weather-image
Das eingeebnete Gräberfeld auf dem Friedhof Am Wehl soll neu gestaltet werden

Ein Denkmal für die Zuchthaus-Opfer

Hameln. Sie waren von den Nationalsozialisten verfolgt worden und starben in den Jahren 1944 und 1945 im Zuchthaus in Hameln. 180 Opfer, die in dieser Zeit auf dem Friedhof Am Wehl ohne Sarg unter- und nebeneinander mehr verscharrt als beerdigt wurden, hat der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom identifiziert und die Geschichte des abseits liegenden Gräberfeldes aufgeklärt, das die Stadt im Jahr 1976 einebnen ließ. „Gegen geltendes Recht“, wie Gelderblom gestern auf dem Friedhof erklärte, als drei Modelle für ein Denkmal, entwickelt von Schülern des Albert-Einstein-Gymnasiums, an dem Gräberfeld C 1 vorgestellt wurden. Erst seit dem Jahr 2005 weist eine Geschichts- und Erinnerungstafel auf die Zuchthausopfer hin. Jetzt soll am Rande des Gräberfeldes das von Svenja Broska im Rahmen ihres Seminarfaches entworfene Denkmal an die Opfer erinnern.

veröffentlicht am 25.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:41 Uhr

270_008_7111220_DSC_7767.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Stadtbaurat Hermann Aden kann sich die Realisierung des Denkmals gut mit zu Nägeln umgeformten Stahlrohren vorstellen, auf denen die Namen der Opfer auf einzelnen Plaketten lesbar gemacht werden sollen. Denn die Nennung der Namen ist eine zentrale Bedingung dafür, dass der Bund sich finanziell an der Neugestaltung dieser Kriegsgräberstätte beteiligt. Der Antrag, das Gräberfeld zur Kriegsgräberstätte zu erklären, sei bereits gestellt worden, berichtete Aden. „Daran, dass dem Antrag stattgegeben wird, besteht kein Zweifel“, betonte Aden und kündigte an, er werde dem Rat eine finanzielle Beteiligung an der Errichtung des Mahnmals empfehlen und erwarte, dass entsprechende Mittel in den Haushalt des kommenden Jahres eingestellt würden. Die Kosten für die Pflege des Gräberfeldes werde nach der Genehmigung des Antrags das niedersächsische Innenministerium übernehmen. Er rechne dabei jährlich mit einem Betrag von etwa 3000 Euro.

Das Modell von Svenja Broska war von einer kleinen Jury aus 17 Entwürfen ausgewählt worden, die Anfang März im AEG ausgestellt worden waren. Auf dem zweiten Platz landete der Entwurf von Emilius Bergmann. Er gefiel Aden zwar besonders gut, seine Verwirklichung dürfte aber zu viel Geld kosten, wie der Stadtbaurat bedauernd vermutete. Wegen der problematischen Bestattung der NS-Opfer soll das Denkmal nicht mitten auf dem Gräberfeld platziert werden, sondern ganz am Rand, zumal in der Mitte ein Baum gepflanzt werden soll, der das Leben und die lebendige Erinnerung an die Toten symbolisieren soll. Rings um die bis zu etwa drei Meter hohen Stahlnägel hat Svenja Broska raue Steine platziert, gleichsam die Zuchthausmauern, hinter denen die eingesperrten Opfer leiden mussten und den Tod fanden.

Der wiesenartige Zustand des Gräberfeldes war erst im Jahr 2006 von Jugendlichen im Rahmen eines internationalen Jugendlagers des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hergestellt worden. Seit Beginn des Schuljahres 2013/14 beschäftigten sich dann Schüler des Seminarfaches Kunst am AEG mit ihrem Lehrer Gunnar Schwandt mit dem Thema „Bilder im Blick“ mit dem Gräberfeld und setzten die von Gelderblom gelieferten historischen Informationen in ihre Denkmalsentwürfe um.

Svenja Broska mit ihrem Modell eines Denkmals für die in den Jahren 1944 und 1945 im Hamelner Zuchthaus verstorbenen und auf dem Friedhof Am Wehl verscharrten Opfer des Nationalsozialismus. wft



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt