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Stadtwerke-Konkurrent wirbt mit falschen Angaben / Kunden sind nach Unterschrift verunsichert

Ein schwarzes Schaf im schicken Anzug?

Hameln (mau/wul). Die nette Art, der schicke Anzug und die Ledermappe mit Block des Anfang-Vierzigers hätten sehr seriös und vertrauensvoll gewirkt, erzählt die 81-jährige Hamelnerin Hildegard Klocke (Name von der Redaktion geändert). Stutzig wurde sie erst, nachdem sie den Vertrag bei „eprimo“ schon unterschrieben hatte. Der Mann habe sich als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgegeben, erzählt Klocke. Sie ist eine von mehreren Stadtwerke-Kunden, die auf diese Art zu einem Wechsel zum günstigeren Energie-Discounter bewegt werden sollten und die sich hinterher an die Stadtwerke gewandt haben, wie Pressesprecherin Beate Mehren erklärt. Jetzt hat der heimische Energieversorger dem Unternehmen „eprimo“ in Neu-Isenburg eine Unterlassungserklärung zukommen lassen.

veröffentlicht am 04.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 08:41 Uhr

Der Vertreter eines Energieunternehmens irritiert derzeit Hameln
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eprimo weist

Vorwürfe von sich

„Erst wollte ich ihn nicht in die Wohnung lassen, aber der sah so aus, als ob er mir nichts Böses wollte“, beschreibt Hildegard Klocke den jungen Mann im schwarzen Anzug. Klocke unterschreibt in dem Glauben, es mit den Stadtwerken zu tun zu haben und monatlich fünf Euro sparen zu können. „Ich habe mir sogar den Ausweis zeigen lassen – dass von den Stadtwerken nichts draufstand, ist mir nicht aufgefallen.“ Unternehmenssprecherin Mehren erklärt: „Es sieht so aus, als sei es immer der gleiche Vertreter, der aber unter verschiedenen Namen auftritt.“ Mal stehe der Name Dennis Mönckemeyer auf den Verträgen, mal Dennis Cottmann – unter der angegebenen Handy-Nummer allerdings ist niemand zu erreichen.

Besonders kritisch beäugen die Stadtwerke die Vorfälle vor dem Hintergrund, dass jahrelanges Vertrauen der Kunden ausgenutzt werde. „Viele wollen eigentlich bei uns bleiben“, so Beate Mehren. Sie unterstreicht, dass gegen fairen Wettbewerb nichts einzuwenden sei, dass die Stadtwerke aber natürlich ihre Kunden behalten wollten, und ja, eprimo biete teilweise günstigere Tarife. Aber: „Die Art und Weise, wie hier vorgegangen wird, ist illegal.“

In einem ähnlichen Fall hat im vergangenen Jahr der Mannheimer Energieversorger MVV Energie gegen einen Konkurrenten auf Unterlassung geklagt. In Mannheim hatte sich ein Mann als Beauftragter von MVV Energie ausgegeben und behauptet, einen günstigeren Tarif des Versorgers vorzulegen, während die Frau in Wirklichkeit den Anbieter wechseln sollte. Das beklagte Unternehmen war in Berufung gegangen, doch das Oberlandesgericht Karlsruhe erklärte die Klage wegen „irreführender Angaben über geschäftliche Verhältnisse“ als zulässig.

Der jetzt beschuldigte Energiediscounter eprimo, ein Tochterunternehmen des Energieriesen RWE, der seit 2005 auf dem Strommarkt agiert, weist die Vorwürfe, unlauteren Wettbewerb zu betreiben, auf Anfrage der Dewezet von sich. Ein Vertreter namens Dennis Mönckemeyer oder Dennis Cottmann sei dem Unternehmen unbekannt, so Sprecher Jürgen Rauschkolb.

„Abschlüsse an der

Tür gibt es bei uns nicht“

„Wir arbeiten mit vielen Vertriebspartnern zusammen. Das muss irgendein Unterpartner eines Vertriebspartners sein“, erklärt Rauschkolb weiter. Das Unternehmen distanziert sich von diesem ‚Vertreter‘ und dessen Vorgehen. Alle Subunternehmen und Außendienstmitarbeiter, die im Namen eprimos auftreten, hätten einem Verhaltenskodex zugestimmt. „Wird der nicht eingehalten, ziehen wir Konsequenzen“, rechtliche Schritte würden eingeleitet, so Rauschkolb. Ob es sich nur um einen einzigen Mann handelt oder ob der Vertriebspartner all seine Vertreter nach demselben Schema vorgehen lässt, sei unbekannt. Diesen einen Vertreter zu schnappen, sei schwierig. „Erst, wenn er einen Neu-Kunden angeworben hat, der nicht innerhalb der Kündigungsfrist wieder abspringt, ist sein Name beim Vertriebspartner gelistet.“ Zurzeit könne man die Sache nur im Auge behalten, so Rauschkolb.

Hildegard Kotte kam auf Wunsch innerhalb der vierwöchigen Kündigungsfrist aus dem bereits unterschriebenen Vertrag heraus. Die Stadtwerke setzten gemeinsam mit ihr ein Kündigungsschreiben auf: „Wir haben extra reingeschrieben, dass der Vertrag unter Vortäuschung falscher Tatsachen zustande kam“, erzählt die Rentnerin. Eine Kündigungsbestätigung des Unternehmens sei bei ihr aber noch nicht eingetroffen.

„Vertragsabschlüsse an der Haustür gibt es bei uns nicht“, betont Beate Mehren. Wenn Stadtwerke-Mitarbeiter kommen, dann, „um zum Beispiel Zählerstände zu kontrollieren“.

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