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Ex-Kapitän Lutz Meyer-Scheel hat auf den Inseln vor Afrika eine Marina für Segler aufgebaut

Ein Hamelner ist auf den Kapverden heimisch

Neue Heimat: Kapverdische Inseln. Der ehemalige Hamelner Schüler hat gemeinsam mit einem Freund auf São Vicente bei Mindelo eine Marina für Segler aufgebaut. Seit acht Jahren ist er dort heimisch. Für immer dort bleiben will er aber nicht.

veröffentlicht am 07.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

karin Rohr
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Hameln/Kapverden. Dem Wasser ist er verbunden, das Segeln seine große Leidenschaft: Das allein war für Lutz Meyer-Scheel allerdings nicht der Grund, von Deutschland auf die Kapverdischen Inseln zu übersiedeln. Im Jahr 2001 besuchte der gebürtige Hamburger, der in Hameln aufwuchs, zum ersten Mal die Afrika vorgelagerte Inselgruppe, mit dem Ziel, sich dort vielleicht eine Existenz im Wassersportbereich aufzubauen. Ein Freund hatte ihm den Tipp gegeben: „Das ist ein armes Land, die brauchen Know-how. Da gibt’s so viel zu tun.“ Der erste Eindruck war für ihn eher enttäuschend: „Da gab es kein Grün, alles war so braun und staubig“, erzählt Lutz Meyer-Scheel. Doch schon auf dem Rückflug gewannen andere Eindrücke die Oberhand: „Die Unberührtheit, die Heiterkeit. Die Menschen leben von nichts und sind fröhlich.“

Der Entschluss war gefasst: Zusammen mit einem Freund schuf der Hamelner auf São Vicente am Porto Grande in Mindelo eine Basis für Segler und baute eine Marina auf, die heute vor allem in der winterlichen Hauptsaison stark frequentiert ist. Ein Geheimtipp für Segler waren die Kapverden zwar schon immer, aber: „Touristisch gab’s da wenig“, sagt Meyer-Scheel. Heute liegen dort in der Saison bis zu 120 Boote. Zwei eigene sowie vier weitere verchartert Meyer-Scheel. 16 Einheimische werden von ihm beschäftigt.

Nach Deutschland will er nicht zurückkehren

Als Lutz Meyer-Scheel 1960 seinen Schulabschluss an der Hamelner Sertürner-Realschule machte, hätte er sich ein Leben auf den Kapverden noch nicht träumen lassen. Aber er wollte zur See. Das stand für ihn fest. „Ich wollte ferne Länder sehen“, sagt Meyer-Scheel. Er ging zur Handelsmarine, erwarb mit 28 Jahren das Patent als „Kapitän auf großer Fahrt“, das ihn auch heute noch befähigt, Handelsschiffe jeder Größe zu fahren. Und stieg kurz danach aus: „Bei den modernen Containerschiffen fielen die langen Liegezeiten in fremden Häfen weg.“ Die Seefahrt war für ihn unattraktiver geworden. Lutz Meyer-Scheel drückte mit 29 Jahren in Hamburg die Uni-Bank und nahm das Studium der Betriebswirtschaft und Informatik auf, arbeitete später bei Hapag Lloyd und anderen Unternehmen im Management und als Geschäftsführer. „Wenn man 20 Jahre an der Spitze gestanden hat, fragt man sich, was dann noch kommt“, sagt Meyer-Scheel. Er besann sich auf seine alten Hobbys: Segeln und Musik machen. Die Idee, sich im Wassersportbereich selbstständig zu machen, war geboren. Die Kapverden wurden zu seiner neuen Heimat.

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Nach 36 Jahren zu Besuch in der alten Heimat Hameln: Lutz Meyer-Scheel mit seiner zukünftigen Frau Laura Krastins vor dem Hochzeitshaus. Fotos: pr

Sein 420 Quadratmeter großes Haus in Mindelo bietet genug Platz für Freunde und Familie. Lutz Meyer-Scheel hat fünf Kinder aus zwei Ehen, die ihn gern besuchen. Trotzdem weiß er, dass seine Zeit dort abläuft. „Ich will auf den Kapverden nicht alt werden“, sagt er. Ihn stört der Mangel an Kultur und Bildung, dass es dort „kein Theater, kein Kino gibt, dass alles nur über das Internet läuft“. Nach Deutschland zurückkehren will er aber nicht: „Dort ist alles so überreguliert und überorganisiert, und ich mag die Politiker nicht“, gibt der 67-Jährige unumwunden zu.

Australien findet er dagegen spannend. Nicht von ungefähr. Dort ist seine zukünftige Frau Laura Krastins aufgewachsen, deren Eltern aus Lettland stammten und in Canberra eine neue Heimat fanden. Mit Laura hat er kürzlich auch Hameln besucht. Zum ersten Mal seit 36 Jahren war der ehemalige Sertürner- Schüler wieder in der Rattenfängerstadt, mit der ihn eine „glückliche Zeit“ verbindet: „Erste Liebe, Führerschein, Freunde“, listet Meyer-Scheel auf. Er war positiv überrascht: „Hameln hebt sich wohltuend von anderen Städten ab“, sagt er und lobt die gelungene Sanierung, die „schönen kleinen Gässchen“.



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