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60 Jahre nach Gründung der DDR: Käthe Kröger erinnert sich an die Anfänge und ihre Flucht

Ein klammes Gefühl – und böse Vorahnungen

Hameln (mü). Am 7. Oktober 1949 saßen die Bewohner in dem kleinen Ort Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern) wie gebannt vor ihren Radios. Unter ihnen Käthe Kröger und ihr Ehemann Addi. Auch nach 60 Jahren erinnert sich die heute 89-Jährige in Hameln noch sehr genau an die Ereignisse von damals: „Eine gewaltige Stimme, unterbrochen von hallenden Jubelrufen, verkündete die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), eines sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates.“

veröffentlicht am 06.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:41 Uhr

Das letzte gemeinsame Foto vor der Flucht in den Westen: Käthe u
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„Es wurde geflüstert und getuschelt“

Zwar sei den meisten klar gewesen, dass es zwischen den Westmächten und der Sowjetunion keine friedliche Lösung mehr geben würde und es zu einer Teilung Deutschlands kommt – aber diese Endgültigkeit habe doch sprachlos gemacht, betont Käthe Kröger. Und weiter: „In Folge berichteten die Zeitungen mit Sonderausgaben über die marxistischen Ideologien, einem Leben in Frieden und Freiheit, ohne Marktwirtschaft und Kapitalismus, unter der Schutzherrschaft der Sowjetunion. In unserem kleinen Ort haben diese Sätze eine merkwürdige Stimmung ausgelöst. Freunde und Bekannte redeten nicht mehr offen miteinander, es wurde geflüstert und getuschelt. Kleine Grüppchen bildeten sich, zu denen nur wenige Außenstehende Zugang fanden. Immer mehr Nachbarn und Freunde flüchteten bei Nacht und Nebel in den Westen, und wurden zu Staatsfeinden erklärt. Dass auch wir bald zu den Staatsfeinden zählen würden, ahnten wir da noch nicht. Uns gehörte damals ein großes Wohnhaus und ein gutgehendes Baugeschäft, mit mehreren Angestellten und Lehrlingen. Bis 1952 waren nahezu alle Betriebe an das kommunistische System angepasst und damit verstaatlicht worden. Uns wurde verboten, weiterhin Lehrlinge auszubilden, den Angestellten wurden Arbeitsplätze in der Parteileitung angeboten. Wir bekamen ein sehr klammes Gefühl und böse Vorahnungen.“ Nach ein paar tiefen Seufzern erzählt die 89-Jährige weiter. „Jeden Samstag wurde mein Mann nun von der Partei abgeholt und nachhaltig zur Linientreue aufgefordert. Er sollte sich endlich der Staatsdisziplin unterwerfen. Wochen später erfuhren wir von einem Freund von seiner bevorstehenden Verhaftung. So floh auch mein Mann 1953 bei Nacht und Nebel von Ost- nach Westberlin. Nach einer polizeilichen Überprüfung im Notaufnahmelager wurde ihm Nordrhein-Westfalen als erster Wohnsitz zugewiesen. Als Ehefrau eines Staatsfeindes stand ich mit meinen Kindern unter besonderer Beobachtung. Wir wurden von einer uns gegenüber feindlichen Staatsmacht genau beäugt, eine Flucht in den Westen sollte uns unmöglich gemacht werden. Aber, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 1955 gelang es uns, unsere Beobachter auszutricksen und ebenfalls in das Notaufnahmelager zu flüchten. Diesen Schritt habe ich nie bereut. Bis unser Antrag auf Familienzusammenführung genehmigt war, wohnte ich mit meinen Kindern im Flüchtlingslager Lübeck. Der erste gemeinsame Wohnort wurde Mülheim an der Ruhr. Nach dem Tod meines Mannes zog ich zu meinen Kindern nach Hameln, wo ich seit mittlerweile zwölf Jahren eine neue Heimat gefunden habe.“

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