weather-image

Camper beschweren sich über Anlage an der Weser / Gelände steht zum Verkauf

„Ein Platz zum Abgewöhnen“

Hameln. Die Lage des Hamelner Campingplatzes „Zum Fährhaus“ könnte kaum besser sein: direkt an der Weser, die Innenstadt ist mit dem Rad bequem erreichbar. Ein Paradies für Wohnmobilisten, Kanufahrer, Fahrrad- und Städtetouristen also? Die Bewertungen des Platzes im Internet sprechen eine andere Sprache: „Grauenhaft. Ein Platz zum Abgewöhnen! Etwas Vergleichbares kenne ich nicht“, heißt es zum Beispiel auf dem Portal „camping.info“ über einen Besuch im vergangenen Jahr. Oder auch: „Die Sanitäranlagen sind schlicht gesagt eine Katastrophe.“ Ein dritter Gast berichtet: „Nach unfreundlicher Begrüßung durch den Platzwart erwartete uns das reinste Chaos.“ Das Resümee eines vierten Campers: „Das Grauen hat einen Namen: Camping zum Fährhaus.“ Zwei von fünf Sternen bekommt der Platz im Durchschnitt – keine Auszeichnung, eher eine Warnung. Auch auf anderen Internetseiten überwiegt deutliche Kritik.

veröffentlicht am 14.03.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:41 Uhr

270_008_7016636_hm102_fh_1503.jpg
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nicht empfehlenswert finden den Hamelner Campingplatz inzwischen auch die Tourismusfachleute der Stadt: „Bei uns sind seit einem Jahr massive Reklamationen von Campern aufgelaufen“, berichtet Harald Wanger, Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT).

Beschwerden über die Sanitäranlagen („kalt, dreckig, viel zu niedrig und es hat gestunken“, ist im Internet zu lesen) ließen auch das städtische Ordnungs- und auch das Gesundheitsamt des Landkreises aktiv werden, heißt es aus dem Rathaus. Besuche vor Ort hätten aber keinen Anlass für eine Schließung des Platzes ergeben. Beim Besuch der Dewezet – aktuell ist der ganzjährig geöffnete Platz weitgehend leer – sind die Wasch- und Toilettenräume sauber. Düster und niedrig sind sie dennoch.

Betreiber Michael Giannakos wiegelt angesichts der Kritik ab. Im vergangenen Jahr hätte eine größere Gruppe Wanderarbeiter aus England und Irland auf dem Platz gewohnt. Zwei Baulaster samt Minibagger stehen noch immer auf Camping-Stellplätzen. Die Überfüllung war offenbar vor allem den Klo- und Waschräumen deutlich anzumerken. Bei insgesamt etwa 100 Plätzen für Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte stehen gerade mal vier Damen- und vier Herrenklos (plus Urinale) sowie drei Damen- und drei Herrenduschen zur Verfügung.

Neues Sanitärgebäude seit Jahren ein Rohbau

„Aus Fehlern lernt man“, sagt Giannakos nun zur Überfüllung im vergangenen Jahr. Bauarbeiter und Touristen sollen künftig nicht mehr zur Hauptsaison miteinander auskommen müssen. Auch neue Sanitäranlagen sind im Bau. Der Rohbau eines Stelzenhauses (der Platz liegt im Überschwemmungsgebiet) ist fertig. In diesem Zustand ist das neue Gebäude allerdings auch schon seit einigen Jahren.

Giannakos ließ sich einst von Experten des ADAC und des Deutschen Camping-Clubs beraten, was eine moderne Campinganlage zu bieten haben müsste, erzählt er. Doch als der Rohbau samt Fenstern fertig war, war das Geld alle.

Ob nun Giannakos an dem Sanitärgebäude – auch ein Kiosk ist hier vorgesehen – weiterbaut oder jemand anders, steht derzeit in den Sternen: Der Campingplatz, das angeschlossene griechische Restaurant der Familie Giannakos und auch die kleine „Beach-Bar“ rund um ein Schwimmbecken stehen inzwischen zum Verkauf.

649 000 Euro soll der „etablierte Campingplatz mit neuem Sanitärgebäude und Gastronomie“ laut „immobilienscout24.de“ kosten. Interessenten hätten sich bereits gemeldet, versichert Michael Giannakos, die neue Saison bereitet er trotzdem vor. Derzeit wird aufgeräumt.

Mit den schlechten Zeugnissen im Internet dürfte die nun beginnende Campingsaison für Giannakos keine einfache werden. Die HMT hat aus den Beschwerden Konsequenzen gezogen: In Prospekten und im Internet wird der Platz nicht mehr redaktionell berücksichtigt, aus dem Buchungssystem der HMT wurde er getilgt.

Auch für die Touristiker ist das ein echtes Ärgernis. Wohnmobilfahrer können nun lediglich auf den Stellplatz in der Ruthenstraße verwiesen werden, der kaum zu einem längeren Aufenthalt einlädt. Für andere Camper bleibt als Alternative der Platz am Halvestorfer Waldbad – gut bewertet, aber eben auch ein Stück weit weg von Weser, Einkaufsmeile und Weserrenaissance.

„Sehr bedauerlich“, findet die Probleme an der Uferstraße auch der städtische Wirtschaftsförderer Andreas Seidel: „Ein Campingplatz ist eine wichtige Infrastruktur-Einrichtung für die Stadt.“ Wenn sich der Zustand der Anlage nicht bessert, will die Stadt künftig nicht mehr mit Schildern auf den Platz an der Weser hinweisen.

Der Platz an der Weser bekam auf Camping-Seiten im Internet im vergangenen Jahr mitunter vernichtende Kritiken.fh



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt