weather-image
13°
Neue Synagoge feierlich eingeweiht / Besonderer Dank an die Gemeindevorsitzende Rachel Dohme

Ein historischer Tag nicht nur für Hameln

Dieses Wochenende wird die liberale jüdische Gemeinde in Hameln in bester Erinnerung behalten, denn ihre neue Synagoge wurde feierlich und unter Beteiligung vieler hochgestellter Gäste eingeweiht. Das Besondere dieses Gotteshauses: Es ist der erste Neubau einer liberalen Synagoge in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Und: Der Bau wurde auf den Grundmauern der am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten alten Synagoge errichtet.

veröffentlicht am 20.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 03:21 Uhr

Rachel Dohme, die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde, und die New Yorker Rabbinerin Jo David, die die neue Tora-Rolle

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Jede Einweihung einer neuen Synagoge ist ein deutliches Signal, dass wir unsere Zukunft ernst nehmen und bereit sind, hier Wurzeln zu schlagen“, betonte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, warnte aber mit Blick auf die Geschehnisse in Dresden und Leipzig vom Samstag auch davor, den Rechtsextremismus zu unterschätzen und einen Schlussstrich unter die Bewältigung der Nazi-Vergangenheit setzen zu wollen.

Es war eine anrührende Einweihungsfeier, an der auch Kultusminister Bernd Althusmann Glück- und Segenswünsche der Landesregierung und des Ministerpräsidenten überbrachte. Die Einweihung der Synagoge sei nicht nur ein „historischer Tag für Hameln sondern auch ein historischer Tag für Niedersachsen“, betonte Althusmann und berichtete, dass sich die Zahl der Juden in Niedersachsen innerhalb von 20 Jahren von 600 auf über 9000 erhöht habe und es hier mittlerweile 16 jüdische Gemeinden gebe.

Der besondere Dank vieler Redner, insbesondere der stellvertretenden Vorsitzenden Polina Pelts, galt der Vorsitzenden der liberalen jüdischen Gemeinde, Rachel Dohme, die durch ihre unermüdliche Tatkraft und dank der finanziellen und moralischen Unterstützung vieler Menschen dieses Projekt zum Erfolg geführt habe. Die New Yorker Rabbinerin Jo David, die die neue Tora-Rolle aus den USA nach Hameln gebracht hatte, erinnerte daran, wie sie vor vielen Jahren mit Rachel Dohme auf dem verlassenen alten Spielplatz an der Bürenstraße gestanden habe. „An diesem Tag entstand ein Traum, ein Traum, ein neues Haus des jüdischen Glaubens und der Gemeinschaftsarbeit auf diesem heiligen Boden zu errichten. Doch es war kein Traum, da die Vision mithilfe vieler Menschen verschiedenster Herkünfte, Traditionen und Religionen in Deutschland und auf der ganzen Welt in die Realität umgesetzt wurde.“

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Wir sind bereit, hier Wurzeln zu schlagen.&ldqu
  • Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Wir sind bereit, hier Wurzeln zu schlagen.“

Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann und Landrat Rüdiger Butte betonten beide die historische Bedeutung, die der Neubau für Hameln und den Landkreis habe. Lippmann zeigte aber auch den großen Spannungsbogen der Gefühle auf, die an diesem Tag herrschten: „Da ist die große Freude über das Geschaffene, die Hoffnung auf Gemeinsamkeit, da sind aber auch Trauer und Scham angesichts der Vergangenheit, des Holocaust.“ Und Landrat Butte entschuldigte sich mit bewegenden Worten im Namen der Bürger des Landkreises Hameln-Pyrmont für die schrecklichen Geschehnisse während der Nazizeit.

Für den Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands, Dr. Henry G. Brandt, ist der Bau der neuen Synagoge der momentane Endpunkt einer Kette, die 3500 Jahre in die Vergangenheit reicht, als die Israeliten am Fuß des Berges Sinai Gott ein erstes Haus errichteten, dem viele gefolgt seien – prächtige, kleine, versteckte und wunderschöne, wie eben dieser Neubau eines jüdischen Gotteshauses in Hameln.

Geleitet von Rabbinerin Irit Shillor waren vor den Grußworten die alte und die neue, vor 100 Jahren in Deutschland entstandene Tora-Rolle in einem Gottesdienst in den Betsaal eingebracht und feierlich im Tora-Schrein verschlossen worden. Diese neue Tora-Rolle mit ihren 304 805 getrennt geschriebenen Buchstaben hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zeitweilig „lebte“ sie bei einigen Gemeinden in Israel, dann in den USA. Rabbinerin David: „Jetzt ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt