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„Open IT“ – Hochschule Weserbergland erhält weitere 980 000 Euro für zweite Phase des Forschungsprojekts

Ein Studium für IT-Praktiker

WESERBERGLAND. Eine Erfolgsmeldung für die Hochschule Weserbergland: Weil die erste Phase ihres Forschungsprojekts „Open IT“ erfolgreich verlaufen ist, erhält die HSW für weitere 30 Monate Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. 980 000 Euro stehen jetzt noch einmal zur Verfügung. Die Kernfrage: Wie kann bei der Zulassung an einer Hochschule die reichliche IT-Erfahrung der Experten berücksichtigt werden?

veröffentlicht am 21.02.2018 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 21.02.2018 um 18:27 Uhr

Das Projekt-Team „Open IT“ (v. li.): Lasse Bönick, Knut Linke, Kathleen Blanke, Professor André von Zobeltitz, Eva Blochberger, Dr. Mario Stephan Seger, Professorin Sophie Huck und Prof Michael Städler. Foto: HSW
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Wohl in den meisten Unternehmen, die größer sind als klein, geht ohne IT und jene, die sich auskennen, nichts mehr. Die Wege, Experte in der Informationstechnologie zu werden, sind dabei vielfältig: Viele Mitarbeiter in diesem Bereich weisen Aus- und diverse Fortbildungen auf, sind versiert auf ihrem Gebiet – doch was manchmal fehlt, ist analytisches Wissen, das im Studium vermittelt wird. Vor fast vier Jahren hat die Hochschule Weserbergland zusammen mit der TU Darmstadt mit einem Forschungsprojekt begonnen, durch das herausgefunden werden sollte, wie ein berufsbegleitendes Studium für IT-Praktiker zu gestalten ist, um zum Erfolg zu führen. Hintergrund: der Fachkräftemangel, der mit neuen Hochschulabsolventen allein nicht abzudecken ist, zumal in den Unternehmen bereits Experten sitzen – nur eben nicht immer mit Master- oder Bachelorabschluss. Mit 1,36 Millionen Euro war die erste Projektphase vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert worden. Sie endete am 31. Januar; jetzt gibt es noch einmal Geld.

Dass es eine zweite Phase des Forschungsprojekts und dann auch noch einmal öffentliche Mittel dafür geben würde, sei alles andere als klar gewesen, sagt der Leiter des „Open-IT“-Projekts an der HSW, Professor André von Zobeltitz.42 Monate Arbeit liegen hinter ihm, sowie dem wissenschaftlichen Leiter des Projekts, Professor Michael Städler von der Hochschule Weserbergland, Dr. Mario Seger, dem wissenschaftlichen Leiter des Projekts an der TU Darmstadt und dem gesamten Projektteam. Zahlreiche Erkenntnisse wurden in der Zeit gesammelt, die jetzt in dem Buch „Akademische Weiterbildung für IT-Fachkräfte“ erhältlich sind und die drei Gruppen nützen sollen: Arbeitgebern, deren IT-Mitarbeitern und den Hochschulen in Deutschland. Jetzt gibt es noch einmal knapp 980 000 Euro vom Bund für weitere 30 Monate. Seit Juni hatten sich die Projektverantwortlichen um die Förderung beworben, jetzt kann weiter geforscht werden.

Wer Vollzeit arbeitet, ist damit meistens ausgelastet. Nebenbei noch zu studieren, funktioniert also nur unter gewissen Bedingungen: Der Arbeitgeber muss es wollen und unterstützen, so häufig wie nötig, aber so selten wie möglich gibt es eine Präsenzpflicht. Und an erster Stelle steht die Frage: Wie kann bei der Zulassung an einer Hochschule die reichliche IT-Erfahrung der Experten berücksichtigt werden?

Gestartet waren Städler, von Zobeltitz und ihr Team mit 39 Probanden vorrangig aus Hameln und Hannover, weitere aus ganz Deutschland. 23 waren für einen Master-Studiengang „IT-Business Management“ gestartet, 16 für den „Bachelor in Wirtschaftsinformatik“. Ein Drittel hat das Projekt laut von Zobeltitz vorzeitig verlassen, „geblieben sind die die eine organisatorische Unterstützung haben“. Heißt: Ohne den Rückhalt des Unternehmens geht es nicht, egal „wie stark man die Brücken baut“. Mit den Brücken sind jene Inhalte gemeint, die den Probanden den Zugang zum Studium und das Studieren erleichtern sollen. Dazu zählt von Zobeltitz Kurse im Selbstmanagement oder verständlich gestaltete Mathevorlesungen und Vorbereitungskurse, die als Basis für das Studium notwendig sind. An Unternehmen und die Arbeitnehmer lasse sich appellieren: „Sprecht miteinander“, sagt von Zobeltitz. Für die Arbeitgeber sei so ein Studium eine Riesenmöglichkeit, den oder die Mitarbeiter zu halten. Und auch das Thema Fördermöglichkeiten sollte miteinander besprochen werden. Es habe sich nämlich herausgestellt, dass die Bereitschaft der Studierenden hoch sei, einen Teil selbst zu übernehmen – die Unternehmen könnten dann mit einem kleineren Beitrag unterstützen.

Eine weitere gewonnene Erkenntnis: Für die Studierenden ist Planbarkeit das A und O. Wenn sie frühzeitig wissen, zu welchen Zeiten sie anwesend sein müssen, lässt sich das leichter bewerkstelligen, zumal diese Studierenden neben der Arbeit oft auch Familie haben, mit der die Vorlesungen abgestimmt werden wollen. „Maximal alle drei Wochen gibt es eine Präsenz von Freitag bis Samstag“, erklärt von Zobeltitz. Die Termine dafür kennen sie weit im Voraus.

Häufig sind die Studierenden schon seit Jahren Experten auf ihrem Gebiet – welchen Nutzen ziehen sie dann noch aus dem Studium? „Das analytische Denken“, sagt von Zobeltitz. Sie gingen jetzt viel strukturierter an die Aufgaben im Arbeitsalltag heran als zuvor, das hätten die Studierenden in den regelmäßigen Befragungen angegeben. Drei von sechs Semestern sind jetzt um – läuft alles, wie geplant, stehen am Ende der zweiten Projektphase zwei Zertifikatsstudiengänge, die in erster Linie die HSW anbieten möchte. Doch auch alle anderen Hochschulen können davon profitieren, die als „offene Hochschule“ Studierende mit der jeweiligen Zugangsberechtigung weiterbilden möchten. Damit entsprechende Erfahrungen und Fortbildungen der potenziellen Studierenden von den Hochschulen anerkannt werden können, arbeitet die TU Darmstadt im Rahmen dieses Projekts an einer Anrechnungssoftware. Sämtliche Unterlagen zu sichten und zu prüfen, inwieweit sie angerechnet werden können, ist laut von Zobeltitz bisher „ein großer formaler Akt“ für die Hochschulen. Die Software samt Contentmanagement-System soll das vereinfachen.

Info: Das Buch „Akademische Weiterbildung für IT-Fachkräfte“ gibt es bei der Hochschule Weserbergland für 14,95 Euro und online unter bod.de.



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