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Anwaltshaus erhält als Arbeitgeber Förderpreis Inklusion

Ein Handicap ist kein Hindernis

Hameln. „Inklusion hört nicht mit der Schulbildung auf.“ Für Andrea Gerstenberger und ihre Vorstandsmitglieder des Kuratoriums zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderung ist es selbstverständlich, dass Menschen mit einem Handicap in die Arbeitswelt integriert werden – für viele Arbeitgeber hingegen noch nicht. Daher hat sich das Kuratorium entschieden, den Förderpreis Inklusion 2013 an einen Arbeitgeber zu verleihen, „der bereits dafür sorgt, dass Menschen mit einer Behinderung in das Arbeitsleben integriert werden: das Anwaltshaus“. Gestern Abend nahmen Vertreter der Kanzlei die Auszeichnung in der Geschäftsstelle der Dewezet entgegen. Mit dabei: Carmen Seddig und Julia Geske. Die Mitarbeiterin der Buchhaltung und die Auszubildende zur Rechtsanwaltsfachangestellten leben jede mit einem Handicap – was sie aber nicht daran hindert, im Anwaltshaus einer ganz normalen Tätigkeit nachzugehen. „Ich habe als Schreibkraft hier vor 23 Jahren angefangen, hatte damals noch eine spezielle Schreibmaschine mit einem Display. Jetzt habe ich eine Kamera, die am PC integriert ist“, erklärt Carmen Seddig, die seit ihrer Geburt an einer Sehbehinderung leidet. Mit Kontaktlinsen hat sie 20 Prozent Sehkraft – zu wenig, um ganz ohne technische Hilfe auszukommen, aber genug, um einem normalen Beruf nachzugehen. „Eigentlich wollte ich mal Erzieherin werden. Man hatte aber Angst, dass ich nicht fähig wäre, Kinder sicher über die Straße zu begleiten“, erzählt sie. Also machte sie eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk für Körperbehinderte in Münster – und hörte dort den Satz: „Die eine Hälfte von euch schafft es, die andere Hälfte nicht.“ Und daher weiß Carmen Seddig: „Man muss sich selbst anstrengen und zeigen, dass man etwas kann.“ So wie jetzt Julia Geske. Die Auszubildende des Anwaltshauses ist von Geburt an halbseitig gelähmt, arbeitet am PC mit einer Einhandtastatur aus Metall – eine Sonderanfertigung, ebenso wie der Locher und Tacker, den sie benutzt. Dank Carmen Seddig, die für Julias Ausbildungsplatz nach eigenen Angaben „gekämpft hat wie ein Stier“, hat die 26-Jährige nun endlich eine Tätigkeit gefunden, die ihr Spaß macht. „Meine Arbeitgeber und die Lehrer in der Berufsschule setzen sich sehr für mich ein“, lobt sie. Jetzt, angespornt durch ihre positiven Beispiele, hoffen die beiden Frauen, dass noch mehr Arbeitgeber offener werden gegenüber Menschen mit Behinderung.

veröffentlicht am 02.04.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

von Karen Klages


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