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Zerrüttete Familien – wann können Angehörige von Bestattungskosten befreit werden?

Ein Schrecken am Ende

Hameln. Wenn die eigenen Eltern sterben, ist das für die meisten Kinder ein Schock. Doch nicht immer ist die Beziehung zu Lebzeiten so gut gewesen, dass Kinder ihre Eltern auf dem letzten Weg begleiten. Manchmal erfahren sie sogar erst durch Behörden davon, dass ein Elternteil verstorben ist. Der Bundesgerichtshof entschied gestern, dass Kinder für die Pflegekosten der Eltern auch dann aufkommen müssen, wenn der Kontakt abgebrochen war. Doch wie sieht es mit den Bestattungskosten aus?

veröffentlicht am 13.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Auch bei Safiye Hertel, deren echter Name nicht in der Zeitung stehen soll, lief es nicht so, wie man sich es in einer idealen Familie vorstellt. Nach 20 Jahren Funkstille – weil ihr Vater es so wünschte – erfuhr sie vor wenigen Wochen von offizieller Stelle, dass ihr Vater im Sana-Klinikum verstorben ist. „Ich habe in den letzten Jahren mehrfach versucht, zu ihm Kontakt aufzunehmen, aber er wollte nicht.“ Nun muss Hertel trotzdem für die Beerdigung sorgen. „Als letzter Angehöriger bin ich vom Gesetz bestattungspflichtig“, sagt die 45-Jährige. Ihr Vater habe zwar eine Lebensgefährtin, doch die sei eben nicht verwandt – und daher nicht verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen.

Wenn es um ihren Vater geht, spricht Hertel von „unüberbrückbaren familiären Differenzen“ – aber reicht das aus, um von den Bestattungskosten befreit zu werden? Ob ein Fall sogenannter „unbilliger Härte“ vorliegt, müsse man immer im Einzelfall prüfen, sagt Torsten Schmitt, Rechtsreferent bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. „Fehlender Kontakt allein reicht nicht aus.“ Grundsätzlich gelte: Je enger das Familienverhältnis, desto höher die Anforderungen an die „Unzumutbarkeit“. Klar ist die Sache, wenn ein Verbrechen vorliegt: Wer von seinen Eltern missbraucht oder misshandelt wurde, muss nicht für deren Bestattungskosten aufkommen. Bei nicht gezahltem Unterhalt hingegen ist die Situation laut Schmitt nicht mehr so klar: Hier kommt es auch auf die Beweggründe des Elternteils an und ob er etwa selber in finanziellen Nöten war.

Abgesehen von der Frage, wer letztlich die Kosten der Bestattung trägt, können Angehörige laut niedersächsischem Bestattungsgesetz zunächst verpflichtet sein, sich um die Beerdigung zu kümmern. „Das ist eine ordnungsrechtliche Pflicht“, sagt Schmitt, damit die Polizei weiß, an wen sie sich halten muss. „Diese Pflicht entfällt auch nicht, wenn jemand das Erbe ausschlägt.“ Auch Hertel hat das Erbe ausgeschlagen – zur Sicherheit. „Man sagt, dass der Haushalt meines Vaters stark verschuldet ist.“ Die Bestattungskosten bleiben dennoch zunächst bei ihr hängen.

Beratung für Menschen, die die Kosten der Bestattung für einen Angehörigen nicht tragen wollen oder können, ist Schmitts „täglich Brot“. Häufiger als emotionale Gründe stünden allerdings Geldprobleme im Vordergrund. Auch bei Hertel spielt das keine unwesentliche Rolle: „Wenn wir die gesamte Bestattung bezahlen müssen, sind wir pleite.“

Laut Sandra Lummitsch, Sprecherin des Landkreises, würden pro Jahr im Schnitt etwa 70 Anträge auf Kostenübernahme eingehen – allerdings fast ausschließlich wegen einer finanziellen Notlage der Angehörigen. An Fälle von „unbilliger Härte“ könnten sich die Mitarbeiter – zumindest in den letzten Jahren – nicht erinnern.

Neben der Kostenfrage stand Hertel allerdings auch vor einer ganz anderen Herausforderung: „Ich weiß ja gar nicht, was mein Vater sich bestattungsmäßig wünscht.“ Und ob es möglicherweise eine Sterbegeldversicherung gibt, die einen Teil der Kosten übernehmen könnte. Mit der Lebensgefährtin ihres Vaters, die sich noch in der gemeinsamen Wohnung aufhält, möchte sie derzeit keinen Kontakt. Denn sie vermutet, dass diese sich nicht gut um ihren Vater gekümmert habe. „Als ich ihn im Abschiedsraum des Klinikums gesehen habe, hat er einen sehr mageren und verwahrlosten Eindruck gemacht.“ Hertel vermutet, dass ihr Vater möglicherweise dement geworden sei, aber nicht gut gepflegt wurde. „Fehlender Kontakt zwischen uns ist das eine“, sagt sie, „aber das hat niemand verdient, so vor die Hunde zu gehen.“



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