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Prozess um Disko-Schießerei hat begonnen / Gericht fordert Einsatzreserve der Justiz an / Wer lügt – und warum?

Ein Angeklagter sagt: „Ich werde unter Druck gesetzt“

Hameln/Hannover. Der mit Spannung erwartete Prozess um die Schießerei vor der Hamelner Disko „Nachtschicht“ hat gestern in Hannover begonnen. Unter den sieben Männern (24 bis 52 Jahre alt) aus Hameln, Coppenbrügge und Hannover müssen sehr gefährliche Leute sein, denn Wolfgang Rosenbusch, der Vorsitzende Richter der 13. Großen Strafkammer, hatte extra die Einsatzreserve der Justiz des Landes Niedersachsen angefordert. Sowohl die Angeklagten als auch die Besucher wurden auf Waffen abgetastet.

veröffentlicht am 19.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Farhad B. (24) und Hussein M. (28) haben sich wegen versuchten Totschlags, die übrigen fünf mutmaßlichen Komplizen wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag zu verantworten. Am 7. Februar 2008 war die Gruppe vor dem „Dance Club“ am Multimarkt mit Türstehern aneinandergeraten. Die Angreifer sollen zunächst mit Schlagwerkzeugen und später auch mit einer scharfen Pistole bewaffnet gewesen sein. Aus dieser „Browning, Kaliber 6,35“ wurden zwei Kugeln abgefeuert. Ein Projektil schlug in Kopfhöhe zwischen einem Wachmann (37) und einem Gast (27) in der Tür ein.

Farhad B., Ex-Türsteher der Diskothek „Retro“, der sich von den Rechtsanwälten Eckhart Klawitter und Burkhard Papendick verteidigen lässt, sagte sehr viel – aber war es auch die Wahrheit? Weil ihn „Nachtschicht“-Türsteher Davud A. (37) nicht in die neue Disko gelassen habe, will er mit ihm in Streit geraten sein. Ein Wort gab das andere. Das Blut kam in Wallung, als die Männer ihre Mütter beleidigt sahen. Am 27. Januar sei die Sache Mann gegen Mann in einem Einzelkampf entschieden worden. Er, Farhad B., habe verloren. Um später Frieden zu schließen, will sich B. eines Älteren bedient haben. Am 7. Februar sei er mit Haider A. (52) und seinen Freunden zur Disko „Nachtschicht“ gefahren.

Schlichter Haider A. war selbst viele Jahre Türsteher. Als Farhad B. und Hussein M. ausstiegen, um zu den verfeindeten Wachleuten zu gehen, will er geahnt haben, dass das nicht gut gehen wird. Nach Angaben seiner Rechtsanwältin Antje Heister, die für ihren Mandanten eine Erklärung abgab, blieb er im Auto, „weil er wusste, dass M. am impulsivsten und aggressivsten ist“.

Der Angeklagte Osman I. (29) sagte ebenfalls aus. Das Problem bei ihm ist nur, dass es bereits seine dritte Version des Tatgeschehens war, die er schilderte. Immerhin räumte er ein, die Pistole aus dem Auto von Abdulselam S. (31) geholt zu haben. Hussein M. habe damit einmal in die Luft geschossen, sagt er. Wer den zweiten, also den gezielten Schuss abgefeuert hat, will er nicht gesehen haben. Osman I. sagte, er habe Angst um sich und seine Familie, denn sowohl Farhad B. als auch Hussein M. hätten Druck auf ihn ausgeübt.

Laut Osman I. sei auf der Fahrt zum Multimarkt die Rede davon gewesen, „Frieden zu machen“. Auf dem Parkplatz habe er plötzlich die Pistole in der Hand von Hussein M. gesehen und gefordert: „Pack die Waffe weg.“ Er habe sie schließlich im Auto unter einen Sitz gelegt. Osman I. sagte auch: „Jeder hatte dann plötzlich einen Schlagstock in den Hand.“ Von ihm stammt auch der Satz: „Die fühlten sich draußen mächtig, haben sich wie Gangster verhalten, aber hier im Gerichtssaal geben sie sich ganz anders.“

Am Donnerstag, 26. März, wird der Prozess um 8.30 Uhr fortgesetzt. Dann will Hussein M. reden. Richter Rosenbusch deutete gestern an, dass M. die Sache bei der Polizei ganz anders geschildert hat. Zum Motiv habe er gesagt, „es sei um die Disko-Türen in Hameln gegangen“. Im Vernehmungsprotokoll stehe auch, einmal habe er, das andere Mal Farhad B. geschossen. Dieser habe die Pistole von einem gewissen S. bekommen.



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