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Seit 1907: Waffenhandel Paul

Ein Experte für Gewehre, Messer – und Salzstreuer

Hameln. Der Laden, etwa in der Mitte der Osterstraße, ist seit mehr als einem Jahrhundert eine Institution an dieser innerstädtischen Ader – auch schon lange, bevor es eine Fußgängerzone in Hameln gab, geschweige denn Diskussionen über deren Erneuerung entstanden. Waffen Paul – ein Fachgeschäft, das bereits in der dritten Generation geführt wird – ist fast so etwas wie ein Dinosaurier in Zeiten von Shoppingmalls und Filialisten-Läden. Aber doch auch ein Fachgeschäft, das weit und breit seinesgleichen sucht.

veröffentlicht am 06.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 14:21 Uhr

Alles, was Jäger wünschen: Walter Paul zeigt sein Sortiment. Fot

Autor:

Christa Koch
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Walter Paul, der Großvater des jetzigen Chefs mit eben diesem Vornamen, kam seinerzeit aus Solingen nach Hameln und gründete im Jahre 1907 hier eine Schleiferei – schließlich hat Solingen auch heute noch den Ruf, Messer und Scheren in höchster Qualität zu liefern – Solinger Stahl gilt als Markenzeichen schlechthin. Damals musste Walter Paul, der früh Witwer wurde und einen dreijährigen Sohn hatte, die Geschäftsräume noch mit einem Schuhgeschäft teilen.

Paul heiratete in zweiter Ehe und ließ seinen Sohn – ebenfalls ein Walter – in Suhl das Büchsenmacher-Handwerk lernen. Eine Ausbildung, die er mit dem Meistertitel abschloss. Mittlerweile waren aus den Anfängen in Hameln schon erfolgreiche Geschäftsbeziehungen entstanden, wurden in dem Laden an der Osterstraße auch Bestecke und Metallgeräte für den Fleischereibedarf verkauft, Waffen natürlich sowieso. Doch der Krieg machte dem zunächst ein Ende, und später, so sagt der heutige Inhaber Walter Paul, hätten die Amerikaner als Sieger das Geschäft geplündert.

Spielzeugpistolen, die täuschend echt aussehen

Dieser Walter Paul III. begann 1958 ebenfalls eine Lehre als Büchsenmacher, zunächst beim Vater, danach noch zweieinhalb Jahre in einem Ort nahe Gummersbach. 1961 hatte er seine Ausbildung beendet, schon kurz danach starb der Vater, Walter Paul übernahm das Geschäft, das er ununterbrochen bis heute führt.

Auch wenn in Hameln immer von „Waffen Paul“ gesprochen wird, so sind es doch nicht Waffen allein, die das Sortiment ausmachen. Viele Haushaltsgeräte, zumeist hochwertige, lagern in den Regalen, darunter Profi-Messer, Salz- und Pfefferstreuer in edlem Design oder Siebe aus Edelstahl. „Das kaufen nicht nur Frauen, sondern auch Männer“, sagt Paul über seine Kundschaft.

Das zweite und vermutlich wichtigere Standbein aber sind die Waffen. Sportschützen und Jäger bekommen bei Walter Paul alles. Was gewünscht wird, kann er auf Bestellung liefern. Hinzu kommt das Drumherum, das er sowieso im Laden hat – Holzunterlagen, auf denen Jäger ihre Trophäen anbringen können oder Bierseidel mit jagdlichen Motiven etwa.

Messer, wie sie schon seit Generationen vor allem von Pfadfindern genutzt werden, gehören ebenso zum Sortiment wie Säbel, Dartscheiben, Billardqueues oder Spielzeugpistolen, die täuschend echt aussehen. Im Laden selbst hat Paul ausschließlich freiverkäufliche Waffen, Soft-Air-Gewehre zum Beispiel, die martialisch aussehen, aber bereits an junge Leute ab 14 Jahren verkauft werden dürfen, oder Luftgewehre (ab 18).

„In Winnenden haben die Behörden versagt“

Die Diskussion um solche Waffen, gerade wieder entflammt nach den Amokläufen von Erfurt oder Winnenden, ficht Paul nicht an. „Der Schüler in Erfurt hätte die Waffe gar nicht haben dürfen. Da haben damals eindeutig die Behörden versagt.“ Aber: „Das fällt natürlich auf uns zurück.“ Taten wie jene könne man aber nicht verhindern, sagt der Geschäftsmann. So sei beispielsweise mal die Polizei bei ihm im Lande gewesen, weil ein Kind ein bei ihm gekauftes Messer gehabt habe. „Das hatte aber ein Älterer gekauft und ihm dann überlassen. Da kann ich natürlich nichts machen“, sagt Paul.

Überhaupt findet er, dass es inzwischen große Einschnitte seitens des Gesetzgebers gibt, „die nicht gut für unsere Branche sind“. Vom Gesetz bekomme die immer neue Daumenschrauben angelegt – schon deshalb weiche er in seinem Geschäft mehr und mehr auf die freiverkäuflichen Waffen aus. Konkurrenz fürchtet er dabei kaum – die einzige, so meint er, sei die aus dem Internet.

Deshalb bedauert Walter Paul auch, dass der „New Yorker“, genau gegenüber von seinem Geschäft gelegen, sein neues Domizil in die Stadt-Galerie verlagert hat. „Früher gingen die jungen Mädchen dort zum Shoppen, und ihre Freunde kamen unterdessen zu uns rein“, sagt er. Aber auch die Tatsache, dass Hertie seine Pforten geschlossen hat, bedeutet für Waffen-Paul nicht gerade eine Belebung fürs Geschäft. „Das war nie eine Konkurrenz für uns, auch wenn es dort ebenfalls Haushaltswaren gab“, beteuert Paul. Der 68-Jährige findet es im Gegenteil „sehr schade“, dass es in der Osterstraße immer mehr Leerstände gibt. Und wenn er sich aus Altersgründen mal zur Ruhe setzen sollte – dann gibt es mangels eines Nachfolgers ein Traditionsgeschäft in der Osterstraße weniger – und wohl einen Leerstand mehr …



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