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Halbzeit im Jubiläumsjahr / Anzahl an Führungen und Übernachtungen ist gestiegen

Ein 725 Jahre alter Mann raubt ihm den Schlaf

Hameln. Mystisch, verführerisch, geheimnisvoll – so präsentiert sich Hameln seit rund sieben Monaten und will der Stadt für die Dauer des Jubiläumsjahres „725 Jahre Rattenfängersage“ ein neues Image verpassen. Mehr als 100 Medienberichte und 50 Veranstaltungen liegen hinter den Organisatoren. Mit dem Geschäftsführer der Hameln Marketing- und Tourismus GmbH, Harald Wanger, sprach Birte Wulff. Er ist mit dem ersten Halbjahr durchaus zufrieden.

veröffentlicht am 24.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 12:41 Uhr

Tourismus-Chef Harald Wanger spricht mit Birte Wulff über Hameln
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Herr Wanger, wie oft haben Sie im Jubiläumsjahr schon vom Rattenfänger geträumt?

Lacht. Vom Rattenfänger würde ich nicht sagen, aber ich habe nicht immer gut geschlafen.

Was hat Ihnen schlaflose Nächte bereitet?

Ständig geht einem etwas durch den Kopf, und der Notizblock liegt immer auf dem Nachttisch. Man wacht auf und hat keine Ruhe, bis es aufgeschrieben ist. Aber das hat sich wirklich bewährt – das mit dem Block kann ich empfehlen.

Nun war Hamelns Sage ja schon vor dem Jubiläumsjahr weltbekannt – wie bekannt ist sie und die Stadt denn jetzt?

Ich hoffe, dass wir unseren Bekanntheitsgrad untermauern, vielleicht sogar steigern können. Alle auf der Welt zu befragen, geht natürlich nicht, da mussten andere Wege gefunden werden.

Welche haben Sie gewählt?

Wir haben eine Presseauswertung in Auftrag gegeben über alle Printmedien in Deutschland, zudem erfassen wir Radio- und TV-Beiträge. Insbesondere den Internetauftritt zum Jubiläumsjahr haben wir uns angeschaut. 55 000 Besucher waren auf der Seite mit 260 000 Seitenabrufen. 15 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland aus 100 Ländern. Die Verweildauer ist zudem sehr lang, vier Minuten im Schnitt. Das zeigt, dass sich die Besucher intensiv mit den Hintergründen der Sage und dem Jubiläumsjahr beschäftigen.

Was verrät Ihnen die Auswertung der Medien?

Unsere Agentur Boy hat eine Firma damit beauftragt. Die hat einen Medienäquivalenzwert von 3,2 Millionen errechnet …

… das bedeutet?

3,2 Millionen Euro hätten wir aufwenden müssen, wenn wir für den Grad an Aufmerksamkeit, den wir jetzt durch Presseberichte erhalten haben, Anzeigen geschaltet hätten.

Wer hat denn alles berichtet?

Von den Großen waren das die FAZ Sonntagszeitung mit einem ganz tollen Bericht über die Rattenfängersage mit dem Titel „Die Akte X“ auf einer ganzen Seite. In der Brigitte waren wir als Urlaubsort zum Wohlfühlen genannt, die Welt hatte ein Riesenfoto von der Illumination. Und Tageszeitungen waren etliche dabei – der Schwarzwälder Bote, die Wetzlarer Neue Zeitung … blättert durch die seitenlangen Listen.

Wie sieht es mit Fernsehen und Radio aus?

Sat.1, Deutschlandradio Berlin, Nord-TV, CNN, NDR mit einem Siebenminüter – das ist lang. Die Deutsche Welle hat auch einen Fünfminüter gedreht – da hat uns neulich einer geschrieben, dass er den Bericht im Hotelzimmer in Moskau gesehen hat. Die meisten haben Pakete geschnürt, indem sie über das touristische Hameln berichtet und dann den Bogen zum Jubiläumsjahr geschlagen haben.

Und wie schlägt sich das in den Besucherzahlen nieder?

Es ist schwer zu sagen. Entweder nutzt man die Berichterstattung veranstaltungsbezogen und kommt gezielt – zum Beispiel beim Tag der Niedersachsen waren es 280 000 Besucher – , oder ich behalte im Hinterkopf, was ich gesehen und gehört habe und fahre irgendwann mal nach Hameln. Aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von Januar bis Juni haben wir fünf Prozent mehr Stadtführungen gehabt, und die Hotelübernachtungen sind von Januar bis Mai um 3,7 Prozent gestiegen.

Das klingt nicht so fürchterlich viel …

Dazu muss man wissen, dass die Übernachtungen von Januar bis März ein Minus von elf Prozent hatten. Die Geschäftsreisen waren in dieser Zeit stark weggebrochen.

Sie haben auch Fußgänger befragt. Was steckt dahinter?

Wir haben zweimal 100 Personen befragt, im November und jetzt im Juli. Dabei ist zum Beispiel herausgekommen, dass die Inhalte des Jubiläumsjahres vorher 11 und jetzt 50 Prozent bekannt waren. Oder im November fanden 73 Prozent, dass Mystik, Magie und Verführung zur Sage und zu Hameln passen, jetzt waren es 86 Prozent. Einige haben aber auch gesagt, die Kampagne sei ihnen zu dunkel, der Rattenfänger sei nun mal ein Bunting. Manche konnten allerdings nicht zuordnen, dass Veranstaltungen, die sie besucht haben, zum Jubiläumsjahr gehörten.

Wie viele wissen, dass Hameln feiert?

Die Bekanntheit des Jubiläumsjahres beträgt 59 Prozent.

Sind Sie damit zufrieden?

Sagen wir mal so – es ist okay, aber es ist steigerungsfähig. Im Unterschied dazu haben wir einen Bekanntheitsgrad von 20 Prozent in anderen Städten, in denen wir 300 Leute telefonisch befragt haben. Das ist ein irrer Wert – die 20 Prozent kennen die Kampagne, und die Hälfte davon benennt korrekt, dass die Stadt 725 Jahre Rattenfängersage feiert. Die Agentur sagt, beim vorhandenen Budget kann man fünf bis zehn Prozent Bekanntheit erwarten.

Wie hoch war denn Ihr Budget?

Für Anzeigen, Plakate und Außenwerbung etwa 180 000 Euro.

Wo bekomme ich als Hamelner außerhalb der Veranstaltungen eigentlich mit, dass Jubiläumsjahr ist? Der Eindruck ist: kaum.

Schweigt, denkt nach. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, habe ich meine Frau gefragt: Sag mal, wo sind denn die Plakate hin? Jetzt, wo der Tag der Niedersachsen vorbei ist, wehen die Fahnen nicht mehr überall, aber auch die großen Banner und einige Plakate sind weg, zum Teil, weil versäumt wurde, sie wieder aufzustellen. Das muss wieder mehr werden. Man wird uns nicht nachsagen dürfen, dass wir nicht ausreichend kommuniziert haben.

Eine Veranstaltung, das Candle-Light-Dinner, ist gefloppt – haben Sie daraufhin andere Aktionen neu geplant?

Es haben jetzt schon über 50 Veranstaltungen stattgefunden, und es wird ganz viel neu probiert. Das muss man alles in die Abschlussbewertung reinpacken. Im Stadtmarketing wird man sich überlegen, welche Veranstaltungsformate man langfristig übernehmen kann und ob man sich künftig vielleicht für jedes Jahr eine Leitidee vornimmt.

Wie haben Kollegen aus anderen Städten auf Hamelns Aktivitäten reagiert?

Positiv. Eine Kollegin hat uns nahegelegt, dass wir uns beim deutschen Tourismuspreis bewerben. Das haben wir auch gemacht!

Dann verraten Sie noch eines, Herr Wanger: Macht Ihnen das Jubiläumsjahr noch Spaß?

Schmunzelt, überlegt. Das Jahr dauert für mich mit der Vorbereitung ja schon zwei Jahre. Aber ja, ja, es macht noch Spaß.



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