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Harter Winter, harte Zeiten: Circus Mulan zu Gast in Klein Berkel

Ein Drahtseilakt

Klein Berkel. Jeden Monat eine andere Stadt, jede Woche ein anderer Festplatz: Die Familie von Jacqueline Renz und David Köllner ist überall und nirgendwo zu Hause. Als Artisten, die mit ihrem eigenen, kleinen „Circus Mulan“ unterwegs sind, gehören sie zum fahrenden Volk, verbringen 365 Tage im Jahr auf Tour. Manchmal allerdings entsteht zwischen Ort und Durchreisenden doch eine Verbindung: „Mein Mann ist in Hameln geboren, zwei seiner Söhne kamen hier zur Welt – und am Montag vergangener Woche hat unser Lama-Nachwuchs ebenfalls hier in Klein Berkel das Licht der Welt erblickt“, berichtet Jacqueline Renz. Das kleine Wollknäuel mit dem hellen Fell tollt bereits recht sicher auf den dünnen Beinchen über den Festplatz, schaut sich neugierig um, schnuppert hier und da, um dann doch scheu davonzulaufen. Die Temperaturen um den Gefrierpunkt scheinen dem kleinen Lama-Männchen nichts auszumachen.

veröffentlicht am 28.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Anders ist das bei seinen Besitzern: Obwohl Jacqueline Renz tapfer lächelt, mit ihren als Clowns verkleideten und geschminkten Söhnen eine Schar aus Lamas und Alpakas für ein Foto vor dem rot-gelben Zirkuszelt zusammentrommelt – der Winter hat die Zirkusdirektorin und ihr Team schwer gebeutelt. „Früher haben wir die Winter noch in unserem Lager im niederrheinischen Wesel verbracht, seit ein paar Jahren geht das nicht mehr“, berichtet Renz. Die Einnahmen eines Sommers auf Tour reichen heute längst nicht mehr aus, um eine 15-köpfige Mannschaft aus Feuerspuckern, Messerwerfern und Dresseuren sowie rund 30 Alpakas, Lamas, Ziegen, Pferde, Ponys, Esel, Kamele und Dromedare durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Im Winter zu stehen, kann sich der „Circus Mulan“ wie viele andere Klein-Zirkusse nicht mehr leisten.

Diese Entwicklung habe eingesetzt, als der Euro eingeführt wurde: Plötzlich sei alles teurer geworden, vom Tierfutter über die Versicherungsbeiträge bis hin zum Gas, mit dem der Zirkus Zelte und Wohnwagen heizt. „Im letzten Jahr sind wir zu Ostern bei 20 Grad und Sonnenschein aufgetreten, jetzt verheizen wir an zwei Tagen 25 bis 30 Euro an Gas“, sagt Direktorin Renz. Wenn es schneit, müssten Zirkus- und Tierzelte zusätzlich die ganze Nacht über beheizt werden, „damit die Schneelast die Zelte nicht zum Einstürzen bringt“, erklärt Cornelia Trumpf, die im „Circus Mulan“ für die Pflege und Dressur der Tiere zuständig ist. Und bei Minusgraden werden die tierischen Artisten auch anders gefüttert: Anstelle von Weidegras gibt es Kraftfutter, damit die Fettvorräte der Tiere nicht schwinden, bevor es wärmer wird. Das geht ins Geld.

Wie sich der Zirkus im Winter über Wasser hält? Die Großen der Branche, „Circus Roncalli“ und Co., engagieren einige Mitglieder der großen Artistenfamilie für ihre Shows. „Diesen Winter waren meine Töchter zum Beispiel in Rostock und Schwerin“, berichtet Cornelia Trumpf. Dennoch: Die Luft wird immer dünner, das Geld immer knapper. Während jedes einzelne Tier sowie die Ausrüstung umfangreich versichert ist, reicht es für Renz, Köllner und Trumpf nicht einmal mehr für die Rentenversicherung.

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  • Cornelia Trumpf und das erst wenige Tage alte Lama-Männchen, das noch einen Namen sucht.

Für den kleinen Hamelner Lama-Nachwuchs sucht der „Circus Mulan“ übrigens noch einem Namen. Vorschläge nimmt Jacqueline Renz gern vor oder nach den Vorstellungen entgegen: Von Freitag, 29., bis Sonntag, 31. März, jeweils um 16 Uhr, sowie am Ostermontag, 1. April, um 14 Uhr. Am Samstag beträgt der Eintritt für Kinder nur 3 Euro, am Ostersonntag haben Großmütter freien Eintritt – und am Montag zahlen Erwachsene lediglich den Kinder-Eintrittspreis. Vorverkauf und weitere Informationen erhalten Sie unter 0163/804 55 12.

Cornelia Trumpf und das erst wenige Tage alte Lama-Männchen, das noch einen Namen sucht.



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