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Polizei, Kreis und Stadt erarbeiten gemeinsam Maßnahmen gegen Raserei / Zeitnahe Umsetzung

Ein Starenkasten allein reicht nicht

Hameln. Raserei und nächtliche Autorennen waren in dieser Woche das Gesprächsthema Nummer eins in Hameln. Auch die Politik hat sich zu Wort gemeldet. Forderungen nach fest installierten Blitzern, die vor allem „Möchtegern-Vettels“ ausbremsen sollen, wurden laut. „Da muss ein Starenkasten hin“, sagte Ursula Wehrmann (Grüne). Ein Vorschlag, mit dem sich auch die Sozialdemokraten anfreunden können, wie von Wilfried Binder zu hören war. Dass die geforderten fest installierten Blitzkästen – etwa an der Deisterstraße eingerichtet – allein ausreichen, um für eine Tempodrosselung zu sorgen, wird von Polizei und kommunalen Behörden allerdings bezweifelt. Für sie sei das offensichtlich nicht gerade das Gelbe vom Ei. „Eine stationäre Geschwindigkeitsmessanlage auf der Deisterallee, in welcher Form auch immer, wäre eine Einzelmaßnahme, die alleine als nicht ausreichend angesehen wird“, sind sich Stadt, Landkreis und Polizeiinspektion sicher.

veröffentlicht am 08.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:22 Uhr

Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Die drei Behörden haben sich gemeinsam des Themas „nächtliches Rasen“ angenommen und arbeiten zusammen an Lösungen. Und das nicht erst, nachdem es am vergangenen Samstag zu dem schweren Verkehrsunfall auf der Deisterallee gekommen ist, so die Polizei. „Die Stadt Hameln, der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden entwickeln derzeit gemeinsam eine abgestimmte Gesamtkonzeption, in der auch die Möglichkeit der Installation einer stationären Messanlage mit einbezogen wird“, berichtet Polizeioberkommissar Jens Petersen.

Wie die Verkehrsüberwacher gegen Raser vorgehen wollen, bleibt allerdings noch unter Verschluss. „Detailauskünfte zum Konzept werden vorab nicht bekanntgegeben. Mit der Umsetzung der ersten Maßnahmen wird zeitnah begonnen. Und die beziehen sich nicht nur auf die Deisterstraße, auch auf andere Ausfallstraßen“, sagt der Polizeisprecher.

Laute Motorengeräusche, quietschende Reifen, getunte Autos. Wenn Motoren heulen und Autos beschleunigen, könne die wahrgenommene Geschwindigkeit vorbeirasender Autos subjektiv anders aufgenommen werden, als es die Tachonadeln in Wirklichkeit anzeigen. Dann heißt es: „Hier wird auf der Straße gerast.“

Doch wie hoch sind Spitzenwerte eigentlich, die bei Kontrollen im Stadtgebiet festgestellt werden? Um die 125 Stundenkilometer, wie einige vermuten? Tempo 140? Oder gar noch höher? Die Dewezet hat bei Polizei und Landkreis nachgefragt, welche hohen Geschwindigkeiten an Abenden und zu Nachtzeiten an bekannten „Rennstrecken“ gemessen wurden.

Seit dem April letzten Jahres wurde nur ein Fahrer erwischt, der mit mehr als 100 Sachen unterwegs war. Mitarbeiter des Landkreises blitzten den Pkw, als der Wagen am 9. April dieses Jahres auf der Wangelister Straße entlangbrauste. Im August 2014 war auf der gleichen Strecke ein Fahrer mit 82 Stundenkilometer gemessen worden, im Februar 2015 einer mit 78.

Auf der Pyrmonter Straße „laserten“ Polizeibeamte Autos mit Tempo 89, 80 und 74. Von Messungen an der Deisterstraße – dort, wo jetzt die Aufstellung eines Starenkastens gefordert wird – gab der Landkreis nur ein Ergebnis bekannt. Im März 2014 wurde in Höhe des Friedhofs ein Temposünder mit 75 Stundenkilometern geblitzt. Oft scheinen dort spätabends und nachts keine Kontrollen stattzufinden. Die Polizei misst mit Laserpistolen und dadurch bedingt seien an dieser Straße schlecht Kontrollen durchzuführen, meint Petersen. „Da sind wir an technische und rechtliche Vorgaben gebunden“, so der Polizeioberkommissar.

Zum einen müssten Beamte nach einer Feststellung das Fahrzeug aus dem Verkehr winken, um den Fahrer zu überprüfen. Zum anderen seien Polizisten angewiesen, mit den ertappten Autofahrern ein verkehrserzieherisches Gespräch zu führen, erklärt der Polizist.

Und das sei auf der Deisterstraße schwer umsetzbar, weil Fahrzeuge über den 164er Ring, den Ostertorwall oder den Kastanienwall abfahren und sich einer Kontrolle entziehen könnten. Gestern stand ein Messfahrzeug des Landkreises an der Deisterstraße – allerdings in den Morgenstunden. Ein Nachteinsatz hätte vielleicht ein Zeichen setzen können. „Der morgendliche Einsatz ist auf den Dienstplan für heute, Messbereich Hameln, zurückzuführen. Dazu gehört in unregelmäßigen Abständen auch der Einsatzort Deisterstraße“, ist auf Anfrage aus dem Kreishaus zu hören.

Eine Infografik mit Mess-Ergebnissen auf Hamelner „Rennstrecken“ finden Sie im Internet unter dewezet.de



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