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Die Ritterpassage macht seit eh und je mit Leerständen und wechselnden Mietern von sich reden

Ein Sorgenkind kommt in die Jahre

Hameln (ni). Ein richtiges Erfolgsmodell war sie nie: Die Ritterpassage, 1984 feierlich eröffnet, machte sie in der Vergangenheit eher mit Leerständen als mit attraktiven Geschäften von sich reden. Viele Unternehmen haben in den kleinen Läden ihr Glück versucht, viele sind nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwunden. Nur drei hielten vom ersten Tag bis heute durch.

veröffentlicht am 15.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 18:21 Uhr

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Durch das Schaufenster links des Eingangs fällt der Blick in einen ausgeräumten Raum und auf das große Schild „zu vermieten“, Auf der rechten Seite – auch nicht gerade spannend – bietet das „Altenhilfe-Kompetenzzentrum“ seine Dienste an. Um trotzdem einen Schritt in den Durchgang zu setzen, muss man entweder sehr neugierig sein oder ein konkretes Ziel im Auge haben. Das könnte die Rasierer-Zentrale von Edgar Bolsen sein oder „Santo‘s Bar Italia“ mit Weinhandlung und ausgewählter italienischer Feinkost oder auch der griechische Imbiss am anderen Ende der Passage. Die drei sind so etwas wie der Fels in der Brandung, haben im Unterschied zu ihren häufig wechselnden Nachbarn Standhaftigkeit in der bewegten Mieter-Vergangenheit der kleinen überdachten Einkaufsstraße bewiesen. Der erst viel später eingezogene Friseur sowie ein Tattoo- und Piercing-Studio zählen inzwischen auch schon zu den Etablierten.

Santo Mancarella hat einst mit einem kleinen Café in der Ritterpassage angefangen. Er expandierte im Laufe der Jahre, richtete sich auch in „Gewerbeeinheiten“ nebenan und gegenüber ein. Das ursprüngliche Konzept mit vielen kleinen Ladenlokalen, insgesamt 36 an der Zahl, funktionierte von Anfang an nicht gut. Mittlerweile ist es aufgeweicht. Nicht nur Mancarella, auch der Friseur, die Rasierer-Zentrale und eine Krankenkasse mit ihrem Servicecenter belegen gleich mehrere Einheiten. Der Leerstand reduziert sich dadurch auf zurzeit vier Läden. „Sultan Reisen“ ist kürzlich an den Thiewall umgezogen, wie einem an die Glastür geklebten Zettel zu entnehmen ist. Wenige Meter davor kaschiert eine blank geputzte Harley Davidsen hinter der Scheibe, dass sich in dem Geschäft nichts tut. Ein anderer Laden dient vorübergehend einem Künstler als Ausstellungsfläche für seine Gemälde. Viel Publikum erreicht er an diesem Standort nicht.

Im Bistro und Café von Santo Mancarella sind etliche Tische besetzt. Seine Stammkunden halten ihm die Treue. Wäre er auf Laufkundschaft angewiesen, hätte er längst einpacken können. Dass sich Besucher der Stadt an diesen Platz verirren, kommt nur selten vor. Sie müssten schon über den recht unauffälligen Werbe-Reiter in der Ritterstraße stolpern, um überhaupt aufmerksam zu werden auf den verborgenen gastronomischen Leckerbissen abseits der touristischen Routen.

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  • Wenig einladend: der Eingang zur Ritterpassage. Fotos: wfx

Die Zeit, als die Passage noch die kurze Verbindung zwischen Ritterstraße und Stubenstraße mit dem Kaufhaus Real und der Post war, ist Geschichte. Heute läuft man am Ende der Ladenstraße vor eine Wand. Mit dem Bau der Stadt-Galerie ist der Durchgang zur Sackgasse geworden. Ein Sorgenkind unter den innerstädtischen Einzelhandelslagen war er schon vorher. Ob Teelädchen oder Bücher für wenig Geld, Gardinen-Studio oder diverse Boutiquen – Mancarella hat sie alle kommen und wieder gehen sehen. „Hameln hat einfach zu viele Geschäfte“, sagt er. Und die großen Konzerne mit ihren Ketten ließen den „Kleinen“ einfach nicht genug Luft zum Atmen.

Die Ritterpassage hat viele Eigentümer. An deren unterschiedlichen Interessenlagen scheiterten in der Vergangenheit alle Versuche, eine einheitliche Marketing-Strategie für den von Läden gesäumten Durchgang mit dem Lichthof in der Mitte zu entwickeln. Weil dieser Versuch nie gestartet wurde, lässt sich auch nicht sagen, ob in der Ladenstraße nicht vielleicht doch das Potenzial für ein florierendes Mini-Zentrum im Zentrum der Stadt schlummert. Der Haupteigentümer, dem auch mehrere Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss gehören, plant jetzt dem Vernehmen nach Veränderungen, die die Attraktivität der Passage erhöhen sollen. Von bevorstehenden Umbaumaßnahmen im Eingangsbereich ist die Rede und von Mietverhandlungen, die kurz vor dem Abschluss stehen. Genaueres ist nicht zu erfahren. Man hält sich bedeckt mit Informationen.

Es gibt Orte, die im toten Winkel der Stadtentwicklung liegen. Die Ritterpassage ist einer von ihnen. Unattraktiv im Eingangsbereich, lockt sie nur noch Stammkunden in die wenigen Geschäfte.

Vier Ladenlokale in der Passage stehen derzeit leer. Santo Mancarella, ein Ritterpassagen-Urgestein, hat jedoch im Laufe der Jahre sogar expandiert.

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