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Erlebnisse bei der Müllverbrennungsanlage

Ein Dackel im Sarg und mehr Kurioses

Hameln. Sonnenschein, blauer Himmel, 26 Grad und die Müllverbrennungsanlage bei Afferde? Zu Beginn sind einige der Teilnehmer des Sommerabenteuers noch etwas skeptisch. Doch schon beim ersten Gang über die Anlage zeigt sich: Typischen Müllgeruch hat man hier nicht in der Nase. „Man riecht es eigentlich gar nicht“, stellt Ingrid Jenczyk fest. Erst später riecht es ganz leicht nach verbranntem Holz. „Das kommt aus der Altholzverbrennung“, erklärt Ulrike Bollrath. Die Mitarbeiterin ist unter anderem zuständig für die Unternehmenskommunikation der Enertec Hameln GmbH.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Den 17 Besuchern erklärt sie die Vorgänge innerhalb der Verbrennungsanlage, die grob gefasst wie folgt wiedergegeben werden können: Transporter bringen den Müll der Haushalte und laden ihn in einem riesigen Müllbunker ab. Von dort aus wird er über einen Greifarm in die Verbrennungsanlage befördert. Über viele Wege und Systeme entsteht dann Energie aus Abfall: Wärme, aber auch Strom. Rund 1200 Haushalte werden mit Fernwärme aus der Hamelner Müllverbrennungsanlage versorgt. „Kommt der Müll hier an, sortieren wir ihn nicht mehr“, erklärt Bollrath auf Nachfrage. Doch natürlich werden auffällige Dinge, die nicht in den Normalmüll gehören, aussortiert. „Das Kurioseste, das wir mal hatten, war ein weißer Kindersarg. In dem lag zum Glück nur ein toter Dackel. Auch ein gepresster Ford Fiesta oder eine ganze Kutsche haben wir über Container schon mal reinbekommen“, erinnert sich Bollrath. Solche Dinge seien aber die Ausnahme. Sonst wird in der Anlage ganz normaler Hausmüll verbrannt. „Wobei wir die Anlage mit dem Müll nur aus Hameln-Pyrmont nicht betreiben könnten. Wir bekommen den Abfall aus einem Umkreis von 100 Kilometern“, erklärt Bollrath.

Wo der Müll verbrannt wird, dürfen die Sommerabenteurer sich natürlich auch angucken. Während der Führung öffnet Bollrath eine kleine Klappe. Dahinter lodert das Müll-Feuer. Fast scheint es, als werfe man einen direkten Blick in die Hölle: Die Flammen lodern, Umrisse der Müllberge sind noch zu erkennen, der Rest ist Glut. Auch durch die mehrere Zentimeter dicke Abschirmung ist die Hitze zu spüren. Im Ofen herrschen Temperaturen von rund 1200 Grad. Ebenso viel Abfall wird am Tag verbrannt: 1200 Tonnen. „Wobei da noch das Altholz hinzukommt“, sagt Bollrath.

Ob in dem Feuer auch Gelbe Säcke mit Recycling-Material lodern, wird aus der Runde gefragt. Bollrath dazu: „Ich weiß nicht wieso, aber dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Nein, wir verbrennen hier keine Gelben Säcke.“ Auch auf die Frage, ob man bei der Anlage viel hinzufeuern müsse, hat Bollrath eine klare Antwort: „Nein, das war früher so, als noch viele Bioabfälle mit im Müll landeten und er damit zu nass war. Das hat sich durch die Biotonne aber geändert.“

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Nicht der gesamte Müll, der am Tag in der Anlage ankommt, wird sofort verbrannt. Ein Teil wird immer zurückbehalten. „Für das Wochenende, wenn wir keine neuen Lieferungen erhalten“, erklärt Bollrath. Zu lange darf Müll jedoch nicht liegen. Zu hoch ist die Selbstentzündungsgefahr. „Bunkerbrände sind ein echtes Thema.“ Der Brennbunker kann durch große Löschkanonen außer Gefecht gesetzt werden. Läuft aber alles nach Plan, ist die Anlage 24 Stunden, sieben Tage die Woche in Betrieb. Der Ofen wird nur ausgeschaltet, wenn die komplette Anlage gewartet werden muss. „Dann brennt das Feuer aber ziemlich schnell wieder“, weiß Bollrath. Derzeit produziert der Müllofen in Afferde mehr Strom als Wärme – im Sommer wird einfach nicht so viel Fernwärme benötigt wie im Winter. „Auch die Sommerferien merken wir. Unternehmen haben Betriebsferien und es kommt weniger Müll an“, erklärt Bollrath. Am Ende bleibt von den angelieferten Müllbergen nur noch ein grauer klebriger Haufen zurück. Die sogenannte Schlacke. Auch die wird wieder weiterverwertet. „Wobei das dann nicht mehr unser Geschäft ist“, erklärt Bollrath.

Gut gesichert mit Helm und Warnweste geht es für die 17 Besucher über das Gelände der Müllverbrennungsanlage.sak (2)



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