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Stadtwerke Hameln wollen e.on Westfalen Weser als Netzbetreiber aus den Ortsteilen verdrängen

Duell um Stromnetz steht vor Entscheidung

Hameln. Dass die Stadtwerke Hameln und e.on Westfalen Weser den Wettbewerb auf dem Energiemarkt besonders resolut und einfallsreich austragen, steht spätestens seit der Gründung neuer Stadtwerke im Stammland des jeweils anderen außer Zweifel. Die Neukonzessionierung des Stromnetzes in den Hamelner Ortsteilen bietet in Kürze Gelegenheit, die Konkurrenz zu kultivieren: Im April entscheidet der Rat, wer das Netz auf den Dörfern künftig betreiben soll. Kaum überraschend, zählt die Stadt zwei Bewerber: die Stadtwerke Hameln und e.on Westfalen Weser.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:21 Uhr

Autor:

Frank Werner
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Für den Regionalversorger aus Paderborn geht es um die Verteidigung des Besitzstandes, denn mit dem Elektrizitätswerk Wesertal hat das Unternehmen einst auch die Stromnetze in den Hamelner Ortsteilen und die dafür notwendigen Konzessionen (Wegerechte) erworben, die bis Ende 2011 – wie fast überall im ehemaligen Wesertal-Gebiet – neu vergeben werden.

e.on Westfalen Weser möchte den Konzessionsvertrag mit der Stadt gerne für weitere 20 Jahre verlängern, doch sonderlich aussichtsreich erscheint das Unterfangen nicht. Immerhin tritt als Mitbewerber eine 100-prozentige Tochter der Stadt an. Zwar ist der Ausgang des gesetzlich geregelten Verfahrens de jure offen, Vorfestlegungen sind deshalb öffentlich nicht zu vernehmen, aber alles andere als ein Votum der Stadt für die eigenen Stadtwerke wäre eine Überraschung.

Zudem bezeugt die bisherige Strategie der Stadt deren Ambitionen zur „Re-Kommunalisierung“ des Energiemarktes. Immerhin war es die Stadt Hameln, die federführend die Gründung der Stadtwerke Weserbergland forcierte, eines gemeindeübergreifend aufgestellten Kommunalversorgers, der e.on Westfalen Weser im Umland Hamelns Konkurrenz machen soll.

Die Stadtwerke Hameln würden durch die Übernahme des Ortsteile-Netzes ihr vorhandenes, auf die Kernstadt beschränktes Netzgebiet grob geschätzt um etwa die Hälfte vergrößern. Bislang betreiben die Stadtwerke in der Kernstadt ein 421 Kilometer langes Leitungsnetz mit einer Stromabgabe von 202 Millionen Kilowattstunden. Wie groß und vor allem: wie teuer das Ortsteile-Netz genau ist, gilt als eines der am besten gehüteten Verfahrensgeheimnisse. Auch die Stadt wartet hierzu noch auf Daten des Betreibers.

Letztlich stehen die Stadtwerke vor einer Millioneninvestition, ohne präzise zu wissen, in welchem Zustand sich das Objekt befindet und wo der Preis am Ende liegen wird. Ermittelt wird der Wert des Netzes ohnehin meist am Ende des Verfahrens per Richterspruch. Gleichwohl erscheint die Investition lukrativ: Zwar bedeutet die Übernahme des Netzes noch keine Übernahme der Kunden, doch der Betreiber erzielt stattliche Erlöse aus den Netznutzungsentgelten.

Schon im Vorfeld der Entscheidung des Rates haben sich die Kontrahenten um die Konzessionsvergabe medienwirksam in Stellung gebracht. Für Aufsehen in der Branche sorgte Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, als sie im Herbst die Gründung der „Mindener Stadtwerke“ bekanntgab und damit die Hamelner Flagge mitten im Herzland von e.on Westfalen Weser hisste. Was mit Blick auf die Stromkonzession als eher strategischer, wenn nicht rein symbolischer Schachzug zu verstehen ist: Die Konzession wird hier erst 2018 neu vergeben.

Die Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten. Im November verkündete Henning Probst, Vorstandschef von e.on Westfalen Weser, mit erkennbarer Lust zur Revanche die Gründung der „Hamelner Stadtwerke“, die es inzwischen zu einer eigenen Website und einem Eintrag ins Handelsregister gebracht haben. „Wir arbeiten an der Umsetzung des Geschäftsmodells“, erklärt e.onWestfalen-Weser-Prokurist Michael Wippermann etwas knapp das gegenwärtige Innenleben des Unternehmens.

Sollte e.on Westfalen Weser im laufenden Konzessionspoker den Kürzeren ziehen, muss Probst länger auf eine Chance zur Revanche warten. Die von den Stadtwerken gehaltene Konzession für die Kernstadt läuft noch bis 2015. Erst in diesem Jahr werden außerdem die Gasnetze in Hameln (Kernstadt und Ortsteile) neu konzessioniert.



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