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Wilfried Altkrüger zieht Konsequenzen aus Streit / Will Kreisverband den Ortsverein unterwandern?

DRK-Vorsitzender kündigt seinen Rückzug an

Hameln (bha). Zwei starre Positionen, die Mediatoren in Einklang bringen wollen; Menschen, die einander nicht grün sind und Machtkämpfe ausfechten; immer wieder Schiedsverfahren, die Klarheit und eine Wahrheit ans Licht bringen sollen – Beteiligte sehnen ein Ende des DRK-Zwists und einem Neuanfang herbei. Auch Wilfried Altkrüger, Vorsitzender des Ortsvereins Hameln. Entgegen seiner Ankündigung, sich derzeit nicht zu dem Streit mit dem Kreisverband zu äußern, hat er sich nun zu einem offenen Gespräch mit der Dewezet entschlossen. Darin kündigt Altkrüger seinen persönlichen Schlussstrich an: Ein weiteres Mal will er den Vorsitz des Ortsvereins nicht übernehmen.

veröffentlicht am 31.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:21 Uhr

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Die Auseinandersetzungen mit dem Kreisverband, der Umgang miteinander, reichen dem Ehrenamtlichen, jetzt sei es genug. Hinzu kämen gesundheitliche Gründe. Bei der Mitgliederversammlung im Mai oder Juni will Altkrüger offiziell seinen Hut nehmen; dann, wenn die Mitglieder auch über den neuen ausgehandelten Kooperationsvertrag abstimmen, der die Zusammenarbeit von Ortsverein und Kreisverband regeln soll. „Es bietet sich an, dass ein personeller Neuanfang gemacht wird mit dem neuen Vertrag“, sagt Altkrüger, der 2008 Hartmut Kahles Nachfolge antrat. Für Altkrüger habe immer festgestanden, er werde die Aufgabe nur „für die Zeit während der Verhandlung mit dem Kreisverband wahrnehmen“, sagt er. Und räumt zögernd ein, Fehler gemacht zu haben beim geplanten Kauf des Hauses an der Zentralstraße.

„Ich habe vielleicht den Fehler gemacht, das nie formal beim Kreisverband beantragt zu haben“, sagt Altkrüger über das Vorgehen, mit dem der Ortsverein letztlich gescheitert ist. Statt einer Immobilie hat er sich eine einstweilige Verfügung eingehandelt, mittels der der Kreisverband den Hauskauf untersagt hat. Objekt der Begierde war das Backsteingebäude, in dem der Ortsverein untergebracht ist. Der Kreisverband aber wollte den Ortsverein lieber in den eigenen Räumen an der Kaiserstraße sehen, die laut Altkrüger den eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen. Der Kreisverband habe aus mehreren Gesprächen zwischen ihnen und dem Landesverband gewusst, dass der Ortsverein die Immobilie an der Zentralstraße kaufen möchte, sagt Altkrüger. Und: „Nach unserer Satzung musste der Kreisverband nicht zustimmen.“ Der Kreisverband sah das anders und bekam letztlich recht. Den finanziellen Schaden, der dem Ortsverein durch den missglückten Kauf entstanden ist, beziffert Altkrüger auf 9500 Euro. Der Kreisverband spricht von 25 000 Euro.

Mit der unterschiedlichen Auslegung der Rechte und Pflichten soll Schluss sein. Damit scheint das Ende einer Sonderstellung eingeläutet, die der Hamelner Ortsverein aufgrund seiner Geschichte im Vergleich zu anderen Ortsvereinen seit 1991 hatte. Die damals getroffene Vereinbarung war vom Kreisverband 2010 einseitig, aber wirksam gekündigt worden. Dessen Ziel: die Ausgleichszahlungen erheblich zu senken, die die Hamelner bis dato erhielten, als Gegenleistung für Aufgaben, die sie abgetreten hatten und damit Einnahmen verloren. 40 000 Euro jährlich wollte Landrat Rüdiger Butte als Vorsitzender des Kreisverbandes eingespart wissen. Worauf sich die Mediatoren jetzt verständigt haben, ist noch nicht öffentlich. Doch der Kompromiss scheint an alten Pfründen zu rütteln.

„In vorauseilendem Gehorsam“, sagt Altkrüger, hätten die Mediatoren in dem Papier schon jetzt umgesetzt, was der DRK-Bundesverband ab 2014 fordert. Nämlich, dass die Satzungen überarbeitet werden – und auch Hameln eine Satzung vorlegt, die dann keinen Spielraum mehr für Alleingänge ohne Zustimmung des Kreisverbands zulässt. Das „Durchgriffsrecht“ der übergeordneten DRK-Ebene auf die untere gilt dann auch hier.

Um sicherzugehen, dass ausreichend Mitglieder dem Entwurf zustimmen, setzt der Kreisverband nach Altkrügers Schilderungen auf merkwürdige Methoden: Demnach werden Männer und Frauen mobilisiert, die mit dem Kreisverband sympathisieren, sich beim Ortsverein als Mitglieder anzumelden. Im Februar und März hätten den Ortsverein fast auf einen Schlag 64 Anträge auf Fördermitgliedschaft erreicht, davon nur 14 aus Hameln. Im DRK aber gilt laut Altkrüger ein Territorialitätsprinzip, nach dem Fördermitglieder am jeweiligen Ort aufzunehmen sind: Aerzener in Aerzen, Haverbecker in Haverbeck, Hamelner in Hameln. Nur sogenannte „aktive Mitglieder“ könnten überall hin; jetzt erklärten etliche der Beitritt Ersuchenden per wortgleichem Schreiben, dass sie ja „aktiv“ tätig werden wollten – in Altkrügers Augen ein vom Kreisverband gesteuertes Manöver, damit genug Stimmen für den neuen Vertrag zusammenkommen.

Die negative Entwicklung der Mitgliederzahlen interpretiert Altkrüger im Übrigen etwas anders, als die Dewezet es am Mittwoch getan hat. „Ich sehe nicht, dass wir durch die Auseinandersetzung viel stärker als sonst Mitglieder verloren haben“, sagt Altkrüger. Der Grund für den Rückgang sei zum größeren Teil darin zu suchen, dass keine neuen Mitglieder geworben wurden – und das sei ein Versäumnis des von April bis November durch den Kreisverband eingesetzten Notvorstands.



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