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Themenführung macht auf den Waldfriedhof Am Wehl aufmerksam

Ein Friedhof im Wandel

HAMELN. Friedhöfe sind ein Ort der Trauer, der Erinnerung und der letzten Ruhe. Doch das Bild ändert sich. Als „grüne Oase und neuer Lebensraum“ werden sie mehr und mehr zu einem öffentlichen Erholungs- und Freizeitraum. Eine Erlebnisführung auf dem Hamelner Waldfriedhof Am Wehl zeigt diesen Wandel.

veröffentlicht am 13.05.2019 um 15:13 Uhr

Friedhofsmeister Rainer Marcek erläutert den Teilnehmern die Veränderungen im Bestattungswesen und präsentiert den Friedhof als „grüne Oase und neuen Lebensraum“. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Seit 1938 ist der Hamelner Waldfriedhof Am Wehl ein rund 31 Hektar großes Bestattungsareal. „Doch das Bild vom letzten Quartier der Toten wandelt sich“, sagt Edward Menking vom Verein „Regionale Kultur- und Zeitgeschichte“. Zunehmend werde die Nekropole auch Habitat aktiver Flora und Fauna und zum Parameter für Biodiversität. Als „grüne Oase und neuer Lebensraum“ werde der Friedhof mehr und mehr zu einem öffentlichen Erholungs- und Freizeitraum. Menking: „Ein Nebeneinander diverser Bestattungsformen sowie divers-aktiver Flora und Fauna.“

Auf diesen Wandel aufmerksam zu machen, war Ziel eine Erlebnisführung, die der Verein zusammen mit dem städtischen Friedhofsmeister Rainer Marcek organisiert hatte und zu dem gut 30 Teilnehmer hinaus zum Waldfriedhof gekommen waren.

Seit 1986 ist Marcek für die Hamelner Friedhofswelt zuständig. „Im Gegensatz zu anderen Kommunen müssen wir dabei eine 100-prozentige Kostendeckung erwirtschaften, mit immer weniger Personal“, klagt er. Waren früher allein am Waldfriedhof Am Wehl 40 Mitarbeiter beschäftigt, so seien es auf allen Hamelner Friedhöfen heute nur noch 25.

Rainer Marcek Foto: eaw

Neben eindrucksvollen Grabmalen wie denen in der Abteilung der Sinti mit ihren mächtigen Gewölbekonstruktionen machte Marcek vor allem auf den Wandel im Bestattungswesen aufmerksam. Urnenreihengräber in Kreisform seien derzeit der Renner, so der Friedhofsmeister. Aber auch Bestattungen unter einem Baum würden immer beliebter. Traditionelle Erdbestattungen mit Trägern, Totenfeier und gemeinsamem Gang hinterm Sarg zum Grab dagegen immer seltener.

Immer mehr werde der Friedhof auch zum Rückzugsraum für bedrohte Arten. „Wachsen lassen war früher undenkbar“, so Marcek angesichts bewusst ungemähter Abschnitte. „Wenn der Löwenzahl wuchert, dann wuchert er eben.“

Da dient dann ein alter Baum-Torso als „Biotop-Baum“ und Heimat für Spechte, Fledermäuse und Insekten. An einigen Stellen gibt es sogar sehr seltene Farne und Orchideen zu entdecken.

Seit 2015 werde außerdem kein Glyphosat mehr für die Pflege der Wege eingesetzt, so Marcek. Betriebswirtschaftlich eine Katastrophe, aber es ist gut, dass wir ohne chemische Keule arbeiten.“ Die viele gemeinhin unbekannten Aspekte ansprechende Führung veranschaulichte die naturkundliche wie auch kulturhistorische Bedeutung des Friedhofs. „Ein besonders schützenswertes Ökosystem von hoher Bedeutung für die Gesellschaft. Ich hätte nie gedacht, dass ein Friedhof so interessant sein kann“, bilanzierte eine Teilnehmerin.



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