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Für viele sind die kleinen Läden eine wichtige Anlaufstelle

Ein Besuch in Hamelns Kiosklandschaft

HAMELN. In Metropolen wie Hannover, Berlin oder Dortmund gehört die Kioskkultur zum Alltag. Irgendwas fehlt nach Ladenschluss immer und wird dann im Späti, Büdchen oder in der Trinkhalle gekauft. Für manche ist der Kiosk ein Treffpunkt, eine wichtige soziale Anlaufstelle in der Nachbarschaft. In Hameln ist die Kioskkultur zwar weniger stark ausgeprägt, aber es gibt sie. Die Dewezet hat ein paar dieser Inseln besucht.

veröffentlicht am 20.03.2019 um 17:29 Uhr
aktualisiert am 21.03.2019 um 15:01 Uhr

Janina Ermel, Inhaberin und Betreiberin von Janinas Büdchen, ist mit ihren Kunden auch viel im Gespräch. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Henry Carter hat mal wieder einen ausgegeben. Die zwei Eis, mit denen die zwei Jungs, die gerade aus der Schule kommen und jetzt vor dem Tresen von Janinas Büdchen stehen, gehen auf ihn. „Die kenne ich schon, seit sie so klein waren“, sagt er und deutet mit seiner Linken eine Höhe von knapp einem Meter an.

Der 68-Jährige sitzt vor dem Kiosk an der Kaiserstraße auf einem Hocker in der Sonne und trinkt einen Tee. Er wohnt gleich in der Nachbarschaft und zählt zu den Stammgästen bei Janina Ermel, die den Kiosk betreibt. „Das ist hier wie Stammtisch, nur ohne Alkohol“, sagt er. Das gilt zumindest für ihn. Ein anderer Gast, der gerade zur Tür rauskommt, gönnt sich ein Bierchen. Die anderen, viele etwas älter, sitzen drinnen in dem kleinen Nebenraum an den Tischen bei Kaffee und Kuchen und erzählen sich was.

Das Geschäft sei zwar härter geworden, sagt Janina Ermel, die im nächsten Jahr den 20. Geburtstag ihres Büdchens feiert. Die Kurve für bestimmte Artikel gehe kontinuierlich runter, zum Beispiel für Zeitungen und Zeitschriften, die es heute auch in jedem Discounter gebe. Das Geschäft ist härter geworden, bestätigt Olaf Roik vom Handelsverband Deutschland auf Anfrage der Dewezet. „Die Zahl der Kioske nimmt kontinuierlich ab“, sagt er mit Blick auf die etwa 23.500 Kioske, die es in Deutschland schätzungsweise noch gebe. In den letzten zehn Jahren seien geschätzt etwa 2000 Kioske verschwunden.

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Gabar Yanalak betreibt seit Oktober den Kiosk Am Brunnen an der Bahnhofstraße. Foto: pk

Aber was sich in Janinas Büdchen und den anderen vergleichbaren Kiosken, die dem härter werdenden Markt trotzen, wie etwa auch Gelas Kiosk an der Zentralstraße, nicht ändert, das ist die familiäre Atmosphäre unter den Stammgästen. „Es ist hier schon sehr freundschaftlich“, sagt Janina Ermel. „Für viele ist es hier ein Treffpunkt.“

Als Kioskhochburgen gelten laut Olaf Roik vom Handelsverband Nordrhein-Westfalen und Berlin. Nicht zu verachten ist aber auch die Landeshauptstadt Hannover, die 2018 erstmals einen Kiosktag zu Ehren ihrer über 300 Trinkhallen feierte. Da kann Hameln zahlenmäßig nicht mithalten. In der Weserstadt gibt es derzeit zwölf als Kiosk angemeldete Gewerbe, teilt Stadtsprecherin Janine Herrmann auf Anfrage mit. „Es wäre schlecht, wenn die weg wären“, sagt sie im Hinblick auf die soziale Funktion, die Kioske als Treffpunkt erfüllten. Die Stadt selbst hat zwei Kioske verpachtet, auf dem Klüt und in der Unterführung am Grünen Reiter. Dennis Andres, Stadtmananger bei der HMT (Hameln Marketing und Tourismus GmbH), ist der Auffassung, dass Kioske zur Belebung einer Straße beitrügen. Er verweist auf den neuen Kiosk an der Bäckerstraße, also „in A-Lage“. Der Nischenraum sei schwer zu besetzen gewesen – jetzt ist die Lücke geschlossen. Als Treffpunkt fungiert der Kiosk von Merve Öztürk allerdings nicht, Tische und Stühle gibt es keine. „Ich habe nur Laufkundschaft“, sagt sie. Eine ihrer Besonderheiten: Im Sommer habe sie bis Mitternacht geöffnet.

Vor dem Eingang des Kiosks Am Brunnen plaudern ein paar Männer. Einer von ihnen ist Betreiber Gabar Yanalak. Er freut sich über beides, Laufkundschaft und Stammgäste. Es ist ein Kommen und Gehen – und Verweilen an diesem Mittwochmittag. Der 21-Jährige hat den Kiosk im Oktober übernommen. Die jüngste Innovation: ein Nachtschalter, der in der Sommerzeit bis 3 Uhr nachts geöffnet sein soll. So kann‘s gehen. „Größere Kioske mit einem breiteren Angebot an attraktiven Standorten haben nach wie vor recht gute Chancen, sich erfolgreich zu behaupten“, sagt Olaf Roik vom Handelsverband.

Andrang herrscht jetzt an der Verkaufstheke von Janinas Büdchen. Es ist Schulschluss und viele Kinder kaufen sich noch eine „Bunte Tüte“ für den Heimweg. Draußen vor der Tür wird es wuselig. An Henry Carter ziehen die Schüler in Scharen vorbei. „Das ist immer das Highlight“, sagt er, nimmt noch einen Schluck Tee und freut sich über die jungen Menschen.



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