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Archäologe findet Teile der alten Mauer

Ein mächtiges Stück Hamelner Stadtgeschichte

Hameln. Die alte Stadtmauer – es gibt sie noch. Unter der Erde. Verschüttet. Relikte ihrer Fundamente legte jetzt der Archäologe Joachim Schween in einer Baugrube vor dem LBS-Haus am Kastanienwall frei. Nur für kurze Zeit waren sie sichtbar, inzwischen bedeckt sie wieder eine dicke Erdschicht. „Aber wir wissen, dass die Mauer da ist“, sagt Schween. Über 1,40 Meter breit – „wahrscheinlich aber noch viel breiter“, vermutet der Archäologe, denn nach oben hin habe sich das Bauwerk aus Bruchsandstein, das mit einem Kieselgemisch versetzt ist, verjüngt.

veröffentlicht am 18.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:41 Uhr

Auf die Fundamente der mittelalterlichen Stadtmauer ist Joachim Schween in der Baugrube vor dem LBS-Haus am Kastanienwall gestoß

Autor:

Karin Rohr
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60 bis 70 Zentimeter unter der heutigen Oberfläche ruhen die Fundamente der einstigen Stadtmauer am Kastanienwall. Im Mittelalter machte diese Mauer die Stadt zur Stadt: „Sie spiegelte ihren Status wider“, erklärt Schween, bot Schutz, setzte sichtbar Grenzen, markierte Rechtsbereiche. Im 12. und 13. Jahrhundert bildeten sich in Deutschland überall Städte, die es zu einem gewissen Reichtum und Standesbewusstsein gebracht hatten. Daraus ergab sich auch die Notwendigkeit, sich gegen Raubritter zu schützen. Die Ausgänge der Stadtmauer zu den Fernwegen wurden damals durch Stadttore gesichert: das Ostertor 1272, das Mühlentor 1282, das Wettor 1327, das Thietor 1340 und das Brückentor 1355. Ein Turm in der Mauer wird erstmals 1333 erwähnt. Im Endausbau flankierten 22 Türme die Mauer, die etwa 100 bis 120 Meter voneinander entfernt lagen.

Schween, der das historische Kartenmaterial genau studiert hat, ist sicher: „Wir befinden uns hier direkt hinter der Bastion August.“ Alle Bastionen der sternförmigen Anlage hätten Namen getragen. „Und an dieser Stelle“, sagt der Archäologe, „muss auch ein mittelalterlicher Turm gestanden haben.“

Dass die Reste der alten Stadtmauer wieder unter Erde begraben sind und nicht platt- gemacht wurden, verdanken sie dem Umstand, dass die Bauarbeiten kurzfristig eingestellt wurden. Der Grund: die Mauer. Sie war im Weg. Denn sie behinderte die Trockenlegungsmaßnahmen, für die die Bauarbeiter die Grube ausgehoben hatten: Um mit den Bauarbeiten fortzufahren zu können, hätte sie abgetragen werden müssen. „Viel zu teuer“, winkt Michael Voss, Denkmalschutzbeauftragter der städtischen Bauaufsicht, ab. So wurde die Grube kurzerhand zugeschüttet und die alte Mauer verschwand wieder unter dem Erdreich. Als Ersatz gibt’s ja eine nicht historische Stadtmauer-Rekonstruktion zwischen Haspelmaths- und Pulverturm aus dem Jahr 1990. Na dann…

Ein Hamelner Stadtplan mit Eintragungen der ehemaligen Festungsanlagen. Der rote Pfeil markiert die Stelle, wo Schween auf die M
  • Ein Hamelner Stadtplan mit Eintragungen der ehemaligen Festungsanlagen. Der rote Pfeil markiert die Stelle, wo Schween auf die Mauerreste stieß.

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