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Gebäude in Afferde – gebaut für die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg

Ein Bahnhof für 30 Jahre

Die 1875 eröffnete Bahnlinie von Löhne über Hameln nach Hildesheim und Vienenburg machte um das Dorf Afferde, das sich damals noch ganz auf seinen alten Kern beschränkte, einen großen Bogen. Einen Bahnhof hatte die damalige Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft dort nicht vorgesehen, zumal die Strecke weitgehend für den Güterverkehr zwischen Harz und Ruhrgebiet gedacht war.

veröffentlicht am 31.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Bernhard Gelderblom
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Afferde bemühte sich zwar mehrfach um die Einrichtung eines Haltepunktes, resignierte aber schließlich, als die Königliche Eisenbahndirektion in Hannover von der Gemeinde einen Zuschuss von 12 000 Reichsmark verlangte.

Erst die im Sommer 1933 in Berlin getroffene Entscheidung, die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg auszutragen, brachte Bewegung in die Sache. Beim ersten Fest im Jahre 1933 war ein Großteil der etwa 500 000 Teilnehmer mit der Bahn angereist. Obwohl neben dem Hamelner Hauptbahnhof zahlreiche weitere Bahnhöfe wie Aerzen, Groß Berkel, Klein Berkel, Emmerthal, Welsede genutzt wurden, war es kaum möglich, den normalen Zugverkehr und die nahezu 100 zusätzlich eingesetzten Sonderzüge geordnet abzufertigen.

Das von Goebbels geleitete Reichspropagandaministerium, das die Feste organisierte, entschied, in Afferde einen zusätzlichen Bahnhof zu bauen, um den für die Zukunft erwarteten Zuwachs an Festteilnehmern – 1937 waren es über eine Million Menschen – verkraften zu können.

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Für die Teilnehmer des Massenfestes, die nach der Vorgabe der Planer die letzten Kilometer zum Festplatz zu Fuß gehen sollten, waren vier große Kolonnenwege eingerichtet worden, die von Westen kommende „Kolonne Groß Berkel“, die bei Ohr auf einer Pontonbrücke die Weser überquerte, die „Kolonne Latferde“, die den Festplatz von Süden über den Hellweg erreichte, und von Norden die beiden Kolonnen „Hameln-West“ und „Hameln-Ost“. Die Menschen, die in Afferde die Züge verließen, würden in Hastenbeck auf die Kolonne Hameln-Ost treffen und dann über das Vorwerk Ohsen nach gut fünf Kilometer Fußmarsch den Festplatz erreichen. Man beschloss, neben die beiden vorhandenen Durchgangsgeleise an jeder Seite ein weiteres 300 Meter langes Gleis zu legen. Die Bahnsteige erhielten die ungewöhnliche Breite von acht Metern, wie sie für den An- und Abmarsch großer Kolonnen nötig war. Auch die Zuwegungen wie der Hainbuchenweg und die Asternstraße erhielten diese Breite.

Um Staus am Bahnübergang zu vermeiden, wurden die aus Richtung Hildesheim eintreffenden Kolonnen zunächst in nördlicher Richtung zur Hildesheimer Straße geführt. Dort konnten sie die Bahn unterqueren, um dann über die Breslauer und die Leipziger Straße den Kolonnenweg nach Hastenbeck und zum Bückeberg zu finden.

Das Empfangsgebäude (samt Aborten) des Afferder Bahnhofs war in den Ausmaßen bescheiden und weitgehend aus Holz errichtet. Der Bahnhof, der damals auf freiem Feld stand, sollte nach dem Willen der Reichsbahndirektion Hannover ursprünglich nur während der Bückeberg-Feste bedient werden.

Unter dem Druck aus Berlin konnte der neue Bahnhof bereits zum Reichserntedankfest 1934 fertiggestellt werden. Möglich war das durch den massiven Einsatz des Arbeitsdienstes. 40 Sonderzüge wurden 1934 hier abgefertigt; mit den Jahren wurden es immer mehr.

Neben Afferde erhielt damals auch Tündern einen neuen Bahnhof. Dort wurde der ursprüngliche Haltepunkt zum „Führer-Bahnhof“ ausgebaut und ein Stück weiter nach Süden verlegt. Der neue Bahnhof war viergleisig und hatte besonders lange Bahnsteige. Hier hielt seit 1936 der Sonderzug des „Führers“. Bis heute zeichnen sich die Rampen, die zu den Bahnsteigen führen, im Gelände ab.

Da die Planer für die weitere Zukunft mit einem stark steigenden Anteil von Festteilnehmern rechneten, die mit Kraftfahrzeugen anreisten, war der Bau einer Autobahn geplant. Sie sollte als Fortsetzung der heutigen A 30 aus Richtung Niederlande kommend in östlicher Richtung durch das Weserbergland verlaufen und bis zum Harz weiterführen. Streckenweise durch das Tal der Emmer führend sollte sie südlich des Festplatzes bei Grohnde die Weser überqueren. Abfahrten zum Bückeberg und Parkplätze mit „Bückebergblick“ waren vorgesehen. Vom Bückeberg als dem Ort der „Reichserntedankfeste“ sollte die Autobahn dann nach Osten zur „Reichsbauernstadt“ Goslar führen. Beide Orte besuchte Hitler am selben Tage.

30 Jahre lang – bis zum 31. Mai 1964 – erfüllte der Bahnhof von Afferde seine Funktion. Dann wurde das Gebäude abgerissen, die zusätzlichen Gleise wurden demontiert und die Bahnsteige zurückgebaut. Am Hainbuchenweg hat sich einzig am Gebäude einer Schaltanlage des Elektrizitätswerks Westfalen-Weser noch der Name „Afferde Bahnhof“ erhalten.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Dieses Foto des Bahnhofs von Afferde entstand im Jahre 1970, als hier schon keine Züge mehr hielten. Im Bereich dieser Häuser am Hainbuchenweg stand der Bahnhof Afferde.pr/gb



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