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Welt-Parkinson-Tag: Betroffene und Experten tauschen sich aus

Ein Forum, das Mut macht

Hameln. Friedrich S. war Maurer. Ein Knochenjob. Und einer, der – zumindest früher – eigentlich immer auch mit Alkohol verbunden war. Das Bier auf der Baustelle nach (oder auch schon mal vor) Feierabend, so normal wie das tägliche Brot. Doch irgendwann, S. ist inzwischen 53 Jahre alt, ändert sich alles: Beim Mittagessen beginnt er zu zittern, manchmal fällt ihm das Besteck aus der Hand. Sein Gang wird zusehends schleppend, sein Körper gehorcht ihm nicht mehr.

veröffentlicht am 11.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Die Mutter hielt

den Vater für einen Alkoholiker

Tochter Pilar, heute 61, erinnert sich: „Meine Mutter hat Vater immer ausgeschimpft. Sie hat gesagt, er sein Alkoholiker.“ Das Familienleben leidet unter den alltäglichen Streitigkeiten der Eheleute, und bald halten auch Nachbarn Friedrich S. für einen Säufer. Kinder lachen über ihn. Dabei ist S., was damals noch keiner ahnt, einfachkrank. Er hat Parkinson, im Volksmund auch Schüttelähmung genannt. Als S. nach jahrelangem Leidensweg im Alter von 64 Jahren stirbt, nimmt er das Geheimnis mit ins Grab.

Tochter Pilar, heute Mutter zweier erwachsener Söhne, hat das Tabu gebrochen. Nachdem sie sich bei allen möglichen Quellen schlau gemacht hatte, wusste sie endlich, dass ihr Vater nicht, wie immer behauptet, Alkoholiker war. Sondern einfach krank. Ein Los, von dem sie hofft, dass es ihren Kindern erspart bleibt. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb engagiert sie sich für das Thema Parkinson. Und nutzte am Samstag im Weserbergland-Zentrum deshalb auch die vielfältigen Informationsangebote, die das Krankenhaus Lindenbrunn anlässlich des Welt-Parkinson-Tages dort machte. Lindenbrunn, Mitglied im Kompetenznetz Parkinson, hat einen Trägerverein, dem übrigens auch Landrat Tjark Bartels angehört. Und hat sich auf die Fahnen geschrieben, Patienten im wahrsten Sinne des Wortes dazu zu bewegen, trotz ihrer Einschränkungen aktiver am Leben teilzunehmen.

Parkinson – die Krankheit, die in den meisten Fällen mit leichtem Zittern beginnt, betrifft fast nur Menschen über 50, lässt sich weder heilen noch aufhalten. In vielen Fällen bleibt die Ursache dieser Störung unbekannt, Medikamente haben zum Teil schwere Nebenwirkungen. Betroffene, darin sind sich die Mediziner einig, sollten ihr Alltagsleben aber so normal wie irgend möglich fortführen können, wobei psycho-soziale Betreuung und Hinwendung zum Patienten ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung sein können.

Während der Tagung wurden diverse Therapiemöglichkeiten vorgestellt, zudem wurde die Frage gestellt, welche Hoffnungen es für Betroffene gibt. Foto: Dana

Seit 2013 hat sich die Klinik in Coppenbrügge der Diagnose und Therapie der Krankheit verschrieben und in den vergangenen Jahren Diagnose-, Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten stetig ausgebaut. Während der Veranstaltung wurden diverse Therapiemöglichkeiten vorgestellt, zudem wurde die Frage gestellt, welche Hoffnungen es für Betroffene gibt. Und die lauschten interessiert den Vorträgen der Experten, darunter mit Prof. Dr. med. Christian Winkler PhD, Chefarzt der Neurologie im Lindenbrunn, der unter anderem Neurobiologie in Schweden studiert hatte.

Diskutiert wurden im voll besetzten Plenum aktuelle Therapiemöglichkeiten bei der Beeinträchtigung der Gangsicherheit, der Feinmotorik und des Schluckens sowie Diagnose und Therapie bei nicht-motorischen Beschwerden. Ein besonderer Schwerpunkt war der Vortrag von Prof. Dr. med. Per Odin, Chefarzt Neurologie (Universität Lund/Schweden und Klinikum Bremerhaven Reinkenheide), der einen Ausblick auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten gab. Mit Magdalene Kaminski, der Bundesvorsitzenden der Deutschen Parkinson Vereinigung erhielt das Forum, das Betroffenen Mut machte, weitere Kompetenz.



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