo hinschicken oder einsenden. „Wenn, dann fahre ich selbst damit zum Wettbewerb“, sagt sie.

Denn obwohl sie erst 24 Jahre alt ist, hat sie während ihrer Ausbildung in Hannover schon so einiges geschneidert – und es ist ihr leider auch einiges abhanden gekommen. „Ein Kleid und eine Tasche“, ärgert sie sich. Beides musste sie an ihrer Schule einreichen, beides erreichte sie selbst dann allerdings nicht mehr. Futsch sind die Unikate. Daher bleibt ihr blaues Abendkleid, mit dem die junge Schneiderin Wettbewerbe gewinnen möchte, auch zur Sport-Gala im Schrank – oder besser gesagt: auf der Puppe.

400 Arbeitsstunden hat sie in das Kleid investiert, 40 Meter Tüll verbraucht – unbezahlbar? „Mindestens 5000 Euro“, so sagt sie „würde ich für das Kleid nehmen.“

Angefangen hat alles mit einer Idee im Kopf. Und dann hat sie auch schon losgelegt, denn Skizzen sind nicht unbedingt das Arbeitsutensil von Laura-Luisa Neitz. Ihr Handwerk beherrscht sie aus dem Effeff. Natürlich arbeitet sie mit Schnittmuster – das war es aber auch schon. Nadel, Faden, Schere, Nähmaschine und natürlich ihre Hände – mehr Werkzeug braucht die junge Schneiderin nicht.

Ihre Handtaschen

schafften es schon zur Berlin Fashion Week

Obwohl, eine Internetseite und einen Account bei Instagram hat die junge Frau auch. Dort postet sie ihre neuesten Werke und nutzt das Netz, um bekannter zu werden. Schon mal daran gedacht an der TV-Castingshow „Geschickt eingefädelt – wer näht am besten?“ teilzunehmen? „Nein, das darf ich nicht“, erklärt die junge Frau. Als Gesellin im Maßschneiderhandwerk verfügt sie über zu viel Qualifikation. Dennoch hat es eine ihrer Handtaschen schon auf die Berliner Fashion Week geschafft und wurde dort präsentiert. Aus den Startlöchern ihrer noch jungen Karriere ist sie schon raus, jetzt gibt sie Vollgas. Wir bleiben am Ball(-kleid)!



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