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Wilhelm-Busch-Haus doppelt wertvoll

Ein Gebäude mit Geschichte – und Geschichten

Hameln (kar). „Einszweidrei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit“, reimte einst Wilhelm Busch. Vermutlich hatte der Spötter mit der satirischen Feder dabei nicht gerade an das Haus in der Fischpfortenstraße gedacht, in dem er manchmal zu Gast war, nachdem seine Verwandtschaft 1847 hier eingeheiratet hatte. Doch auch für dieses Gebäude, das zu Buschs Zeiten immerhin schon 300 Jahre alt war, lief und läuft die Zeit – durchaus im positiven Sinn: Es wird von der Sparkasse Weserbergland gerade aufwendig saniert und soll im nächsten Jahr in neuem Glanz erstrahlen. Die Optik der historischen Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes bleibt zur Fischpfortenstraße hin erhalten. „Das Haus ist von erheblichem Wert“, bestätigt Archäologe Joachim Schween, der sich im Zuge der Restaurierungsarbeiten dort umgeschaut hat. „Das Fachwerk ist im Vorfeld exakt und standortgerecht eingemessen worden“, sagt Schween. Es habe auch dendrochronologische Unterschungen gegeben. Die Dendrochronologie ist eine Methode zur jahrgenauen Altersbestimmung von hölzernen archäologischen Funden: „Anhand der gebildeten Jahrringe eines Baumes kann man feststellen, wann er gefällt worden ist“, erklärt Schween: „So ein Jahrring ist wie ein Fingerabdruck und lässt über die verbauten Holzbalken Rückschlüsse auf das Alter des Hauses zu.“ Die dendrochronologische Untersuchung für das Wilhelm-Busch-Haus bestätige, dass es um 1560 gebaut wurde. Später habe es aber auch immer wieder Umbauten und Reparaturen gegeben. Als giebelständiges, dreigeschossiges Haus mit Vorkragungen der oberen Geschosse errichtet, waren die unteren zwei Geschosse ursprünglich in der älteren Ständerbauweise erstellt. Um 1850 wurde die Fassade in Stockwerksbauweise neu gestaltet. Das wertvolle Fachwerk des Hauses weist reiche Verzierungen mit Fächerrosetten und Flechtbändern auf.

veröffentlicht am 27.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

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Im Zuge der aktuellen Sanierungsmaßnahmen stieß Schween im Inneren des Hauses bei Grabungen, deren Ergebnisse noch detailliert vorgestellt werden sollen, auf die Relikte eines Vorgängerbaus: „Dort hat einmal ein mittelalterliches Steinhaus mit gewaltigen Fundamenten gestanden“, erzählt der Archäologe und spekuliert: „Vielleicht ähnlich wie die Löwen-Apotheke.“ In dem Wilhelm-Busch-Haus sei über die letzten Jahrzehnte nichts verändert worden, freut sich Schween: „Dadurch haben wir jungfräulichen Boden vorgefunden, mit hohem Quellenwert aus archäologischer Sicht.“ Dass damals die Anlieger der Fischpfortenstraße nicht gerade zu Ärmsten zählten, liegt für Schween auf der Hand: „Die Gasse war ein wichtiger Weserzugang.“

Der Charakter der Fachwerkfront soll nach der Sanierung noch besser zur Geltung kommen, heißt es von Seiten der Sparkasse Weserbergland, die das Gebäude nach der Fertigstellung nutzen wird. Zwar sieht der Entwurf der Architekten Grohmann Lehnhardt GmbH aus Hamburg vor, das Gebäude an die architektonischen Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen, aber: „Das Erscheinungsbild zur Fischpfortenstraße hin bleibt gewahrt und als wichtiger Hingucker in der Altstadt erhalten.“

Mit Sorgfalt und handwerklichem Geschick ist die imposante Fachwerkkonstruktion inzwischen freigelegt worden, um sie fit für „ein zweites Leben“ zu machen. Die Umbau- und Erhaltungsmaßnahmen – ausgeführt von heimischen Fachbetrieben aus dem Weserbergland – schreiten auch in der traditionellen Urlaubszeit zügig voran. Voraussichtlich bis Frühjahr 2013 wird das Gerüst in der Fischpfortenstraße noch vor der Fassade stehen. Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten hat es bisher nicht gegeben: „Wir liegen gut im Plan und wissen gerade bei diesen Arbeiten am freigelegten Fachwerk das trockene Sommerwetter zu schätzen“, sagt Christian Mrosek von der Sparkasse Weserbergland.

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  • Die historische Fassade des Wilhelm-Busch-Hauses in der Fischpfortenstraße: Sie soll nach der Sanierung erhalten bleiben.
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Wertvoll ist das Gebäude in der Fischpfortenstraße aber nicht nur aus kunsthistorischer Sicht, sondern auch als verbürgtes, gelegentliches Domizil des Dichters Wilhelm Busch: „Für die Stadtführer ist das ein Punkt, wo sich wunderbar andocken lässt“, findet Joachim Schween: „Und eine Schutzglocke für das Haus.“

Die Rückseite des Wilhelm-Busch-Hauses: Hier lässt sich die aufwendige Fachwerk-Konstruktion gut erkennen. Das historische Erscheinungsbild zur Fischpfortenstraße soll nach der Sanierung gewahrt bleiben. Foto: Wal



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