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Wilfried Schmickler zu Gast in der Sumpfblume

„Ein bisschen mehr Respekt“

Hameln. Eine Stimme ertönt aus dem Off. „Sagen Sie mir doch bitte, was war eigentlich zuerst da? Die Kunst oder der Mensch? Oder der Mensch und dann die Kunst?“ Wilfried Schmickler muss nicht lange überlegen. Nicht nur, weil die Frage aus einem Lautsprecher kommt und fester Bestand seines Kabarettprogramms „Das Letzte“ ist, sondern auch, weil er sie sich schon seit über 20 Jahren stellt.

veröffentlicht am 29.05.2016 um 15:08 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Rüdiger Pradella
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Hameln. Eine Stimme ertönt aus dem Off. „Sagen Sie mir doch bitte, was war eigentlich zuerst da? Die Kunst oder der Mensch? Oder der Mensch und dann die Kunst?“ Wilfried Schmickler muss nicht lange überlegen. Nicht nur, weil die Frage aus einem Lautsprecher kommt und fester Bestand seines Kabarettprogramms „Das Letzte“ ist, sondern auch, weil er sie sich schon seit über 20 Jahren stellt. Der Kabarettist, den sich die Sumpfblume am Samstag auf die Bühne geholt hat, gehört zu den etablierten Profis der deutschen Kabarett-Szene. Wir kennen ihn an der Seite von Jürgen Becker und Uwe Lyko, mit denen er die am längsten im deutschen Fernsehen existierende Kabarettsendung bestreitet: Die Mitternachtsspitzen im WDR. Bekannt wurde er darin vor allem durch seine Rollen als „Uli aus Deppendorf“ und natürlich als Loki an der Seite von Smoki alias Uwe Lyko.

Die Frage, was zuerst da war, erweist sich als gar nicht mal so einfach. Die Lösung auf die Off-Sprecher und Schmickler sich verständigen können, wirft mehr Fragen als Antworten auf: „Zuerst kommt die Zellteilung, dann das Geld, dann die Weltwirtschaft, dann die Freie Marktwirschaft und dann der Einzelhandel...“ Es folgt eine endlose Reihung von Statuten und Wünschen, Grundbedürfnissen und noch dazu so mach Überflüssiges. Dann hat Schmickler auch eine Frage an den Off-Sprecher: „Was kommt eigentlich zuletzt?“ Worauf dieser antwortet: „Dumme Frage, der Mensch natürlich.“

Der rote Faden in Schmicklers Programm ist die Kritik an unserer Gesellschaft, an der Art wie wir leben. Das uns egal zu sein scheint, was um uns herum in der Welt passiert. Er kritisiert natürlich den gläsernen Menschen. „Nichts bleibt mehr verborgen, die Freiheit ist eine Rechenaufgabe.“ Die Entwicklung der Technik, mit der er nicht mehr mitkommen kann und will, ist ihm ein Gräuel. Ich möchte nicht, dass mein Wasserkocher ein Verhältnis mit meinem Kronleuchter im Wohnzimmer hat. Nachher brennen sie noch gemeinsam durch.“

Doch er macht nicht halt vor tiefgreifenderen Themen, warum auch? Unser Verhalten gegenüber Flüchtlingen, die Überfremdung des Abendlandes, Angela Merkels Haltung und die Silvesternacht in Köln sind bei ihm klare Teile seines Programms. Er kritisiert unser Verhalten, aber er hat auch Lösungen. „Früher mussten Politiker sich noch auf die Ochsentour durch die Ortsvereine begeben.“ Heißt, ehe der Politiker in den Bundestag kam, war er erst im Ortsrat, dann im Stadtrat, dann im Kreistag und so weiter. Erst wenn er genug Erfahrung gesammelt hatte, kam er in den Bundestag. Das hat sich geändert kritisiert Schmickler. „Heute gibt es geheime Versuchslabore bei allen Parteien zur Züchtung von perfekten Nachwuchspolitikern.“ Die Frage hinter dieser Kritik ist: War es früher nicht besser?

Was ihn auch aufregt, ist der Satz „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Die damit verbunden Taten gehen Schmickler entschieden zu weit. „Menschen werden beschimpft, bedroht und angegriffen, Flüchtlingsheime angezündet.“ Deshalb fordert er schlicht „Ein bisschen mehr Respekt“.

Ein gelungener Kabarett-Abend. Das fanden auch die Zuschauer. „Schade, dass so wenig los war“, meint jedoch ein Zuschauer mit Blick in die Reihen, in denen nicht jeder Stuhl besetzt war. Aber dafür, dass parallel Fußball lief, war der Saal wirklich gut gefüllt. Vielleicht hat Schmickler ja unrecht. Nicht die Zellteilung kommt zu erst, sondern das Vergnügen.

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