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Ohrenbetäubender Knall schreckt Hamelner auf / Warum THW-Experten einen Baum hochjagen

„Drei, zwei, eins – Sprengung“ – ein Riese fällt

Hameln. Die Detonation war ohrenbetäubend laut. Sie glich einem Überschallknall, zerriss am Sonnabend um 11.55 Uhr die Stille des Waldes und war kilometerweit zu hören. Bis zu zwei Meter lange, scharfkantige und mehrere Kilogramm schwere Holzsplitter flogen bis zu 35 Meter weit durch die Luft; einige gingen auf einem Forstweg oberhalb des Hallenbades am Hamelner Einsiedlerbach nieder. Was kaum jemand aus seiner Deckung heraus sehen konnte: Wie in Zeitlupe kippte der Riese um, rutschte krachend an einem Nachbarbaum zur Erde hinab.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 16:21 Uhr

Alles ist gut gegangen – der Baumriese liegt am Boden.

Autor:

Ulrich Behmann
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Auf diesem Moment hatten die Sprengmeister des Technischen Hilfswerkes (THW) und ihre Helfer fast vier Stunden hingearbeitet. Am Ende waren nur strahlende Gesichter zu sehen. „Hat voll gut hingehauen“, sagt Michael Upenek (50), der die spektakuläre Sprengung eigenverantwortlich durchgeführt hatte. „Der Baum ist exakt so gefallen wie er sollte.“

Am Basberg war die 20 Meter hohe Buche mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern von einer Sturmböe wie ein Streichholz umgeknickt worden, die Krone jedoch an einem anderen Baum hängen geblieben. Der Stamm am Fuße der Buche war meterhoch aufgeplatzt. „Er hatte 60 Grad Schräglage und stand mächtig unter Spannung – etwa so, wie ein Flitzbogen“, sagt THW-Mann Upenek.

Erfahrene Forstleute wissen: „Mit der Kettensäge darf man an so einen Baum nicht rangehen. Das ist absolut lebensgefährlich“, sagt Carsten Füssel (50), ebenfalls Sprengberechtigter des THW Hameln. Vor ein paar Jahren seien im Schwarzwald mehrere Forstwirte, die Orkanschäden beseitigen mussten, von solchen Bäumen getötet worden.

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Die Ladungen explodieren, der Stamm platzt auseinander. Foto: TH
  • Die Ladungen explodieren, der Stamm platzt auseinander. Foto: THW
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Die Ladungen explodieren, der Stamm platzt auseinander. Foto: TH

Von Förster Ottmar Heise hatte das THW den Tipp auf den schräg liegenden Baum bekommen. „Wir suchen immer nach geeigneten Objekten, die wir sprengen dürfen“, sagt Upenek. Denn: Einmal pro Jahr müssen die Sprengberechtigten der Bundesanstalt eine eigenverantwortliche Sprengung durchführen – ansonsten verlieren sie ihre Lizenz. Für das Forstamt ist das ein Glücksfall. Auf diese Weise musste sich kein Waldarbeiter in Gefahr begeben. „Weg musste der Baum auf jeden Fall“, sagt THW-Ortsbeauftragter Tobias Tasler. „Er war eine latente Bedrohung für Wanderer.“

Am Morgen hatten die THW-Sprenghelfer acht 35 Zentimeter tiefe Löcher in den Stamm gebohrt. Dann drückten Upenek und Füssel Zünder in die Sprengladungen und schoben zwölf Stangen mit einem Ladestock in die Bohrlöcher. „Im gesplitterten Bereich haben wir zudem eine größere Ladung angelegt“, sagt Upenek. Mit Zünddrähten wurden die einzelnen Schlagpatronen – so nennen Experten die mit Zündern versehenen Sprengstoffstangen – miteinander verbunden und an eine elektrische Zündleitung angeschlossen. Die gefüllten Löcher verschlossen die Helfer mit nassem Zeitungspapier. Fertig. Zwei Kilogramm gelatinöser Gesteinsspengstoff vom Typ Eurodyn wurden eingesetzt, um den viele Tonnen schweren Baum zu fällen.

Sicherheitsposten sperrten den Gefahrenbereich weiträumig ab. Um 11.54 Uhr gab Michael Upenek mit einem Messinghorn das Signal für die Sprengung. Da hatte sein Kollege Füssel bereits den Kondensator der Zündmaschine mithilfe einer Drehkurbel aufgeladen. Zugführer Andreas Weiher zählte rückwärts: „Drei, zwei, eins – Sprengung!“

„Achtung! Sprengung!“

THW-Experte Michael Upenek bläst ins Horn, gibt das Warnsignal.

Die 20 Meter lange Buche hat Schräglage, steht unter Spannung. THW-Helfer bohren zunächst Löcher in den Stamm und drücken dann Sprengstoff-Stangen hinein.

Fotos: ube

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