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Stadt geht neue Wege: Mischpflanzungen voller Stauden für die Verkehrsinseln

Ein Feldversuch im öffentlichen Grün

Hameln (ey). Goldener Oktober. Den Titel hat sich der Monat redlich verdient. Nicht nur der Blattfärbung wegen. „Gerade jetzt zeigt sich, wie vorteilhaft Staudenpflanzen auf Verkehrsinseln sind“, sagt Klaus Grage, zuständig für Grünflächenunterhaltung in Hameln. Verschiedene Gräsersorten, Sonnenhut, Mädchenauge, Prachtscharte und viele weitere Arten verliehen Knotenpunkten ein attraktiveres Gesicht als Johannis- und Fingerkraut. Die Verkehrsinsel als gärtnerisches Musterbeispiel macht Schule.

veröffentlicht am 10.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 10:21 Uhr

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Vor drei Jahren wagten Grage und Kollegen den ersten Schritt. „Die Kreuzung ,Guter Ort‘ war unsere Versuchsinsel, dann folgte die Deisterallee. Mit verschiedenen Gräsern, unter anderem die Sorte ,Hameln‘, und Blütenstauden ersetzten wir die alte Bepflanzung, die vor allem aus Fingerkraut, Johanniskräuter und Bodendeckerrosen der Sorte Heidetraum bestand“, sagt der Landschaftsgärtner. Doch es war eine optische Sättigung erreicht, und nach strengen Wintern war der Heidetraum ein Heidealbtraum geworden. Die Abteilung für Naturschutz und Umwelt blieb am Ball und nahm weitere Inseln ins Visier, weil die „Versuchsinsel“ auch nach drei Jahren noch gut aussieht. Neuester hübscher Clou: die Kreuzung Thiewall/Erichstraße.

Zunächst hatte gar nicht die Pflanzenauswahl Priorität, sondern das Beackern der Fläche. „Wir haben den Boden 60 Zentimeter tief ausgetauscht, alte Erde, Steine und Wildkräuter entsorgt und die zu bepflanzenden Flächen schließlich mit Hydralit aufgefüllt, ein Pflanzsubstrat, das den Bedingungen der Umgebung Rechnung trägt.“ Das Bodengemisch lasse keine Staunässe aufkommen - dies sei eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. Lampenputzergras, Purpur-Sonnenhut, Fetthenne, kleinwüchsige Astern, Schafgarbe, um nur einige Pflanzen zu nennen, bereiten nunmehr einen schönen Anblick, und im Frühling werden erst einmal die Tulpen blühen. „Wir haben im Pflanzkonzept die Blumenzwiebeln integriert“, sagt Staudengärtnermeisterin Karin Hanke, die sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen freut, „solche tollen Akzente auf Verkehrsinseln zu setzen“. Es sei kein einfaches Projekt, denn Verkehrsinseln sind Stress-Standorte, litten unter Schmutz und (im Winter) Salz. Deshalb eigne sich auch nicht jede Staude, sondern müsse die Auswahl mit Augenmaß getroffen werden.

Dieses Augenmaß hat die Fachabteilung nicht allein bewiesen. „Wir haben die Stauden-Gärtnerei Junge in Wehrbergen hinzugezogen“, sagt Grage. Matthias Großmann, Inhaber des Unternehmens, begrüßt das Projekt der Stadt. „Der Bund Deutscher Staudengärtner hat verschiedene Mischpflanzungen vorgegeben, und an die kann man sich halten.“ Großmann habe als Korrektiv gewirkt, wenn in diversen Mischpflanzungen Stauden enthalten waren, die aufgrund ihrer Wuchshöhe die Verkehrssicherheit gefährden könnten (wie zum Beispiel Chinaschilf, der gut und gerne auch drei Meter hoch werden kann) und diese dann durch Alternativpflanzen ersetzt. Großmann ist ein glühender Befürworter des städtischen Pflanzprojektes: „Bis in den Herbst hinein sorgen die verschiedenen Mischungen für schöne Bilder in der ganzen Stadt. Das ist fantastisch. Und man muss sie ja jetzt nicht abschneiden. Verblühtes sieht auch dann dekorativ aus, wenn im Winter der Puderschnee darauf fällt.“

Die Mischungen sind unterschiedlich: Mit „Silbersommer“ (unter anderem am Guten Ort) fing alles an. Blauer Stauden-Lein, Gelbe Skabiose und Blaue Rasselblume sind die kurzlebigen Stauden dieses Mixes. Seidenhaar-Königskerze, Salbei und Steinquendel sowie Silber-Ährengras und Goldhaar-Aster blühen bis in den Herbst hinein. „Indian Sunset“ mit warmen Blütenfarben von Gelb über Orange bis Rot und rötlicher Laubfärbung wurde an der Kreuzung Thiewall/Erichstraße gepflanzt. „Pink Paradise“ (zarte bis kräftige Rosatöne und rotlaubige Stauden) könnte am Mertensplatz zum Einsatz kommen, vielleicht schon im nächsten Jahr, wenn es die Finanzen zulassen.

Wie das so ist mit öffentlichem Grün, stehen Kosten und Aufwand als wunder Punkt gegenüber dem Nutzen. Über den Nutzen lässt sich trefflich streiten; einer viel befahrenen und noch dazu weltbekannten Stadt schaden hübsche Staudenpflanzen, wie sie weltbekannte Gärtner wie Karl Foerster (Züchter und Philosoph) oder Christopher Lloyd (Great Dixter Garden in Südengland) über viele Jahrzehnte in den Fokus gerückt haben, sicher nicht. Und wenn sie zu einer schöneren Atmosphäre beitragen, dann ist der Nutzen unzweifelhaft vor allem auch für die Hamelner selbst vorhanden. Entscheidend ist aber auch die Tatsache, dass sich der Pflegeaufwand nicht vergrößert, im Gegenteil: „Der Aufwand ist geringer, jedenfalls zurzeit. In einigen Jahren müssen wir die Stauden teilen, aber auch das hält sich in Grenzen. Unsere Erfahrung ist: Wir haben weniger mit der Pflege zu tun - und erzielen einen schöneren Effekt“, sagt Grage. Die Schönheit öffentlichen Grüns hängt jedoch leider nicht allein am Grün. Zigarettenkippen, Papiertaschentücher und anderer Müll werde achtlos in die Beete geworfen, sagt Grage. Gegen asoziales Verhalten kann die schönste Staude nicht anwachsen.



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